Städtebau Chance für neues Wohnquartier

Von Hildegund Oßwald 

Ein Neubauvorhaben der Firma Dinkelacker könnte der Startschuss für die Neugestaltung des heruntergekommenen Viertels zwischen Hauptstätter und Tübinger Straße werden.

Der Behelfsbau mit Fassadenattrappe und das alte Wohnhaus daneben weichen 22 neuen Stadtwohnungen mit Tiefgarage. Foto: Achim Zweygarth
Der Behelfsbau mit Fassadenattrappe und das alte Wohnhaus daneben weichen 22 neuen Stadtwohnungen mit Tiefgarage. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Stuttgarter Süden hat gute Chancen, in den nächsten Jahren ein neues, zentrumsnahes Wohnquartier zu bekommen. Die vielen gewerblichen Baustellen im Umfeld der Paulinenbrücke und der große Umbau auf einem Teil des ehemaligen Areals von Möbel-Mammut lassen Investoren jetzt auch das angrenzende, stark heruntergekommene Quartier zwischen Hauptstätter-/Tübinger/Fangelsbach- und Cottastraße ins Visier nehmen.

An Stelle der „vereinigten Hüttenwerke“ von Vor- und Nachkriegsbauten, vergammelten Wohnhäusern und schäbigen Gewerbebauten könnten weit mehr als 100 moderne Wohnungen, ein paar Geschäfte und zur Hauptstätter Straße auch neue Büros oder Praxen entstehen – vorausgesetzt, die diversen Grundstückseigentümer einigen sich mit den Bauinteressenten endlich über den Preis. Denn daran ist die von den Stadtplanern seit Längerem erhoffte, von Studenten bereits vor zehn Jahren in Entwürfen skizzierte Modernisierung des Quartierblocks in den vergangenen Jahren stets gescheitert.

Dinkelacker will im kommenden Frühjahr beginnen

Jetzt aber kommt definitiv Bewegung in das Viertel. Für Grundstücke laufen Verkaufsverhandlungen. Die Dinkelacker AG wartet nicht mehr auf eine Gesamtentwicklung und hat sich auf zwei ihrer Grundstücke im Alleingang zum ersten Neubauprojekt im Quartier entschieden. Vorstandsmitglied Werner Hübler sieht auch in den angrenzenden Quartierblocks bis zum Marienplatz, in denen Dinkelacker weitere Häuser hat, noch Entwicklungspotenzial.

„Der Bauantrag für zwei mit einem Treppenhaus verbundene Wohnhäuser mit zusammen 22 Wohnungen ist eingereicht, wir rechnen damit, dass wir im nächsten Frühjahr mit dem Neubau starten können“, sagt Guido Strangmann, der Leiter der Bauabteilung von Dinkelacker. Die private Immobiliengesellschaft mit mehreren Hundert Mietwohnungen in der Stadt erweitert sukzessive ihren Immobilienbestand, saniert im Bestand oder reißt ab und baut neu, so wie jetzt an der Ecke Tübinger/Cottastraße. Die Bausubstanz des Wohnhauses Cottastraße 3 sei zu schlecht zum Erhalt, der Behelfsbau mit der Fassadenattrappe an der Tübinger Straße 73 ist sowieso ein Abbruchkandidat. Die sechs gekündigten Mieter bekämen zum Teil Ersatzangebote, der Musikalienladen ziehe zum Jahresende aus und habe einen Ersatzstandort gefunden, betont Strangmann.

Bebauungsplan sieht einen hohen Wohnanteil vor

„Wir sind froh, dass sich in diesem Quartier, das ein wichtiges Bindeglied zwischen den Bezirken Süd und Mitte ist, endlich was bewegt“, heißt es beim Stadtplanungsamt. Der geltende Bebauungsplan sieht mindestens 60 Prozent Wohnen vor und dabei soll es, Stand heute, auch bleiben. Besonders gern wird auch gesehen, dass auf sechs Geschossen Mietwohnungen entstehen, und zwar in recht selten gewordenen erschwinglichen Größen von 46 bis 83 Quadratmetern. Dinkelacker betont, man wolle sich bei den Mieten am Mietspiegel orientieren. Im Herbst 2014 könnten die 22 Wohnungen nebst Tiefgarage mit Autoaufzug an der Tübinger Straße fertig sein – wenn sich das Baurechtsamt mit der Genehmigung nicht allzu viel Zeit lässt.

Bis dann dürfte auch über das weitere Schicksal des Quartiers einiges entschieden sein. Das Maklerbüro Jones Lang LaSalle verhandelt aktuell für einen Wohnungsbauinvestor über rund zwei Drittel der Grundstücke im Areal, ein anderer Makler bietet weitere Grundstücke an. „Ich gehe davon aus, dass wir noch in diesem Jahr eine Einigung über den Verkauf hinkriegen“, sagt Alexander Veiel von Jones Lang LaSalle. Er agiert für einen großen Investor, der mehrere Mietshäuser errichten würde. An der Hauptstätter Straße, so ­Veiel, seien Büros, ein Ärztehaus oder Ähnliches denkbar.

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