Stadtbahnstreit in Ludwigsburg Ministerium gibt den Streithähnen Haas und Sepc Hausaufgaben auf

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Der Streit um die Stadtbahn in Ludwigsburg wird immer absurder. Bei einem Termin im Verkehrsministerium haben sich OB Spec und Landrat Rainer Haas vor dem Ministerialdirektor gezankt.

Ein schwieriges Gespräch: Ministerialdirektor Uwe Lahl hat OB Spec und Landrat Haas bei sich empfangen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Ein schwieriges Gespräch: Ministerialdirektor Uwe Lahl hat OB Spec und Landrat Haas bei sich empfangen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Ludwigsburg/Stuttgart - Normalerweise müssen Kommunalpolitiker, wenn sie gemeinsam etwas erreichen wollen, in Stuttgart mit laut vernehmlicher Stimme auftreten und Einigkeit demonstrieren. Genau das Gegenteil haben offenbar der Landrat Rainer Haas und der OB Werner Spec am Donnerstag im Stuttgarter Verkehrsministerium getan, um bei Ministerialdirektor Uwe Lahl für ihre Stadtbahnstrategie zu werben. In einer Pressemitteilung schreibt das Ministerium diplomatisch von einem „sehr offenen Gespräch“ mit „durchaus kontroversen Standpunkten“.

OB und Landrat streiten sich auf der Landesbühne

Mit anderen Worten: Es sind die Fetzen geflogen. Der eine, der Landrat Rainer Haas, hat die Landesbühne offenbar genutzt, um seinen Wunsch nach einer Ausweitung des SSB-Stadtbahnnetzes von Remseck nach Markgröningen und von Stammheim bis nach Schwieberdingen vorzutragen – obwohl der erste Punkt in der Stadt Ludwigsburg auf entschiedene Ablehnung stößt. Und der andere, OB Werner Spec, soll dem Vernehmen nach die Vision einer wasserstoffgetriebenen Bahn ausgebreitet haben, die bis 2022 nach Markgröningen fahren soll, um dann Ende der 20er Jahre auf Niederflurbahn umzustellen.

Nun ist der Vorgang an sich schon einmal ungewöhnlich. Schiedsrichter wollten der Ministerialdirektor Uwe Lahl oder gar Minister Winfried Hermann (Grüne) nicht spielen. Zwei Botschaften hat Lahl dem OB und dem Landrat mit auf den Weg gegeben. Einerseits stellt sein Sprecher Edgar Neumann in Sachen Stadtbahn klar: „Die Niederflurbahn hat viele Vorteile, etwa was das Stadtbild in Ludwigsburg angeht, oder auch die Umstiegsmöglichkeiten mit Bussen.“ Rainer Haas soll nun bis September ein Papier vorlegen.

Darin soll dargelegt werden, welche Vorteile eine SSB-Stadtbahn mit hohen Bahnsteigen gegenüber dem Betrieb einer eigenständigen Bahn mit niedrigen Einstiegen hätte, die nicht mit dem SSB-Netz kompatibel ist. Dass man in Stuttgart eher der letzteren, der Niederflur-Lösung zuneigt, wurde in dem Gespräch deutlich.

Bahn nach Markgröningen: Pläne zu vage

Andererseits hat Uwe Lahl Zweifel an einer Reaktivierung der Bahnstrecke nach Markgröningen geäußert. „Die Planungen dazu sind noch sehr vage“, sagt Neumann, „dazu müssten schnell deutlich konkretere Untersuchungen vorgelegt werden.“

Zumal der Zeitfaktor eine Rolle spiele: Kaum realistisch sei es, die Strecke nach Markgröningen in zwei oder drei Jahren in Betrieb zu nehmen, wie es Spec vorschwebt. Dauert es aber fünf oder sechs Jahre, würde eine solche Wasserstoffbahn kaum noch Sinn machen. Denn Fördermittel gibt es nicht zweimal in kurzer Zeit für die gleiche Strecke. Anders ausgedrückt: Rollt erst dann die Bahn nach Markgröningen, gibt es kein Geld mehr aus Stuttgart und Berlin für die Niederflurbahn.

Nun interpretieren beide Seiten das Gespräch in Stuttgart unterschiedlich. Werner Spec will bis September konkrete Pläne vorlegen und setzt darauf, Niederflurbahn und Wasserstoffbahn langfristig zeitversetzt im Halbstundentakt auf der gleichen Strecke fahren lassen. Haas hingegen sieht einen „Arbeitsauftrag“, noch einmal alles für seine SSB-Hochflurbahnpläne in die Waagschale zu werfen. Die Lage verschärft sich, weil nächsten Mittwoch der Gemeinderat in Ludwigsburg noch einmal ein klares Bekenntnis zur Niederflurbahn fassen und dem Landrat eine Abfuhr erteilen will. Haas findet das „grotesk“ und überlegt ernsthaft, seine SSB-Hochflurbahnpläne ohne Ludwigsburg voranzutreiben. Indem er einfach die Barockstadt umfährt.

Kafkaeske Debatte: Schadet das dem Projekt?

In Stuttgart reibt man sich schon länger verwundert die Augen ob des immer absurder werdenden Streites, in dem sich die Fronten eher verhärten als aufweichen. Eine Bewertung will Ministeriumssprecher Edgar Neumann nicht vornehmen, sagt aber: „Hilfreich für eine mögliche Förderung ist das sicherlich nicht.“