Stadtbahn-Kollision in Stuttgart Fahrtenschreiber soll Stadtbahnunfall klären

Von Wolf-Dieter Obst 

Wegen einer falsch gestellten Weiche sind zwei Stadtbahnen seitlich zusammengestoßen. Doch was war die Ursache – ein technischer Defekt oder ein Fahrfehler?

Nun wird ermittelt: Warum geriet die U 4 nach Untertürkheim von ihrem Weg ab? Foto: SDMG 6 Bilder
Nun wird ermittelt: Warum geriet die U 4 nach Untertürkheim von ihrem Weg ab? Foto: SDMG

Stuttgart - Schon wieder der Karl-Benz-Platz! Für Stadtbahnen scheint die Örtlichkeit beim Bahnhof Untertürkheim ein unheilvoller Ort zu sein – denn nicht zum ersten Mal sind dort die gelben Züge vom rechten Weg abgekommen. Die Ermittlungen, warum am Samstag zwei Bahnen der Linien U 4 kollidierten, laufen auf Hochtouren. Es gab zwei Verletzte und einen Schaden, der in die Hunderttausende gehen könnte.

Die Verkehrspolizei hat bisher keinen Gutachter eingeschaltet. Zunächst soll die Ursache der Kollision im elektronischen Gedächtnis der Bahn gefunden werden: „Die Fahrtenschreiber werden derzeit ausgewertet“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann am Montag, „ein Ergebnis liegt noch nicht vor.“

Klar scheint bisher nur eines: Eine Weiche war falsch gestellt. Eine Stadtbahn der Linie U 4, die es in einer Rechtskurve nur noch wenige Meter bis zur Endhaltestelle hatte, war am Samstag gegen 11.40 Uhr aufs Gegengleis geraten – und mitten auf der Straßenkreuzung seitlich mit einer Bahn kollidiert, die gerade die Endhaltestelle in Richtung Hölderlinplatz im Stuttgarter Westen verlassen hatte. Die ankommende Bahn driftete nach links und schob die abfahrende Bahn aus dem Gleis.

In der Vergangenheit mehrere Unfälle am Karl-Benz-Platz

Mit Weichen hat man am Karl-Benz-Platz so seine Erfahrung bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB). Am 18. Dezember 2014 entgleiste eine U 4 auf dem Weg in die Endstation. Nicht einmal zwölf Stunden später gab es den nächsten Zwischenfall. Die Weiche im Kreuzungsbereich warf den nächsten Zug aus der Bahn. 50 Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon.

Die Spezialisten der SSB nahmen die Weiche unter die Lupe – doch offenbar waren die Maßnahmen nicht ausreichend. Am 2. April 2015 gab es wieder einen Doppelunfall. Damals sprang gegen 19 Uhr ein mit 20 Personen besetzter Stadtbahnzug aus den Schienen. Kaum war die Strecke wieder frei, erwischte es um 22.25 Uhr die nächste Bahn.

Danach schien das Problem im Griff zu sein. „Die Weiche ist nach den Entgleisungen umgebaut worden“, sagt SSB-Sprecherin Birte Schaper, „dabei wurde die Weichenzunge um mehrere Meter verlegt.“ Bei dem Unfall am Samstag seien die Stadtbahnen allerdings nur deshalb entgleist, weil sie sich bei der Kollision gegenseitig aus den Schienen gedrückt hatten.

Hatten die Fahrer die Signale missachtet?

Vieles spricht dafür, dass nicht die Technik der neuen Weiche ins Visier genommen werden muss – sondern die Signale und das Verhalten der 53 und 30 Jahre alten Fahrer. In der Vergangenheit hatte es Kollisionen vor allem deshalb gegeben, weil Stadtbahnfahrer das Signal der Fahrtrichtung nicht beachtet hatten – oder es versäumten, die Weiche auf ihre Fahrtrichtung zu schalten.

Schlimmste Folgen hatte dies im November 2002 auf dem Cannstatter Wilhelmsplatz, als zwei Bahnen im Gegenverkehr kollidierten. Es gab 33 Verletzte und eine Million Euro Schaden. Die Staatsanwaltschaft warf einem Stadtbahnfahrer grobe Unachtsamkeit vor, weil er vergessen hatte, die richtige Signaltaste zu drücken und so auf falschen Kurs geriet.

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