Stadt Stuttgart plant um Neues Zuhause für das Friedrichsbau-Varieté

Seit 2014 gastiert das Friedrichsbau-Varieté in einem Provisorium auf dem Pragsattel. Foto: 7aktuell/Andreas Werner

Im Erweiterungsbau des Theaterhauses soll es nun doch keine Büroflächen geben. Stattdessen zieht dort die Kleinkunstbühne ein und macht Platz für ein Hochhaus.

Die Stadt ist im Zusammenhang mit der Planung für den Erweiterungsbau des Theaterhauses auf dem Pragsattel immer für eine Überraschung gut: Anfang Mai war bekannt geworden, dass das mittlerweile auf 127 Millionen Euro Baukosten ausgeuferte Projekt deutlich abgespeckt wird (neue Schätzung 105 Millionen Euro), weil sich laut Geschäftsführer Werner Schretzmeier die Rahmenbedingungen für seinen Veranstaltungsbetrieb geändert hätten. In diesem Zusammenhang hat die Stadt vorgeschlagen, das um einen Veranstaltungssaal mit 600 Plätzen reduzierte Projekt nicht mehr durchs Hochbauamt erstellen zu lassen, sondern in Form eines privaten Investorenmodells, weil sie kein Personal für weitere Projekte hat und Private schneller Aufträge vergeben können als die öffentliche Hand. Das hat die ökosoziale Mehrheit zum Verdruss von Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CD) und seinem fürs Planen und Bauen zuständigen Kollegen Dirk Thürnau (SPD) aber abgelehnt.

 

Keine Büros mehr geplant

Nun die neueste Volte: Die geplanten Büros in einem wesentlichen Teil des Anbaus – nämlich auf zwei Drittel der Fläche – der aus Lärmschutzgründen trotz des geringeren Platzbedarfs des Theaterhauses im ursprünglichen Volumen erstellt werden muss, sollen wegfallen. Und zwar zugunsten des bislang in der Nachbarschaft in einem Provisorium residierenden Friedrichbau-Varietés, das Planungssicherheit erhielte und mehr Platz als heute, um wirtschaftlicher arbeiten zu können. Damit ist die Ur-Idee wieder hergestellt, nur mit dem Unterschied, dass die Probebühne für Gauthier Dance und die Theaterhausschauspielgruppe nicht mit der Freien Tanz- und Theaterszene unter ein Dach kommt, für die eine andere Lösung gesucht wird, sondern eben mit dem traditionsreichen Varieté.

Hochhaus wäre möglich

Das hätte den Vorteil, nicht einen wenig attraktiven und für eigene Zwecke zu kleinen Bürostandort vermarkten zu müssen. Außerdem könnte das städtische Filetgrundstück an der Siemensstraße, auf dem der Varieté-Container steht, verkauft werden. Dabei handelt es sich um den letzten noch bebaubaren Hochhausstandort. Wohnungsbau verbietet sich dort, nicht nur aus Lärmschutzgründen, sondern weil das Mischgebiet schon einen hohen Wohnungsanteil hat. Weil die Stadt aber keine gewerblich genutzten Wolkenkratzer baut und vermarktet, geht Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU) von einem Verkauf des Areals aus – auch, um die hohen Kosten für den Anbau zu refinanzieren.

Mayer hat diese Idee am Donnerstag den Fraktionsvorsitzenden hinter verschlossenen Türen präsentiert. Das Vorhaben, die entsprechende Ratsvorlage in dieser und nächster Woche in den zuständigen Ausschüssen zu diskutieren, habe man aufgegeben, so der Erste Bürgermeister. Dies erfolge nach der Sommerpause. Dann erfahren die Stadträte auch, wie sich die beiden Einrichtungen den Ergänzungsbau teilen. Die zentrale Fläche im Erdgeschoss wird für das Varieté reserviert. Das Theaterhaus erhält dafür mehr Multifunktionsfläche als bisher. Für beide Häuser solle im Umfeld eine vernünftige Parkplatzlösung gesucht werden.

Fraktionen sind aufgeschlossen

Mayer sagt, die Resonanz in der Runde auf seinen Vorschlag sei durchweg positiv gewesen. Er sei im Übrigen bei der Entscheidung im Mai aufgefordert worden, sich Alternativen zur Büronutzung zu überlegen. Wichtig sei, dass sich die Betroffenen mit dieser neuen Variante anfreunden könnten.

„Ohne dass Details bekannt sind, finde ich diese Idee zunächst mal gut, denn es würde eine Standortsicherung für unser Haus bedeuten“, sagt Varieté-Geschäftsführer Timo Steinhauer. Für ihn sei wichtig, dass auch das Theaterhaus mit dem Vorschlag zufrieden sein müsse. „Seit fast neun Jahren führen wir nun eine wunderbare und freundschaftliche Nachbarschaft.“ Werner Schretzmeier sieht die Überlegungen „erst mal positiv“. Wichtig für ihn sei, dass die beiden Institutionen unabhängig voneinander agieren könnten. Er wolle keine Verantwortung für Dritte übernehmen, dies bedeute in der Regel, dass man finanziell einspringen müsse.

Varieté auf Wanderschaft

Das lange Zeit privat geführte, nun aber als gemeinnützig anerkannte Friedrichsbau-Varieté war 1994 in die L-Bank-Rotunde eingezogen, um dann 20 Jahre später überraschend mit einer relativ kurzfristigen Kündigung konfrontiert zu werden.

2014 erfolgte der Umzug auf den Pragsattel auf ein (vorerst) bis Ende 2024 kostenlos überlassenes städtisches Grundstück. Die Holzkonstruktion ist nur als Provisorium gedacht, die ursprüngliche Baugenehmigung war befristet bis Ende 2020, wurde aber ebenfalls um fünf Jahre von der Stadt verlängert. Das reicht nicht aus. Man rechnet erst im Jahr 2025 mit einem genehmigten Bauantrag und einem Einzug wohl erst 2029. Dann endet auch der Mietvertrag der Stadt mit dem Münchner Projektentwickler Alfons Doblinger (Dibag) für die Halle 7 am Löwentor, in der Gauthier Dance und das Theaterensemble in Kürze einziehen, um dort zu proben. Die Finanzierung hat der Gemeinderat im Mai zugesichert.

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