Start-up für ökologisches Crowdinvesting Extra-Energie mitten in der Krise

Thuong Duong, der Ecoligo-Vertreter in Vietnam, vor einer Solaranlage auf einem Firmendach. Foto: Ecoligo

Das von einem Stuttgarter gegründete Start-up Ecoligo finanziert mit im Internet gesammelten, deutschen Investorengeldern Solarstrom in Schwellenländern. Mitten in der Corona-Krise hat man Vietnam erschlossen. Das Geschäft boomt.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Stuttgart - Auch wenn seine Erfolgsgeschichte weniger beachtet worden ist als die von Taiwan oder Südkorea: Vietnam ist eines der Länder der Welt, das mit am besten durch die Corona-Krise gekommen ist. Für das Start-up Ecoligo des Stuttgarter Gründers Markus Schwaninger, das ausgerechnet zum Start der Pandemie erstmals seine Fühler in das südostasiatische Land ausgestreckt hat, war das ein Glücksfall.

 

Das 2016 gegründete Start-up hat ein einfaches, aber inzwischen bewährtes Geschäftsmodell. In Deutschland sammeln man nach dem Prinzip des so genannten Crowdinvesting Investorengelder im Internet ein. Jeder Interessierte kann sich da schon ab einem Mindestbetrag von 100 Euro flexibel an einzelnen, auf der Webseite vorgestellten Solarstrom-Projekten in Entwicklungs- oder Schwellenländern aus Afrika, Lateinamerika und Asien beteiligen. Er bekommt dafür eine in Niedrigzinszeiten durchaus ansehnliche Rendite von vier bis sechseinhalb Prozent für Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren. Das Risiko: Das Unternehmen, das die Anlage installieren will, könnte in dieser Zeit zahlungsunfähig werden.

Ökonomisch stabile Unternehmen als Zielgruppe

Mit dem Geld plant und finanziert Ecoligo Solaranlagen für eine ökonomisch in den jeweiligen Ländern überdurchschnittlich stabile Zielgruppe. Es sind kleine bis mittlere Unternehmen in Ländern wie Costa Rica, Ghana und Kenia – und nun seit Februar auch in Vietnam. Die Unternehmen können damit ihre Stromkosten senken oder die manchmal wacklige Stromversorgung stabilisieren. In der Regel wird die ökologische Stromversorgung in den jeweiligen Ländern auch durch Einspeisevergütungen gefördert. Und da Ecoligo auf eine ausreichende Solvenz seiner Partner achtet, ist es ein Investment mit überschaubarem Risiko – und Umweltbonus.

Mit dem neuen, mit einem eigenen Mitarbeiter vor Ort erschlossenen Zielland Vietnam scheint man auf eine Goldmine gestoßen zu sein – obwohl man ausgerechnet in globalen Krisenzeiten gestartet ist. Wegen der Wirtschaftsstruktur des Landes sind in Vietnam im Gegensatz zu den bisherigen Märkten in Afrika und Lateinamerika auf einmal auch etwas größere Unternehmen in Reichweite. Bisher lag die durchschnittlichen Finanzierungen bei etwa 100 000 Euro. Doch nun wachsen die Finanzierungsvolumina. Ein aktuelles Projekt für einen Verpackungshersteller unweit von Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden des Landes hat aktuell den bisherigen Rekordbetrag von 831 000 Euro als Finanzierungsziel. Ein noch größeres, zurzeit geplantes weiteres Vorhaben soll Strom erzeugen, der dem Verbrauch von knapp tausend deutschen Vier-Personen-Haushalten entspricht.

Die Aufträge aus Vietnam kommen Schlag auf Schlag

Die Aufträge aus Vietnam kommen zurzeit Schlag auf Schlag: Erst vor wenigen Tagen hat man den Vertrag über eine Anlage für einen Aluminiumfertiger unterschrieben, der unter anderem die stark wachsende Fahrzeugindustrie beliefert. Die Leistung der Solaranlage wird dreimal so groß sein wie das bisher größte Projekt. Zuvor waren es drei weitere Solarprojekte mit einem Gesamtvolumen von knapp 1,5 Millionen Euro für Fertigungsbetriebe mit 100, 150 beziehungsweise 950 Mitarbeitern. „Wir haben bereits jetzt unsere Vertriebsziele in Vietnam für 2020 übertroffen“, sagt der Ecoligo-Gründer. Und da seien weitere vor der Unterzeichnung stehende Verträge noch nicht mitgezählt.

„In Vietnam bewegt sich alles sehr schnell“, sagt Schwaninger. Die Abschlüsse verliefen zügig und seien von der Krise in keiner Weise beeinträchtigt. Das Land profitiere davon, dass man schon im Januar Abwehrmaßnahmen gegen das Coronavirus ergriffen habe. „Es gibt auch eine konsequente Nachverfolgung“, sagt Schwaninger. Vietnam sei noch von den Erfahrungen mit dem SARS-Virus und der Schweinegrippe krisenerprobt gewesen.

Viele Kunden produzieren für den von der Corona-Krise kaum betroffenen lokalen Markt

Ecoligo profitiere auch davon, dass zur Zielgruppe vor allem kleinere und mittlere Unternehmen gehören, die für den lokalen Markt produzierten. Dort erreichten im Gegensatz zu den eher auf den Weltmarkt orientierten Unternehmen viele Betriebe wieder hundert Prozent ihrer Kapazität.

Für Anleger, die sich für das in den vergangenen Jahren vor allem im Start-up- und Immobilienbereich populär gewordenen Crowdinvesting interessierten, gebe es zudem zurzeit nicht so viele Alternativen: „Das Investment in Start-ups funktioniert gerade nicht“, sagt Schwaninger. Wer sein Geld also nicht in den relativ stabilen Immobilienbereich stecken wolle, habe mit den von Ecoligo angebotenen Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien einen gewissen Vorteil.

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