Ein Gangster macht dem Monarchen Carl Gustaf XVI. die Schlagzeilen streitig. Er streut schlüpfrige Details über dessen Privatsphäre.

Korrespondenten: Hannes Gamillscheg (gam)

Stockholm - Am 18. Oktober stoppte eine Polizeipatrouille in Stockholm einen SUV, dessen schlingernde Fahrweise sie an einen trunkenen Fahrer glauben ließ. Der Mann am Steuer hieß Mille Markovic, und wie die anschließende Unterhaltung zwischen Delinquent und Ordnungshüter ablief, zeigt die Anzeige, die dem Intermezzo folgte: wegen "gefährlichen Fahrens mit Drogen im Blut", wegen "Vorbereitung grober Misshandlung", wegen "Verstoßes gegen das Waffengesetz", wegen der "Drohung, einen Polizisten zu erschießen" und wegen "gewaltsamen Widerstandes" muss sich Markovic vor Gericht verantworten.

"Kleinigkeiten" nennt der Anwalt Thomas Martinsson das Sündenregister seines Klienten, denn Markovic saß auch schon wegen Erpressung, Misshandlung, Rauschgiftdelikten und Steuerbetrugs insgesamt vier Jahre hinter schwedischen Gardinen. Ein abgehärteter Gangsterkönig also, und doch ein Mann, der Schwedens wahrem Monarchen die Schlagzeilen streitig macht: Markovic ist der Inhaber jener kompromittierenden Fotos, die Carl Gustaf XVI. angeblich im Clinch mit leicht bekleideten Damen zeigen. Das Bild, das der ehemalige Stripclubinhaber der Zeitung "Expressen" gab, hat sich zwar als plumpe Fälschung erwiesen. Markovic aber sagt, er habe noch viel mehr von der Sorte. Er will sie in seiner bald erscheinenden Autobiografie veröffentlichen sowie auf seiner Internetseite, als "Pay-per-view", für 29,90 Kronen das Stück.

Der widerwillige Monarch

So hält sich der 50-Jährige in den Schlagzeilen, seit vor einem Jahr Carl Gustafs Skandalbiografie "Der widerwillige Monarch" erschien, deren schlüpfrige Kapitel hauptsächlich auf Milles Insiderinformationen beruhten. Dabei sollte ein Mann mit seiner Karriere die Öffentlichkeit eher meiden. 1961 im serbischen Kragujevac geboren, kam er als Pflegekind nach dem gewaltsamen Tod seiner Mutter nach Schweden, wo er mit 21 die Staatsbürgerschaft erwarb und sich zuerst als Handlanger und Boxer durchschlug.

Seine Profikarriere endete nach nur vier Kämpfen, von denen er nur den ersten gewann, kläglich, doch seine Kräfte setzte er fortan profitabler ein. Er arbeitete sich in der Unterwelt nach oben, diente der berüchtigten "Balkanmafia" als Geldeintreiber, versorgte illegale Spiel- und Sexclubs mit Frauen, zeugte nebenher sieben Kinder und betrieb später selbst die einschlägigen Etablissements Privé und Lady.

Dingfest gemacht wegen Steuerhinterziehung

Als diese von der Polizei in einer Razzia ausgehoben wurden, konnte die Justiz Markovic zwar nicht wegen Kuppelei dingfest machen, dafür - nach der Al-Capone-Methode - wegen Steuerhinterziehung. Die Millioneneinnahmen hatte er schwarz eingesteckt und nebenher Frühpension kassiert, da er seit sechs Jahren als "arbeitsunfähig" gilt. Das kostete ihn die Clubs, sein Gehöft und zwei Jahre hinter Gitter. Er sieht dies als Racheakt der Geheimpolizei.

Als seinerzeit Carl Gustaf und dessen Freunde die Lasterhöhlen frequentierten, habe es keine Razzia gegeben, im Gegenteil: da standen die Polizisten Wache vor den Spelunken. Jetzt, meint er, ist es an ihm, Rache zu nehmen für ein verqueres Leben, das, wie die, die ihn kennen, sagen, von "Hass gesteuert" sei. Er sieht sich verfolgt von der "Mafia", womit er nicht seine Gangsterpartner meint, sondern die Freunde des Königs, die einst bei ihm ihre Gelage abhielten und ihn nun zum Schweigen bringen wollten.

Königskumpel suchte Kontakt zur Unterwelt

Tatsächlich setzte sich Anders Lettström, einst Carl Gustafs engster Vertrauter, mit den Oberbonzen der Balkanbande in Verbindung, um Mille Markovic zur Herausgabe der Fotos und einem Dementi zu zwingen. Dies sei zwar ohne Mitwissen des Monarchen geschehen, behaupten sowohl dieser wie Anders Lettström. Doch dass die Königskumpel so nervös waren, dass sie den Kontakt zur Unterwelt suchten, erscheint vielen Schweden als schwer belastend: da müsse es wohl einen Grund geben für diese Nervosität.

Einstweilen können die Anhänger der Monarchie aufatmen. Zwar behauptet Markovic, dass er das veröffentlichte Foto mit einem männlichen Betrachter weiblichen Geschmuses nur retouchiert habe, um mehr Licht auf die Hauptperson zu werfen.

König bei Sexorgie definitv nicht dabei

Doch Tüftler haben inzwischen herausgefunden, dass das Gesicht des Mannes offensichtlich von einem Interview Carl Gustafs aus dem Jahr 1976 stammt. Dann wurde es in ein Bild kopiert, das angeblich von einem 1991 gedrehten Videostreifen stammt. An der auf einer Luxusjacht gedrehten Sexorgie habe König Carl Gustaf "definitiv nicht teilgenommen", erinnert sich ein Zeuge.

Markovic widerspricht. Er wurde schon 1995 wegen "Vorbereitung von Erpressung" verurteilt, weil er ein Liebesnest mit modernster Video- und Abhörtechnik ausstaffierte und Prominente mit Escortgirls und Drogen filmte. Das flog auf, noch ehe er das Material verwerten konnte. Jetzt fragen sich viele: hat er Ähnliches mit Carl Gustaf versucht? Oder ist das Ganze nur eine Propagandanummer, um das Interesse für seine Biografie zu schüren?

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