Serien-Tüv „Jerks“ – von und mit Christian Ulmen Was für Blödmänner!

Keine „Tatort“- Szene: Nora Tschirner taucht auch in „Jerks“ neben Christian Ulmen auf Foto: maxdome/ProSieben
Keine „Tatort“- Szene: Nora Tschirner taucht auch in „Jerks“ neben Christian Ulmen auf Foto: maxdome/ProSieben

Das Leben ist zu kurz, um es mit schlechten Serien vor dem Fernseher zu verschwenden. Unser Schnelltest verrät, ob es sich wirklich lohnt, sich auf eine neue Serie, eine Serienstaffeln einzulassen. Wir haben für Sie gesehen: „Jerks“ – von und mit Christian Ulmen.

Medien: Ariane Holzhausen (wöl)

Stuttgart - Das Leben ist zu kurz, um es mit schlechten Serien vor dem Fernseher zu verschwenden. Unser Schnelltest verrät, ob es sich wirklich lohnt, sich auf eine neue Serie, eine neue Serienstaffel einzulassen. Wir haben für Sie eine Episode von „Jerks“ gesehen, der neuen Maxdome-Pro-Sieben-Comedy von und mit Christian Ulmen.

Worum geht es?

Christian Ulmen und ­Fahri Yardim sind zwei „Jerks“, was man nett, harmlos, aber völlig unzureichend mit Trottel übersetzen könnte – treffender sind deutsche Wörter wie: Nulpen, Blödmänner, gemeine egoistische Schweine, nervende Ärsche. Ihr Alltag ist so unerträglich wie ihre Männergespräche, sie schlittern mit solcher Wucht von einer Peinlichkeit in die nächste, dass moralische Grenzpfähle keinen Bestand haben. Kurz gesagt: Ulmen und Yardim spielen zugespitzt sich selbst, „es ist mein wahres Leben. Bisschen variiert, ein wenig dazugekommen, etwas weggelassen. Ansonsten: alles genauso“, sagt Ulmen.

Wer steckt dahinter?

Christian Ulmen ist ein Meister im Fach drastische Ego-Comedy. Ihm ist nichts peinlich. Auch wenn mancher Handlungsstrang von „Jerks“ vom dänischen Vorbild übernommen wurde – Ulmen dreht hier als Regisseur und Hauptdarsteller so eigen und genialistisch an den Stellschrauben, dass mal wieder ein ungewöhnliches, sehr krasses Sozialexperiment dabei herausgekommen ist. Der Streamingdienst Maxdome habe als einziger den Mut gehabt, dieses Konzept umzusetzen, oder wie es Ulmen auch ausdrückt: „Maxdome hat den Mut zum Unfall.“

Wer spielt mit?

Fahri Yardim und Christian Ulmen sind nicht nur vor der Kamera Freunde. Das macht die Dialoge zwischen den beiden schmerzhaft echt. Außerdem spielt Ulmens Ehefrau Collien Ulmen-Fernandes in der Serie – psychologisch tricky – seine Ex-Frau. Ulmens „Tatort“-Partnerin Nora Tschirner taucht spaßbereit genauso auf wie die beiden Rapper Sido und Kay One. Weil man sich offensichtlich – wie gut auch immer – kennt, merkt der Zuschauer gar nicht, dass es hier nur einen Seitenhauch von Drehbuch gab und überhaupt keine vorgegebenen Texte.

Der Satz des Tages

Ulmen und Yardim haben erfahren, dass ihre Freundinnen einen Masturbationskurs bei Jana ­Pallaske besuchen. Schon geht fassungsloses Gestottere los, wie es nur aus in ihrer Ehre getroffenen, plötzlich ganz käsigen Männern holpern kann. Ulmen: „Das ist jetzt so, als würden wir uns mit Thomas Gottschalk treffen und uns einen runterholen lassen von von von . . .“ Yardim: „. . . Thomas Gottschalk.“ Ulmen: „Oder seiner Frau.“

Die Szene des Tages

Ulmen muss Sido, dem Rapper, der früher nur mit Maske im Business unterwegs war, ein Schweinkramheft zurückbringen, um seiner Freundin zu beweisen, dass es auf gar keinen Fall seines ist. Sidos Ehefrau (auch in echt) Charlotte Würdig bekommt das dicke Blatt rund um abartigen Sex mit Masken bei der heiklen Übergabe in die Finger: „Wir haben so lange darüber gesprochen . . . Du warst jahrelang in Therapie . . .“ Und der große Rapper Sido steht daneben. Ganz klein mit Käppi.

Was soll das alles?

Gute Frage. So explizit hat man Männer jedenfalls noch nie im Fernsehen über Frauen, Sex, Freundinnen, Geschlechtsverkehr et cetera sprechen hören. So glaubhaft un­sensibel sind Männer selten durchs finstere Jammertal der Midlife-Crisis getrampelt.

Wer soll das gucken?

Wenn es nach Christian Ulmen ginge: „Alle Menschen, die das Bedürfnis haben, ihr Schamgefühl mit lieben Freunden zu teilen.“

Wer nicht?

Wer „Vagina“ für das einzig zulässige Wort für die Beschreibung des weiblichen Geschlechtsorgans hält, findet den zwischendurch mal stattfindenden Erguss sämtlicher Synonyme sicherlich unerträglich. Warum ein Mann ins Katzenklo macht, möchte vielleicht auch nicht jeder so genau wissen.

Bingewatch-Faktor?

Christian Ulmen halt. Für die einen eine grob durch den Wolf gedrehte und geschmacklos durchgebratene Männerüberspanntheit. Für die anderen gilt: Es gibt zunächst nur zehn Folgen!

Gesamtnote: 1




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