Serie Mensch! Strohgäu: Manfred Gutbrod aus Hemmingen Ein Sammler, der weiß, wo er suchen muss

Von Franziska Meißner 

Es ist Manfred Gutbrod zu verdanken, dass im Etterhof in Ausstellungen ortsgeschichtliche Artefakte gezeigt werden. Der Vorsitzende des Ortsgeschichtlichen Vereins konnte dabei auch auf den eigenen großen Fundus zurückgreifen.

Manfred Gutbrod in der Scheune im Etterhof mit seinem Lieblingsobjekt: einem alten Bauernwagen. Foto: factum/Granville
Manfred Gutbrod in der Scheune im Etterhof mit seinem Lieblingsobjekt: einem alten Bauernwagen. Foto: factum/Granville

Hemmingen - Manfred Gutbrod hat jetzt Zeit. Das könnte man jedenfalls meinen, denn der 64-Jährige ist zum Ende des Schuljahres in den Ruhestand gegangen. Die Fächer Technik und Sport lehrte er an der Schule in Hemmingen, er hat Erst- bis Zehntklässlern gleichermaßen versucht, etwas beizubringen. „Das ist ja das Interessante da, dass man alle hat“, sagt Gutbrod über die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. „Bis zum letzten Moment“ habe er seinen Beruf gerne ausgeübt, erzählt er. Während er sich an die Zeit an der Schule erinnert, sitzt er an einem Tisch im Etterhof. Auch mit diesem Ort verbindet ihn eine Leidenschaft.

Gutbrod ist Vorsitzender des Ortsgeschichtlichen Vereins, der sich um die Ortsgeschichtlichen Räume in dem historischen Hof kümmert. Dass dort eine Dauerschau sowie Wechselausstellungen gezeigt werden, ist maßgeblich Gutbrod zu verdanken. Wo seit drei Jahren Objekte aus der Heimatgeschichte zu sehen sind, war früher eine Küferwerkstatt. Die Gemeinde hat das Haus vor mehr als zehn Jahren gekauft – und Gutbrod hat es sich „gleich gekrallt“, wie er es augenzwinkernd ausdrückt. Kurz darauf hat er die erste Ausstellung organisiert. Etwas, das nicht nur ihm „riesigen Spaß gemacht hat“, sondern auch viele Besucher angelockt hat. Es war der Anfang einer Erfolgsgeschichte: Das Haus wurde aufwendig saniert, der Hof ebenfalls, und auch die Scheune nebenan wurde ausgebaut. Überall sind nun Objekte aus der Heimatgeschichte zu sehen, von landwirtschaftlichem Werkzeug bis zur bäuerlichen Kleidung aus dem 19. Jahrhundert.

Auf der Suche nach Relikten aus vergangenen Zeiten

Neben den Dingen, die Gutbrod im eigenen Fundus hat, sind im Etterhof auch Dinge zu sehen, die Bürger dem Verein überlassen. Nicht nur weil ihn als Lehrer viele kennen, war das irgendwann ein Selbstläufer. „Oft steht etwas vor der Tür“, sagt Gutbrod. Er freut sich, dass die Objekte fast immer von hoher Qualität sind. Sein Lieblingsstück ist ein alter Bauernwagen aus Holz, der etwa zum Transport von Heu genutzt wurde. „Daran“, findet Gutbrod, „kann man nichts mehr verbessern“.

Viele alte Utensilien, so sieht es Gutbrod, funktionieren genauso gut wie ihre modernen Varianten. Deshalb nutzt er auch privat eine Brotschneidemaschine mit Handkurbel oder einen alten Entsafter. „Der macht, was er soll“.

Es ist Gutbrod wichtig, im Etterhof das Können der Vorfahren zu würdigen. Dass es dort so viel zu sehen gibt, liegt auch daran, dass Gutbrod ein Sammler ist. Seit 20 Jahren interessiert er sich vor allem für Relikte aus vergangenen Zeiten. Von Frühjahr bis Herbst ist er dazu auf Feldern unterwegs, durchkämmt sie Furche für Furche, früher noch mit den Kindern, „die waren näher am Boden dran“. Besonders interessiert ist er an Überbleibseln aus der Steinzeit – für eine neue Ausstellung. Fündig wird Gutbrod fast immer – weil er weiß, wo er suchen muss: „Wo es Wasser gibt und guten Boden, da findet man etwas.“

Vom Mechaniker zum Lehrer

Mit der Vergangenheit, erzählt Gutbrod, habe er sich schon immer beschäftigt – Geschichte hat er trotzdem nicht studiert, das tiefgehende Interesse kam erst später. Auch zu seinem Beruf als Lehrer kam Manfred Gutbrod über Umwege. Er hat als Mechaniker gearbeitet, bis ihm die Menschen zu sehr gefehlt haben. Als Lehrer kam der gebürtige Stuttgarter nach Hemmingen, von dem er gar nicht wusste, „wo es ist“, aber wo er sich längst zuhause fühlt. Dort ist es nicht nur der Etterhof, wo sich Gutbrod engagiert. Seit 31 Jahren stellt er den Maibaum im Ort auf – eine Tradition, die er mit angestoßen hat: „Vorher gab es nur ein Konzert, aber keinen Baum“.

Und dann gibt es ja immer noch den alten Beruf, von dem sich Gutbrod noch nicht so richtig lösen kann. Neulich kam die Anfrage, ob er nicht eine Vertretung machen könne. Als seine Frau ihn angerufen habe, erzählt Gutbrod, sei er „angesprungen wie eine Maschine“.