Soko Stuttgart im Metropol-Kino Sexy ohne Rentierpulli

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Eine Vorabendserie mal auf großer Leinwand: Die 200. Folge der Soko Stuttgart hatte Kino-Premiere. Für die Fans gab’s die Darsteller hautnah und Einblicke hinter die Kulissen.

Michael Gaedt, Astrid M. Fünderich mit Produzent   Vogel  (rechts) Foto: Lg/Willikonsky
Michael Gaedt, Astrid M. Fünderich mit Produzent Vogel (rechts) Foto: Lg/Willikonsky

Stuttgart - Von der Voir Skybar im Bahnhofsturm schaut man hinunter aufs nächtliche Lichtermeer. Hinter welchem hellen Quadrat wohl ein Mörder wohnt, wo ein Dieb, ein Erpresser? Seit neun Jahren bringt die „Soko“ das donnerstägliche Verbrechen „made in Stuttgart“ ins ZDF. Und die Macher sagen, der kriminelle Alltag in der Stadt sei noch ärger als sie es zeigen. Die 200. Folge der Soko Stuttgart mit dem schönen Titel „Durchgeknallt“ lief am Donnerstag, mit einiger Verspätung im Vergleich zum Fernsehen, erstmals auf der großen Leinwand des Metropol-Kinos. Zum so genannten Screening im Rahmen der Filmschau Baden-Württemberg waren auch die Hauptdarsteller gekommen – und danach wurde gefeiert, mit Blick auf jene Stadt, die „reich und sexy“ ist.

Stuttgart ist auf jeden Fall sexy!

Dieses Begriffspaar, das bei aufrechten Pietisten für Schockatmung sorgt, hat nicht zuletzt die Soko geprägt. Schuld sind die Mainzer. Als Oliver Vogel, der Produzent und Kreativchef der Münchener Bavaria Fiction GmbH, dem ZDF erklärte, er wolle seine neue Krimiserie am liebsten in Stuttgart spielen lassen, kam prompt die Frage: „Ist Stuttgart denn sexy?“ Die klare Antwort des gebürtigen Schwaben: „Ja“. Und reich sowieso, wie der ausführende Produzent Torsten Lenkeit – er ist in Stuttgart aufgewachsen – bei den Dreharbeiten kennen lernen darf. „Wir kommen in Villen rein, die man sonst nie von innen sieht.“

So auch in der Folge „Durchgeknallt“. Bevor die im Kino lief, gab es erst den roten Teppich für die Serienstars Astrid M. Fünderich (Martina Seifert), Peter Ketnath (Joachim „Jo“ Stoll), Benjamin Strecker (Rico Sander) und Michael Gaedt alias Schrotti. Unter die Gäste reihten sich die Kollegen Simon Licht und Renan Demirkan, bekannt aus der Serie „Dr. Klein“.

Die Zuschauer nippten Sekt im Foyer, während Astrid Fünderich bewies, dass sie sich in ihrer Wahlheimat assimiliert hat: Sie vesperte eine Brezel direkt aus der „Guck“. Unterdessen schrieb Comedian Gaedt Autogramme. „Da macht man 35 Jahre lang die Kleine Tierschau und dann spielt man in einer Vorabendserie mit und kriegt den Vogel.“ Die Soko samt ihrer Darsteller sei „unfassbar“ beliebt, sagte ­Gaedt, und er weiß auch warum. „Die Folgen sind sauber gemacht. Und im Gegensatz zum ,Tatort‘ zeigen wir die Stadt.“

Der Produzent als Staubsaugervertreter

Vor dem Erfolg kommt die Klinkenputzerei, wie Oliver Vogel am Eingang zum Kinosaal erzählte. Allen Branchen-Kollegen empfehle er den Film „Die Blume der Hausfrau“. Sein Job sei mit dem eines Staubsaugervertreters vergleichbar, nur koste der 800 und sein Produkt 1,4 Millionen Euro. Da kann ein wenig Werbung in eigener Sache nicht schaden. Vor dem Filmstart gaben die Insider den zahlreichen Fans Einblicke in die Probenarbeit. Die Besetzung sei erst wenige Wochen vor Drehbeginn gestanden, erzählte Benjamin Strecker. „Es gab nen Crashkurs bei der Polizei am Pragsattel, dann ging es los.“ Der Terminplan ist eng getaktet, dennoch betonte Peter Ketnath: „Es macht Spaß, und das schon von Anfang an.“

Gradmesser für die Beliebtheit der Serie sind auch die vielen Gastauftritte von prominenten (Laien-)Darstellern. „Alle waren schon da“, schwärmte Michael Gaedt, „nur der eine fehlt noch, der immer so nuschelt.“ Ob es wirklich Til Schweiger sein muss? Schließlich waren Claus-Theo Gärtner da oder Udo Walz und vor allem Brigitte Nielsen – das zum Thema sexy.

Dazu hat auch die Jeansmarke Diesel eine dezidierte Meinung. Sie feierte am Donnerstag offiziell ihre Rückkehr in die Stadt nach drei Jahren Pause. Motto der Party im Dorotheenquartier war die aktuelle Weihnachtskampagne „Say no to uncool wool“ – in etwa „sag nein zu altmodischer Wolle“. Auf dem Plakat steht, wie im Stuttgarter Schaufenster, ein Schaf, das Jeans und Lederjacke trägt. Im Hintergrund sieht man einen Berg aus Wollpullis. Dabei handelt es sich um jene Exemplare mit Rentier oder Nikolaus, die selbst den schönsten Körper zum Kartoffelsack machen. Also: liegen lassen.

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