Stadt der Weine und Kontraste Stadtkind unterwegs in Fellbach

Fellbach hat seinen Ursprung unverkennbar im Weinbau. Foto: Sebastian Milpetz 12 Bilder
Fellbach hat seinen Ursprung unverkennbar im Weinbau. Foto: Sebastian Milpetz

Wir zeigen euch die schönsten Ecken außerhalb des Kessels und abseits der üblichen Pfade. Diesmal geht es in die Nachbarstadt Fellbach - mit urigen Weinstuben, international anerkannter Kunst und einem Rekordturm. 

Stuttgart - „Fellbach ist die krasseste Stadt die ich kenne“, sagte einmal ein Freund von mir, der hier als Sozialarbeiter arbeitete. „Eine Straße teilt die Stadt in zwei völlig unterschiedliche Hälften“. Die Straße, die Fellbach einmal quer durchschneidet, das ist die Stuttgarter Straße, mit der man im Auto oder mit der Stadtbahn U1 in direkter Linie von Bad Canstatt in die zweitgrößte Stadt des Rems-Murr-Kreises (hinter Waiblingen) fährt. Rechts der Stuttgarter Straße, in Richtung der Weinberge am Kappelberg, liegt das Oberdorf, eine urige Altstadt, der man die Vergangenheit als Weingärtnerdorf noch anmerkt. Hier tummeln sich viele kleine Weinlokale und Geschäfte, die mittags noch eine Pause einlegen. 

Zwischen Dorf und Stadt

Das Gebiet linker Hand der Hauptstraße ist hingegen erst mit der Industrialisierung entstanden, was man ihm noch ansieht. Aber auch dort gibt es architektonische Highlights wie die futuristische, katholische Maria-Regina-Kirche, die bei ihrer Gründung 1967 als eine der modernsten Kirchen Deutschlands galt. Hinter dem „industriellen“ Fellbach liegen noch die eher dörflich geprägten Stadtteile Schmiden und Oeffingen, die erst in den 1970er-Jahren eingemeindet wurden und sich immer noch sehr autonom fühlen.

Wer aus Cannstatt nach Fellbach reinfährt, sieht sofort das Gebäude, das die Stadt in den letzten Jahren auch überregional bekannt machte: Der SLT 107 Schwabenlandtower. Mit einer Höhe von 107 Metern soll das seit 2007 geplante Gebäude das höchste Hochhaus Baden-Württembergs werden und das vierthöchste Wohnhaus Deutschlands. Doch seit Jahren stagniert der Bau, der Bauherr ging insolvent. Eigentlich sollte der vormals Gewa-Tower genannte Turm 2016 fertig werden, jetzt soll es Mitte 2021 werden. Das neue Wahrzeichen würde damit immerhin zum 900. Geburtstag der Stadt eingeweiht werden, die 1121 erstmals als Velbach erwähnt wurde.

Gastronomie

Als Stadt der „Weine und Kongresse“, so der offizielle Claim Fellbachs, steht die Gastronomie natürlich voll im Zeichen des Bacchus. Gerade im Oberdorf liegen etliche nette Weinlokale.

Die Schmiede

Wenn nicht gerade coronabedingte Winterpause herrscht, servieren hier Franca Bellone-Neumann und Peter "Pit" Neumann schwäbische Klassiker wie Rostbraten und italienische Spezialitäten wie Insalata di Salsiccia und Bresaola.

Moiakäfer

Absoluter Kult ist die Weinstube Moiakäfer (für Neigschmeckte: Schwäbisch für Maikäfer, der Spitzname der Fellbächer). Hier kann man normalerweise in einem urigen Gewölbekeller, schwäbische, aber auch rheinische Küche genießen. Während des Lockdowns kann man sich jedes Wochenende ein wechselndes Proviantpaket abholen.  

Hutt

Eine Fellbacher Institution ist die Wurstbraterei Hutt. Seit über 50 Jahren gibt es bei Hans Hutt Currywurst und Co. zum Abholen. Auch von Corona lassen sich die Stammgäste nicht abschrecken, essen ihre Pommes eben nicht an den Stehtischen, sondern auf ihren Autodächern. 

Der Rote Hirsch

Gehobene schwäbische Küche gibt es beim Roten Hirsch beim Rathaus, aber auch „Schwäbisch-Fusion-Kitchen“ wie Pulled Pork im Laugenweckle und ein Veggi-Wochengericht. Zur Zeit bietet das Restaurant einen Abhol- und Lieferservice an (nur bargeldlos). 

Zeitgeist

Eine Alternative zu schwäbischen Weinseligkeit: Das Bistro und Café Zeitgeist tischt orientalischen Gerichte, Ofenkartoffeln und selbstgemachte Kuchen auf.

Kultur 

Überregionale Bedeutung - und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch international - genießt Fellbach für die Triennale Kleinplastik. Seit 1980 stellen alle drei Jahre internationale Künster kleinformatigere Plastiken und zeitgenössische Installationen zu einem übergeordneten Thema aus. Die Besucher dürfen dabei jeweils ihren Favoriten wählen. 2021 wird es in der Alten Kelter wieder so weit sein. 

Nicht nur alle drei Jahre, sondern immer (wenn nicht gerade eine Pandemie wütet) gibt es moderne Kunst in der kleinen, aber feinen Galerie der Stadt Fellbach am Rathaus zu sehen.

Tipp für die Corona-Zeit: Unter freiem Himmel stellt der Kunstverein Fellbach auf dem "Kunststückle" vor dem Schwimmbad  F3 originelle Installationen aus.




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