Sportler aus Schmiden Herausforderung am Schwarzen Meer

Nathalie Köhn, Viktoria Burjak, Noemi Peschel, Daniella Kromm und Alexandra Tikhonovich(von links, es fehlt Anni Qu) starten bei den Europameisterschaften. Foto: Eva Herschmann
Nathalie Köhn, Viktoria Burjak, Noemi Peschel, Daniella Kromm und Alexandra Tikhonovich(von links, es fehlt Anni Qu) starten bei den Europameisterschaften. Foto: Eva Herschmann

Die Europameisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik haben in Bulgarien begonnen. Das am Bundesstützpunkt in Schmiden beheimatete Nationalteam kämpft mit.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)
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Fellbach - Der Palast für Kultur und Sport ist eines der Wahrzeichen von Varna. Bis Sonntag, 13. Juni 2021, werden in dem riesigen Komplex mit sechs multifunktionalen Hallen die 37. Europameisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik ausgetragen. Die Titelkämpfe sind zugleich die letzte Möglichkeit, sich für die Olympischen Spiele in Tokio zu qualifizieren. Ein hohes Ziel, nach dem die Nationalgruppe strebt, die am Sportgymnastik-Bundesstützpunkt in Schmiden trainiert.

Die vergangenen zehn Tage haben sich Nathalie Köhn, Viktoria Burjak, Alexandra Tikhonovich, Noemi Peschel, Daniella Kromm und Anni Qu in Kienbaum den Feinschliff für Bulgarien geholt. Direkt nach dem Weltcup im italienischen Pesaro war das Team in das knapp 40 Kilometer östlich von Berlin gelegene Olympische Trainingszentrum gereist. „Wir haben die Tage in Kienbaum sehr gut genutzt. Alles, was wir tun konnten, ist getan“, sagt die Cheftrainerin Camilla Pfeffer.

Täglich sieben Stunden Training

In der Abgeschiedenheit des Geländes am Liebenberger See hat sich die Nationalgruppe – unterstützt auch von Balletttrainer Gocha Budagashvili – auf die großen sportlichen Aufgaben in der Hafenstadt am Schwarzen Meer vorbereitet. Rund sieben Stunden täglich haben die Gymnastinnen trainiert. „Die Mädchen sind auf dem Höhepunkt ihrer Form. Jetzt müssen wir in Varna nur noch im Wettkampf abliefern, was wir tatsächlich können“, sagt Camilla Pfeffer. Für das große Ziel, das Gruppenticket nach Tokio, seien allerdings mehr als nur fehlerfreie Darbietungen mit fünf Bällen sowie drei Reifen und zwei Paar Keulen nötig, erklärt die Cheftrainerin. „Wir können die Qualifikation wohl kaum aus eigener Kraft schaffen, sondern sind darauf angewiesen, dass die anderen Fehler machen. Aber zunächst müssen wir natürlich unsere Leistung abrufen. Alles andere liegt ohnehin nicht in unserer Hand.“

Dass die Gruppe gut vorbereitet in die Titelkämpfe geht, hat Isabell Sawade, die deutsche Teamchefin für Rhythmische Sportgymnastik, bei ihrem Kurzbesuch in Kienbaum festgestellt. Nach den deutschen Meisterschaften in Dortmund, an denen die Nationalgruppe nicht teilgenommen hatte, war die 42-Jährige direkt nach Brandenburg gefahren. „Ein Kontrolltraining am Sonntagmorgen lief super. Die Mädchen haben gezeigt, dass sie es können. Jetzt müssen sie die guten Leistungen aus dem Training im Wettkampf auf den Teppich bringen.“ Die Gruppengymnastinnen reisen an diesem Mittwoch von Berlin aus über Wien nach Bulgarien. Für Nathalie Köhn, Viktoria Burjak, Alexandra Tikhonovich, Noemi Peschel, Daniella Kromm und Anni Qu beginnen die Titelkämpfe erst mit dem Mehrkampf am Samstag – und gehen bestenfalls bis zu den beiden Gerätefinals am Sonntag.

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Margarita Kolosov und Melanie Dargel sind schon seit Montag im Hotel in Varna, das nur wenige hundert Meter von der Wettkampfstätte und vom Meer entfernt liegt. Die beiden deutschen Teilnehmerinnen starten am Donnerstag in die Qualifikation für das Mehrkampffinale der Einzelgymnastinnen. Auch die Juniorinnen-Nationalgruppe mit Regina Stoljartschuk, Emilia Wickert, Jana Rudoj, Viktorija Meshi, Anna-Maria Shatokin und Katja Tenenbaum ist schon angereist. Denn die Nachwuchsteams absolvieren ihren Mehrkampf und auch die Gerätefinals mit fünf Bällen sowie mit fünf Bändern bereits an diesem Mittwoch.

Bei den Europameisterschaften gibt es auch eine Teamwertung

Margarita Kolosov, fünffache deutsche Meisterin von Dortmund, und Melanie Dargel, die viermal Silber und mit den Keulen zusammen mit ihrer Trainingsgefährtin vom Stützpunkt in Schmiden Gold gewann, gehen mit viel Selbstbewusstsein in ihre ersten internationalen Meisterschaften in der Meisterklasse. Für die beiden, die bei den nationalen Titelkämpfen die Konkurrenz nach Belieben dominiert haben, dienen die kontinentalen Titelkämpfe hauptsächlich dazu, Erfahrungen zu sammeln. „Sie freuen sich darauf, auch weil anders als in der Dortmunder Westfalenhalle, in der keine Zuschauer zugelassen waren, der Palast für Kultur und Sport zumindest zur Hälfte mit Publikum gefüllt sein wird“, sagt Isabell Sawade.

Der Mehrkampf ist aufgeteilt: Reifen und Ball sind am Donnerstag gefragt, Keulen und Band am Freitag. Das Mehrkampffinale ist am Samstag, die Gerätefinals sind am Sonntag. Margarita Kolosov und Melanie Dargel kämpfen nicht nur für sich. Bei den Europameisterschaften gibt es auch eine Teamwertung, die sich aus den zwei Übungen der großen Gruppe und den acht Einzelübungen zusammensetzt.




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