Porsche-Chef Oliver Blume (rechts) und Finanzchef Lutz Meschke haben ein anstrengendes Jahr vor sich. Foto: Porsche
Der Stuttgarter Autohersteller konnte im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn steigern, obwohl er im wichtigen chinesischen Markt schwächelte. Auf einigen Themen liegt ein besonderer Fokus.
Porsche-Chef Oliver Blume und sein Stellvertreter, Finanzchef Lutz Meschke, haben ein erfolgreiches Jahr hinter sich – und viele Herausforderungen vor sich.
Der geländegängige Sportwagen Macan ist das erste Fahrzeug, das zuvor ein Verbrenner war und nun mit einer E-Variante versehen wird. Porsche baut das Auto im Werk Leipzig, dem mittlerweile produktionsstärksten Standort des Unternehmens, auf der gleichen Linie wie die Verbrenner-Variante. Wie wichtig der Macan und das gesamte Geländewagen-Segment für Porsche sind, zeigt sich schon daran, dass das Unternehmen von diesem Fahrzeug im vergangenen Jahr fast 90 000 Exemplare verkauft hat – es ist damit zusammen mit dem größeren Geländewagen Cayenne das absatzstärkste Porsche-Modell. Zusammen kamen beide Modelle auf rund 175 000 Exemplare – damit sind deutlich mehr als die Hälfte aller 320 000 verkauften Porsches Geländefahrzeuge.
Der Wechsel ins E-Zeitalter ist allerdings bei diesem wichtigen Modell schwierig geworden, denn ausgerechnet in der EU ist für das Modell Mitte des Jahres Schluss. Das Unternehmen hat das Verbrenner-Modell nicht mehr für eine neue EU-Vorschrift zur Cybersicherheit zertifiziert, denn die E-Variante sollte längst auf dem Markt sein und einen gleitenden Übergang zur neuen Antriebstechnologie ermöglichen. Dieser E-Macan aber lässt seit bald rund zwei Jahren auf sich warten, weil man sich bei der Software-Ausstattung auf den Volkswagen-Konzern verließ, der mit dem Projekt allerdings noch immer weit hinter Plan liegt. Das Risiko, dass der Weg ins E-Zeitalter bei diesem wichtigen Modell holprig verläuft, ist wegen der Abhängigkeit von der VW-Entwicklung hoch. Denn längst nicht jeder wird sich für den E-Macan entscheiden, nur weil es den Verbrenner bald nicht mehr gibt. Gut für Porsche ist, dass der Verbrenner außerhalb Europas weiter verkauft wird.
Umsatz und Gewinn steigen um je knapp acht Prozent. Foto: Kruljac
Der Supersportwagen Taycan, dessen zweite Generation soeben vorgestellt wurde, verkauft sich mit mehr als 40 000 Exemplaren gut. Porsche bleibt bei der Prognose, beim Absatz bis 2030 einen Anteil reiner E-Fahrzeuge von 80 Prozent zu erreichen, betont inzwischen aber deutlicher als bisher, dass dies von der Nachfrage und den Marktbedingungen abhänge. Zugleich hält sich das Unternehmen die Option offen, den Verbrenner auch auf dem EU-Markt länger zu betreiben. Sollte die EU das Aus zeitlich verschieben, sei man „flexibel aufgestellt“, erklärte Vizechef Lutz Meschke.
China ist für Porsche ein sehr renditestarker Markt – die Luxusautos sind gefragt, sofern sie einen Verbrennungsmotor haben. Doch das Land schwächelt wirtschaftlich – durch internationale Handelsauseinandersetzungen ebenso wie durch die Immobilienkrise, durch die viele Wohlhabende viel Geld verloren haben. Porsche musste im vergangenen Jahr in China einen Absatzeinbruch von 15 Prozent hinnehmen. Dass Umsatz und Gewinn gleichwohl um jeweils knapp acht Prozent gesteigert werden konnten und die Umsatzrendite stabil blieb, zeigt eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegenüber solchen Rückschlägen. Stark entwickelt hat sich das Geschäft in Südostasien, das mit dazu beigetragen haben dürfte, dass Porsche in den Regionen außerhalb Chinas, Europas und der USA einen Absatzanteil von 16 Prozent erreichen konnte. Auch Korea, Indien und Brasilien sind Hoffnungsträger für Porsche.
Keine Teilnahme an Rabattschlacht
Hinzu kommt, dass Porsche bei den Preisen nur geringe Zugeständnisse macht und dafür auch Rückgänge bei den Verkaufszahlen in Kauf nimmt. „Wir wollen die Märkte nicht fluten, sondern setzen auf Exklusivität“, sagt Porsche-Chef Oliver Blume.
Das Elektro-Luxussegment in China ist bisher extrem klein; anders als in Europa entwickelt sich die E-Mobilität bei den Preissegmenten von unten nach oben , was nicht zuletzt an den niedrigen Energiepreisen liegt. Dass sich der Taycan dort kaum verkauft, sagt also bisher nicht viel über die Wettbewerbsfähigkeit.
Die Entwicklung in China zeigt allerdings auch, dass das Luxussegment nicht mehr so resilient gegen wirtschaftliche Krisen ist wie bisher. Hinzu kommt das Risiko, dass sich Handelskonflikte angesichts der angespannten Situation der internationalen Beziehungen verschärfen. Mit rund 25 Prozent Absatzanteil hat China für Porsche einen vergleichsweise geringen Stellenwert. Was zu früheren Zeiten als Schwäche interpretiert worden wäre, gilt heute eher als Zeichen für eine geringe Abhängigkeit.
Aktienkurs
Aus Sicht der Anleger war der Börsengang eine Berg- und Talfahrt; nach einem deutlichen Anstieg findet sich das Papier nun wieder auf dem Niveau des Börsenstarts wieder – obwohl das Unternehmen alle seine ambitionierten Prognosen für das laufende Jahr eingehalten hat – beim Umsatz ebenso wie bei der Rendite. Einerseits ist es für das Unternehmen wichtig, nach dem Börsengang auch den Aktienkurs im Auge zu behalten, andererseits will das Unternehmen sich auch nicht an der kurzfristigen Entwicklung des Aktienkurses orientieren.
Vier der sechs Modelle werden in diesem Jahr überarbeitet, hinzu kommt später der 911er. Damit werde das durchschnittliche Alter der Produkte von drei auf eineinhalb Jahre sinken. Überdies erschließe man neue Kundengruppen: jüngere Fahrer und mehr Frauen. „2025 gehen wir mit einer fast vollständig neuen Produktpalette auf den Markt“, sagt Blume. In diesem Jahr werde die Rendite zwar auf einen Wert zwischen 15 und 17 Prozent sinken, am langfristigen Ziel von 20 Prozent wird aber nicht gerüttelt.