Sicherheit des Stromnetzes Kraftwerk in Marbach ist zwei Jahre im Verzug

Die neue Anlage liegt neben der bestehenden mit dem hohen Schornstein. Foto: EnBW

Die neue Anlage in Marbach zur Netzstabilität während der Energiewende soll erst im dritten Quartal 2024 in Betrieb gehen. Ist dadurch das Versorgungssystem gefährdet?

Dass es bei einem auf mehr als 100 Millionen Euro taxierten Projekt hier und da nicht rundläuft und die Zeitpläne nicht auf den Tag genau eingehalten werden, dürfte keinen Bauherren überraschen. Wenn ein Vorhaben allerdings fast zwei Jahre im Verzug ist, ist das schon bemerkenswert. Genau so haben sich aber die Dinge bei der neuen Netzstabilitätsanlage der EnBW am Marbacher Neckarufer entwickelt. Das Kraftwerk sollte spätestens im Oktober 2022 betriebsbereit sein. „Der aktuelle Zeitplan sieht die Inbetriebnahme der Netzstabilitätsanlage nun im dritten Quartal 2024 vor“, erklärt Pressesprecher Hans-Jörg Groscurth.

 

Nach dem Spatenstich im Oktober 2020 hätten unter anderem die Coronapandemie und anschließend der Ukraine-Krieg zu Lieferverzögerungen und Materialengpässen geführt. Doch die Widrigkeiten rissen damit nicht ab. Haupttreiber für die Verzögerungen sei ein Defekt am Haupt-Transformator, berichtet Groscurth. An der Reparatur werde mit Hochdruck gearbeitet. Der Transformator sei schließlich ein „elementarer Bestandteil der Anlage und sorgt dafür, dass die im Kraftwerk erzeugte elektrische Spannung in Hochspannung umgewandelt wird, damit diese anschließend in das Stromnetz eingespeist werden kann“. Das instandgesetzte Gerät werde voraussichtlich Anfang Februar angeliefert.

Alternativen werden angezapft

Gebraucht wird das neue Kraftwerk, um während der Energiewende die Netzstabilität zu gewährleisten. Es läuft nicht in Dauerschleife. Die Gasturbine wird lediglich dann angeschmissen, wenn akuter Bedarf besteht und damit das Stromversorgungssystem nicht ins Schlingern gerät. Und solange das Kraftwerk in Marbach noch nicht verfügbar ist, greife man in diesen Situationen auf andere Anlagen zurück, versichert Andrea Jung, Pressesprecherin der zuständigen EnBW-Tochter TransnetBW. Je nach Netzlage könnten dies Kraftwerke in der Nähe wie in Heilbronn sein oder weiter entfernte.

Die Stabilität sei durch den Verzug bislang nicht gefährdet, beteuert Jung. Allerdings würden die Alternativen „im Zuge des weiteren Kohleausstieges nach und nach wegfallen, weshalb es wichtig ist, dass das Kraftwerk in Marbach baldmöglichst in Betrieb genommen wird“. Angedacht ist, dass die Anlage zehn Jahre für den Notfall bereitsteht. Ob das reicht, hängt aber laut Jung zum Beispiel davon ab, wie schnell der Ausbau des Übertragungsnetzes voranschreitet.

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