Stadtjäger fängt in Hofen invasive Art Erfolgreiche Jagd auf Waschbären am Max-Eyth-See
Laut der Stadtverwaltung wurden vier der Tiere gefangen. Auch in anderen Teilen der Landeshauptstadt gebe es zunehmend Probleme und Schäden durch Waschbären.
Laut der Stadtverwaltung wurden vier der Tiere gefangen. Auch in anderen Teilen der Landeshauptstadt gebe es zunehmend Probleme und Schäden durch Waschbären.
Die vor drei Jahren beim Max-Eyth-See gesichteten Waschbär-Eltern haben drei Junge bekommen. Das teilten die beteiligten Ämter auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Nun sind nach Angaben des Amts für Umweltschutz und dem Ordnungsamt vier der Tiere im Vogelschutzgebiet auf der Halbinsel des Max-Eyth-Sees gefangen worden. Ob das Quartett anschließend getötet wurde, darüber wurden keine Angaben gemacht. Die Behörden teilten jedoch mit, dass die meisten in Stuttgart gemeldeten Fälle von Waschbär-Vorkommen private Grundstücke und Häuser beträfen. Die Betroffenen würden dann an die Stadtjäger verwiesen. In der Regel werde innerhalb der Stadtgebiete mit einer Falle gejagt, „der Abfang“ erfolge mit der Schusswaffe. Übersetzt heißt das, die Tiere werden anschließend getötet.
Wie die Ämter weiter erklärten, wurden im vorigen Jahr Sichtungen der Tiere auch aus den Stadtteilen Uhlbach, Rohracker, Sommerrain, Feuerbach, Stammheim, Botnang und Degerloch/Sonnenberg gemeldet. Oftmals würden sich die Meldungen innerhalb der Stadtteile auf ein und denselben Waschbär respektive auf Waschbärfamilien beziehen.
Wie viele Tiere es seien, könne nicht beurteilt werden. Fakt sei aber, dass sich Waschbären während der letzten Jahre auch in Stuttgart angesiedelt haben. Leser berichteten zudem im Juni 2023 aus Luginsland von Waschbären, die an Mülltonnen und gelben Säcken stöberten und zuletzt gab es eine Sichtung über den Jahreswechsel aus Rohr. Dort haben sich zwei der Tiere immer wieder an einem Vogelhäuschen in einem Garten zu schaffen gemacht, wie der Anwohner Horst Kneller berichtete, der die Tiere auch fotografierte.
Die Waschbären verursachen nach Angaben der Stadt Schäden im Dachbereich von Häusern, Schuppen oder auch in den Gärten. So werde in Dächern Dämmmaterial herausgerissen, ferner Gipskartonplatten und Antennenkabel beschädigt. Es gebe Geruchsbelästigungen durch Urin und Reste von Beutetieren und Lärm. Im Garten graben die Tiere demnach Pflanzen aus und sie verursachten zunehmend auch ökologischen Schaden, weil sie sich so stark vermehren. Außerdem seien Waschbären Allesfresser und könnten deshalb fast alle Lebensräume besiedeln.
Die Tiere sind laut Stadt sehr anpassungsfähig. Sie seien auch eine erhebliche Gefahr für die in Deutschland vorkommenden Amphibien, wie etwa für die stark gefährdete Gelbbauchunke und die Erdkröte. Der Waschbär könne auch effektiv Baumhöhlen und Nisthilfen kontrollieren und verursache Verluste bei Fledermäusen und Vögeln. Koloniebrütende Vogelarten seien besonders gefährdet. So wurde der Waschbär für den Rückgang des Graureihers auch am Max-Eyth-See verantwortlich gemacht, wie die Kommune mitteilte. Dort habe sich die seit den 1980er Jahren bestehende Graureiher-Kolonie 2022 aufgelöst. Zur gleichen Zeit wurden erste Waschbären am Max-Eyth-See gesichtet.
Es gebe jedoch auch gesundheitliche Gefahren für den Menschen: Der sehr häufig bei Waschbären festgestellten Waschbär-Spulwurm, eine nach Europa eingeschleppte Parasitenart, sei auch auf den Menschen übertragbar. Die Eier des Wurmes würden über den Kot ausgeschieden und verbreitet. Eine Zunahme parasitärer Erkrankungen beim Menschen sei laut Wissenschaftlern insbesondere in städtischen Gebieten mit hoher Waschbärendichte zu erwarten, teilte die Kommune weiter mit. Waschbären seien außerdem Wirte für bestimmte Virenarten, die Tollwut und Staupe auslösen. Ob die Waschbären-Jagd am Max-Eyth-See fortgesetzt wird, ist noch offen.