Sehnsucht nach Siegertypen Wonder Woman – Die Welt braucht Helden

Batman und Wonder Woman im Kampf gegen die Bösen (Comic-Zeichnung aus den 1960ern). Foto:  
Batman und Wonder Woman im Kampf gegen die Bösen (Comic-Zeichnung aus den 1960ern). Foto:  

Seit es Menschen gibt, sehnen sie sich nach Siegertypen – nach fiktiven mehr noch als nach realen. In der Antike hießen sie Achill oder Hektor. Heute nennen sie sich Wonder Woman, Captain America und Iron Man.

Leben: Markus Brauer (mb)
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Stuttgart - Wonder Woman, die allerste Comic-Superheldin der Welt soll für die Vereinten Nationen die Rechte von Frauen verteidigen. Kein Witz! UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wird den 21. Oktober anlässlich des 75. Geburtstags der Superheldin zum „Wonder Woman Day“ erklären und ihr den Titel Botschafterin für Frauen und Mädchen verleihen.

Kennen Sie Wonder Woman und die anderen Helden aus dem Marvel- und DC-Universum? Jene fantastische Welt von Spider-Man, Thor, Iron Man, Captain America und Wolverine, Batman, Superman und Green Lantern. Seit den 1930er Jahren veröffentlichen die beiden US-Verlagsriesen Sprechblasen-Abenteuer von Rettern und Schurken, die allesamt außergewöhnlich sind. Auch im Kino sind die Weltenretter längst omnipräsent.

Batman, Superman, Wonder Woman

Seit dem Erfolg der „Batman“- (ab 1989) und „X-Men“-Saga (ab 2000) erscheinen immer neue Abenteuer. Verfilmungen von DC- und Marvel-Comics wie „Batman Begins“, „The Avengers“, „Guardians of the Galaxy“ oder „The First Avenger: Civil War“ werden durchweg Kassenschlager. 2017 kommt der nächste Blockbuster in die Kinos: „Wonder Woman“. Nach „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist es die zweite Kinoverfilmung über die Amazonenprinzessin Diana Prince, die hinter der Identität Wonder Womans steckt, und ist der erste Solo-Film über diesen Charakter für das Kino.

„Postheroische Gesellschaft“

In der Realität sieht die Sache mit den Helden etwas anders aus. Wir leben in einer „post­heroischen Gesellschaft“, stellt der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler fest. Nach zwei von ihnen entfachten Weltenbränden sind vor allem die Deutschen des Heldentums überdrüssig. Sie haben genug von Heroen und Heroismus, falschem Pathos und Heldenlügen. Ganze Generationen ließen sich von skrupellosen Herrschern und brutalen Diktatoren instrumentalisieren, im Namen menschenverachtender Ideologien in den Tod schicken und zu Mittätern an unvorstellbaren Menschheitsverbrechen machen.

Der Philosoph Jürgen Habermas erklärte wenige Monate nach den Terroranschlägen von Islamisten auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington am 11. September 2001: „Mir scheint, dass sich, wo immer ‚Helden‘ verehrt werden, die Frage stellt, wer das braucht – und warum.“




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