Sportteam des SV Leonberg/Eltingen Inklusion an der Tischtennis-Platte
Das Tischtennis-Team Inklusion des SV Leonberg/Eltingen ist zu einer Heimat für behinderte und nicht behinderte Menschen geworden. Noch keiner hat die Gruppe verlassen.
Das Tischtennis-Team Inklusion des SV Leonberg/Eltingen ist zu einer Heimat für behinderte und nicht behinderte Menschen geworden. Noch keiner hat die Gruppe verlassen.
Klack-klack, klack-klack. So macht Tischtennis, so klingt der Ball, wenn er über die Platte hüpft. Ein Geräusch, das für Maike Hofmann einen wunderbaren Klang besitzt. So klingt Spaß. Die 18-Jährige steht alle 14 Tage samstags an der Platte in der Sportwelt des SV Leonberg/Eltingen und jagt den kleinen Ball übers Netz – das Besondere dran: Maike Hofmann hat Trisomie 21 in einer leichten Form, sie kann reden, laufen, rechnen und eben Tischtennis spielen.
Gerade spielt sie gegen Fred-Gustl Haßler, das Tischtennis-Urgestein des Clubs, der das Inklusionsprogramm mit Elisabeth Kolofon von der Lebenshilfe vor mehr als zwei Jahren auf den Weg gebracht hat. „Wir haben das über einen Handzettel erfahren“, erzählt Maikes Mutter am Rande, „und dann war klar, dass wir mitmachen.“
Zuvor spielte ihre Tochter beim TSV Heimsheim, sie war die Einzige mit Handicap, in Leonberg fühlt sie sich wohler, weil an jeder der neun Platten ein Sportler mit Einschränkung steht. Maike selbst ist mit ihrem Schläger in der Hand viel zu beschäftigt, um ein Interview zu geben, und danach muss sie schnell weg – ihre zweite Leidenschaft ruft: die Fußballer des VfB Stuttgart haben ein Bundesliga-Heimspiel. Da muss sie hin.
Im Herbst 2021 wurde das Inklusionsteam gegründet, damals äußerte Michael Hager, der Clubchef des SV Leonberg/Eltingen, die Hoffnung, „dass dieses neue Angebot zu einer Keimzelle wird“. Im Frühjahr 2024 darf man behaupten: Die Saat ist aufgegangen. Natürlich braucht es dazu Gärtner, die die Keime hegen und pflegen, die mit ihrem Engagement dafür sorgen, dass das zarte Pflänzchen nicht eingeht und wächst. Dabei sind der bald 82 Jahre alte Fred-Gustl Haßler und Elisabeth Kolofon die Hauptverantwortlichen. „Es muss jemand die Fäden in Händen halten und sich kümmern“, sagt die Frau, deren Tochter Alexandra im Rollstuhl an einer Tischtennisplatte sitzt, „sonst gerät jedes Projekt irgendwann ins Stocken und stirbt schließlich.“
Fred-Gustl Haßler ist für die Belange des Vereins zuständig, Elisabeth Kolofon koordiniert die Organisation vonseiten der Lebenshilfe und spricht Eltern an, deren Kinder mit einer Behinderung leben müssen. „Das funktioniert alles nicht ausschließlich im Ehrenamt“, betont sie. Abteilungsleiter Sven Küpper und seine Frau Ariane sowie Friedbert Fauser unterstützen den 81 Jahre alten Tischtennis-Veteranen als aktive Teilnehmer, sie sind regelmäßig in der Halle, um den Sportlern ein paar Tipps zu geben, mit ihnen die Aufschläge zu verbessern oder das Schmettern zu üben.
Fred-Gustl und Rainer, der im Rollstuhl sitzt, üben Angaben, Friedbert zeigt Leon Wittner, wie er sich zur Platte und zum Ball stellen muss, um technisch sauber zu schmettern. „Man muss immer lernen“, bemerkt Leon während ein paar Platten weiter ein Pflichtspiel der Jugend des SV stattfindet. Sportler mit und ohne Handicap in einer Halle, Inklusion ohne Berührungsängste.
Dabei geht es nicht allein darum Schranken abzubauen und Menschen mit Behinderung zu unterhalten; es steht mehr dahinter. „Es ist wichtig“, unterstreicht Elisabeth Kolofon, „dass wir Menschen mit Handicap Herausforderungen bieten, damit sie nicht stehenbleiben, sondern lernen.“ Koordination und Beweglichkeit stets neu anzustoßen, immer wieder Reize zu setzen, darauf kommt es (auch) beim 14-tägigen Training der Gruppe an. Bewegung verbessert die kognitiven Fähigkeiten, weil so wichtige Strukturen im Gehirn angelegt werden.
Rouven Rieger ist einer der besten der Sportler mit Handicap an der Platte, er trainierte schon bei den Herren des SV Leonberg/Eltingen mit, doch dann spürte er, dass er sich im entschleunigten Umfeld des Teams Inklusion wohler fühlt als im leistungsorientierten Gefilde. Von ihm kann sogar Elisabeth Kolofon was lernen. „Ich bin im Tischtennis ein hoffnungsloser Fall“, sagt die Frau von der Lebenshilfe. Hinter vorgehaltener Hand jedoch ist zu hören: „Auch sie hat im Team Inklusion ihr Spiel deutlich verbessert.“ Klack-klack, so klingt Spaß.