Sotheby’s-Versteigerung Lagerfelds Luxus: Rolls Royce und Lüster
In den kommenden Wochen versteigert Sotheby’s Stücke aus dem Leben von Karl Lagerfeld. Was verraten die Stücke über den Modezar?
In den kommenden Wochen versteigert Sotheby’s Stücke aus dem Leben von Karl Lagerfeld. Was verraten die Stücke über den Modezar?
Monaco - Er hat seine Markenzeichen kultiviert. Man kann sich Karl Lagerfeld kaum vorstellen ohne den weißen Zopf, die schwarze Sonnenbrille und vor allem ohne die fingerlosen Handschuhe. In seinen letzten zwanzig Lebensjahren ging Karl Lagerfeld nie aus dem Haus ohne schwarze, braune oder silberne Handschuhe. Er besaß Modelle mit einem, zwei oder gar drei Reißverschlüssen, aus Lammleder, Kunststoff oder Baumwolle, bedruckt oder perforiert, blickdicht oder mit Netzstruktur. Hauptsache, man sah die alternden Hände nicht.
Wie alles im Leben des Karl Lagerfeld waren auch die mehr als 200 Paar Handschuhe, die er besaß, von exquisiter Qualität. Jetzt kommen auch sie unter den Hammer wie zahllose weitere Kleidungsstücke, Möbel und Gegenstände, mit denen sich der Modeschöpfer in seinen diversen Anwesen umgab.
Nachdem Lagerfeld 2019 mit 85 Jahren gestorben ist, versteigert das Auktionshaus Sotheby’s in den kommenden Wochen in mehreren Auktionen in Monaco, Paris und Köln seine Hinterlassenschaften, vor allem Einrichtungsstücke, aber auch sehr persönliche Gegenstände. Sie mussten, wie alles im Leben des Modeschöpfers, höchsten ästhetischen Ansprüchen genügen – und wenn es nur die Fressnäpfe der Katze waren. Sogar das kleine Kratzbrett für seine Choupette ist formvollendet und mit einem Schätzpreis von zehn bis zwanzig Euro eines der günstigsten Stücke, die nun versteigert werden.
So, wie Lagerfeld seine Modenschauen theaterhaft in Szene setzte, so waren auch seine eigene Person und sein Lebensraum aufwendige Inszenierungen. Seine zuletzt acht Wohnsitze waren in unterschiedlichsten Stilen eingerichtet. In den Auktionskatalogen bekommt man einen guten Eindruck von seinem äußerst wechselhaften Geschmack. Denn mal speiste er in einem Esszimmer, das so spießig und altmodisch wirkt wie ein verstaubtes Kaffeehaus, dann wieder umgab er sich mit topmodernem Design aus Plexiglas. Hier antike Skulpturen wie im alten Griechenland, dort ein wuchtiger Sessel aus Aluminium – und dazwischen reichlich Kitsch. Gern residierte Lagerfeld auch wie ein König. Ein vermutlich sehr unbequemes, feudales Bett aus dem Jahr 1780, das nun zum Verkauf steht, wird auf 800 bis 1200 Euro geschätzt.
Lagerfeld war Sammler durch und durch. Er besaß allein 300 000 Bücher. Offenbar fand er sein Glück nicht in sorgfältig ausgewählten Einzelstücken, sondern nur in der schieren Masse. Sein Leitmotiv war es, sich immer wieder neu zu erfinden – und entsprechend schaffte er mehr und mehr materielle Güter an, Vasen, Lüster und Kerzenleuchter, Tischchen, Hocker und irrwitzige Deckenlampen, Jugendstil-Rahmen und Art-déco-Sofas oder Sessel seiner Lieblingskünstler Louis Süe & André Mare. Bei Sotheby’s werden auch zahllose Koffer und Taschen von Goyard verkauft, Dior-Anzüge und ein Tafelsilber, dessen Wert auf 15 000 bis 20 000 Euro geschätzt wird. Und natürlich die verschiedenen Rolls-Royce-Modelle – eines davon mit weißer, eines mit schwarzer Lederausstattung.
Geld spielte für Lagerfeld nie eine Rolle. Sein Vater Otto Lagerfeldhatte bereits mit der Erfindung von Glücksklee-Kondensmilch beste Geschäfte gemacht und dem Sohn früh beigebracht, wie man eine Marke aufbaut. Lagerfeld arbeitete für Chanel, Fendi und andere Modemarken, und als er 1991 sein eigenes Prêt-à-porter-Label gründete, wurde er endgültig zur Leitfigur der Luxusbranche und damit zu einem schwerreichen Mann. 2016 wurden seine Bruttoeinkünfte auf vierzig Millionen Euro im Jahr taxiert, sein Vermögen wurde auf 350 Millionen Euro geschätzt. Er besaß ein Stadtpalais in Paris sowie Wohnungen in Monte Carlo, Rom, New York und Vermont.
Diese rund tausend Lose bei Sotheby’s, die aus nur vier dieser Domizile stammen, spiegeln Lagerfelds obsessive Lust an Ästhetik. Sein Leben sollte nicht nur ein Gesamtkunstwerk sein, sondern wurde auch ständig neu inszeniert. In den 1980er Jahren ließ er sich sein Apartment in Monte Carlo mit fröhlich-bunten Memphis-Möbeln einrichten. Dann wieder tauchte er ein ins französische Kunstgewerbe des 18. Jahrhunderts oder begeisterte sich für Art déco. Einen persönlichen Stil kann man an dieser Vielfalt kaum ablesen.
Auch Ruhe oder gar dauerhaftes Glück scheint er nicht gefunden zu haben. Wohl deshalb tröstete Lagerfeld sich mit einem besonderen Sammlergebiet: Darstellungen seiner selbst. Deshalb kommen nun auch zahlreiche Kunstwerke unter den Hammer wie etwa ein verpixeltes Lagerfeld-Porträt des japanischen Künstler-Stars Takashi Murakami. Durchaus symbolisch kann man auch eine Serigrafie von John Baldessari sehen, der Lagerfeld mit einem großen Einkaufswagen dargestellt hat.