Das Klösterle ist gut besetzt. Gekommen sind am Donnerstagabend neben lokalen Politikerinnen und Politikern auch Stadträtinnen und Stadträte und weitere SPD-Parteimitgliederinnen und -mitglieder. Die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt sind vielfältig. Täglich wird in den Medien über Fachkräftemangel berichtet, dagegen steht der Stellenabbau in unterschiedlichen Branchen, nicht nur in der Automobilindustrie und deren Zuliefererbetrieben gehen Arbeitsplätze verloren. Die Bahnmitarbeiter streiken bereits zum wiederholten Male und die Landwirte legen immer wieder den Verkehr mit ihren Blockaden lahm. Bei den Gastronomen bereitet die Erhöhung der Mehrwertsteuer Sorgen. Kaum eine Branche hat keine Schwierigkeiten und kämpft mit Wandel und Veränderungen.
Bereits in ihrer Begrüßung weist Jasmina Hostert, seit 2021 vertritt sie den Wahlkreis Böblingen im Bundestag für die SPD, darauf hin, dass mit dem Regierungswechsel die SPD-Bundestagsfraktion zahlreiche Vorhaben vorangetrieben habe, um den Arbeitsmarkt grundlegend zu reformieren. Darunter fallen die Anhebung des Mindestlohns mit Beginn des neuen Jahres, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das die Einreise und den Aufenthalt in Deutschland für eine Beschäftigung als Fachkraft erleichtert, und die Abkehr von der Hartz-Politik sowie die Vereinfachung und Digitalisierung bürokratischer Prozesse.
Forderung nach aktiver Wirtschaftspolitik
Auch die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken, die in Renningen aufgewachsen ist und in der Keplerstadt ihr Abitur gemacht hat, greift diese Punkte in ihrer Rede immer wieder auf und fordert gleichzeitig eine aktive Wirtschaftspolitik: „Wir brauchen neue Technologien, eine bessere Infrastruktur, digitale Innovation, gleiche Bildungschancen für alle und starke Gewerkschaften.“ Gerade Tarifbindungen seien wichtig - 80 Prozent aller Löhne und Gehälter sollten tariflich abgesichert sein. Denn die Menschen brauchen soziale Gerechtigkeit, Sicherheit und Stabilität, gerade in unruhigen Zeiten mit Kriegen, Klimaherausforderungen, der wachsenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) und dem demografischen Wandel. Nur mit einer jährlichen Nettozuwanderung von 400 000 Menschen könne das Arbeitskräfteangebot konstant gehalten werden. Daher sei Migration wichtig und die Deportationspolitik der AfD unhaltbar. Womit auch der Rechtsextremismus zu einem Thema des Abends geworden ist. „Der Geheimplan der AfD gegen Deutschland ist ein heilsamer Schock für viele Bundesbürgerinnen und Bürger“, stellt Saskia Esken fest und zeigt sich froh darüber, dass so viele Menschen aufgewacht sind und für die Demokratie und den Rechtsstaat auf die Straße gehen.
Neben der Bedeutung von Fachkräften aus dem Ausland ist auch die hohe Teilzeitquote von Frauen in Deutschland ein Aspekt, der laut Saskia Esken den Fachkräftemangel beeinflussen kann: „In Deutschland arbeiten rund zweieinhalb Millionen Frauen in Teilzeit oder in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen. Würde jede dieser Frauen eine Stunde mehr arbeiten, kämen 70 000 zusätzliche Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt.“ Auch für eine Arbeitszeitreduzierung bringt die Politikerin ein Beispiel: „Seit eine private Rehaklinik ihre Wochenarbeitszeit auf vier Tage verkürzt hat, auf jeweils neun Stunden pro Tag, kann sie sich vor Bewerberinnen und Bewerbern nicht mehr retten.“ Der Fokus, vor allem auch in der jüngeren Generation, auf eine gute Work-Life-Balance erfordere das Umdenken der Arbeitgeber, passend zu den Lebensentwürfen der Arbeitnehmerinnen und -nehmer. Kurz ging es auch um die Bedeutung der Europäischen Union, vor allem für eine Exportnation wie Deutschland.
Arbeitgeber müssen umdenken
In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde kamen immer wieder der Mangel an Kindertagesstätten, denen nicht zuletzt die Erzieherinnen und Erzieher fehlen, und der Pflegenotstand in Heimen und Krankenhäuser und die damit entstehenden kritischen Situationen vor allem bei Notfalleinrichtungen zur Sprache. Auch um die Möglichkeiten einer besseren Integration von Geflüchteten, vor allem in den Arbeitsmarkt, ging es bei zahlreichen Wortmeldungen. Die Diskussionen und Gespräche rissen auch beim gemütlichen Beisammensein nach dem offiziellen Teil nicht ab.