Jüdisches Paar in Stuttgart verhöhnt Jüdisches Paar beleidigt

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Ein älterer Mann und seine Frau reisen aus Israel zur Verlegung von Stolpersteinen nach Stuttgart. Sie haben keinen gültigen Fahrschein für die Stadtbahn – und werden bei einer Kontrolle von einer SSB-Mitarbeiterin verhöhnt.

Stolpersteine sollen an die Opfer des Naziterrors zu erinnern Foto: Michael Steinert
Stolpersteine sollen an die Opfer des Naziterrors zu erinnern Foto: Michael Steinert

Stuttgart - In der Stadtbahn U 7 ist es am Dienstag zu einem Zwischenfall zwischen einem jüdischen Paar aus Israel und drei Kontrolleuren der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) gekommen, der mittlerweile größere Wellen schlägt. Das Ehepaar war in Stuttgart zu Besuch gewesen, um an der Verlegung von Stolpersteinen für fünf Mitglieder seiner Familie teilzunehmen. Auch der Großvater des Mannes, Oscar Uhlman, starb als Opfer des Nationalsozialismus in Theresienstadt. Der bekannte Sozialdemokrat und Rechtsanwalt Fred Uhlman, der rechtzeitig emigrieren konnte, gehörte ebenfalls zur Familie.

Auf dem Weg zum Flughafen wollte das Ehepaar am Dienstagvormittag unterwegs noch Susanne Bouché besuchen, die sie während ihres Aufenthaltes betreut hatte. Da das Paar noch nie zuvor in Stuttgart mit der Stadtbahn gefahren war, half ihnen eine fremde Frau in der Innenstadt und bezahlte sogar die Fahrkarten. Der Mann ist durch seine schwarze Kleidung und den Bart als orthodoxer Jude zu erkennen. Leider hatte sich die Frau aber vertan und nur Tickets für eine Zone gelöst, obwohl zwei Zonen nötig gewesen wären.

„Die beiden haben sich bedroht gefühlt“

Noch innerhalb der ersten Zone, vor der Haltestelle Ruhbank, hätten drei SSB-Kontrolleure, zwei Männer und eine Frau, die Tickets geprüft, berichtet nun Susanne Bouché. Dann hätten sie sich im Waggon niedergelassen und gewartet, bis das Ehepaar in die zweite Zone hineinfuhr, um sie erneut zu kontrollieren. Schon dieses Vorgehen gegenüber ausländischen Gästen, die sich im VVS-Netz nicht auskennen, empfindet die Betreuerin als unerhört. Dann scheint sich die Situation hochgeschaukelt zu haben, weil der Mann erregt darüber war, dass die Kontrolleure das Paar wegen der Aufnahme des Strafprotokolls nicht an der geplanten Haltestelle aussteigen ließen. Einer der Männer habe sich mit ausgebreiteten Armen in die Tür gestellt. „Die beiden haben sich bedroht gefühlt; sie kamen sich vor wie bei einem Überfall“, erzählt Bouché.

Als der Mann auf Englisch erklärte, dass er in Stuttgart sei, weil seine Vorfahren von den Nationalsozialisten ermordet worden seien, kam es zum Eklat. Alle drei Kontrolleure hätten gegrinst, und die Frau habe mit beiden Daumen nach oben gezeigt, als wollte sie sagen: „Gut so.“

Bestürzt über den Vorfall

Die Stolperstein-Initiative hat umgehend einen Brief an OB Fritz Kuhn als ­Vorsitzenden des Aufsichtsrats der SSB ­geschrieben. SSB-Sprecherin Susanne Schupp war bestürzt über den Vorfall. Sicherlich hätten die fehlenden Sprachkenntnisse auf beiden Seiten die Sache verschlimmert. „Aber es ist doch klar, dass die Sensibilität auf Seiten der Kontrolleure gefehlt hat. Das tut uns leid.“ Man werde den Vorfall intern aufarbeiten und sich bei dem Ehepaar direkt entschuldigen.

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