Gastro in der Region Stuttgart Sparen sich die Leute den Besuch im Restaurant?

Ralph Wagner vom Applaus will den Optimismus nicht verlieren. Foto: Archiv/Sophia Herzog

Gastronomen erholen sich geradeso von Corona und schon kommt die nächste Krise: Alles wird teurer. Wie gehen sie damit um? Eine Umfrage in Ludwigsburg, Marbach und Kornwestheim.

Steigende Lebensmittelpreise, steigende Energiekosten, steigende Lieferkosten – wer wird von alldem besonders getroffen? Unter anderem die Gastronomie. Also eben jene Menschen, die sich bereits während der Coronapandemie als Verlierer und von der Politik nicht gehört gefühlt haben. Sie steuern geradewegs in die nächste Krise und merken schon jetzt, dass ihre Kunden sparen. Denn auch die Gäste haben Angst vor dem Winter und um ihr Geld.

 

„Uns gibt es noch, das ist das Wichtigste“, das ist nicht nur das Fazit der Betreiber des Gasthofs Ochsen in Marbach, sondern auch das von Mitko Pelovski, dem Inhaber des Hirschgartens in Kornwestheim. Die Coronajahre seien schlimm gewesen, sagt Pelovski. Zurzeit könne er sich nicht beklagen, sein Biergarten sei gut besucht. „Aber alle Einnahmen dieses Jahr sind nur Schadensbegrenzung“, sagt er.

Pommes sind teurer

Mitko Pelovski hat seine Preise im Biergarten bewusst nicht erhöht. Eine Ausnahme sind die Pommes – wegen des teuren Öls, sagt der Chef. Obwohl sein teuerstes Essen gerade einmal 9,50 Euro koste, merke Pelovski schon jetzt, dass die Leute sparen. Wenn er früher 400 Gerichte verkauft hat, sind es jetzt noch 250 bis 300. „Die Krise ist da, das merkt man“, sagt er.

Das gleiche beobachtet auch Ralph Wagner, der wenige Kilometer weiter das Restaurant Applaus betreibt. „Wir haben viele Stammgäste, die früher drei Aperol am Abend getrunken haben und heute nur noch einen“, sagt er. Auch beim Essen greifen die Gäste zurzeit eher zu einem günstigen Wurstsalat als zum teuren Steak. „Der Drang zum Sparen ist da“, sagt Wagner. Er wird bald seine Preise anpassen, kann die Teuerungen aber keinesfalls komplett an die Kunden weitergeben. Und das ist nur eine der Sorgen von Ralph Wagner – er hat zudem Angst, weil er nicht weiß, was die Zukunft bringt.

Und während der Pandemie hat er all seine Aushilfskräfte verloren, seit mehr als einem Jahr sucht er händeringend einen Koch. „Es gibt viele Baustellen zurzeit, da ist Corona gerade die kleinste“, sagt er. Dennoch steckt Wagner den Kopf nicht in den Sand. Optimismus und Hoffnung seien wichtig in diesen Zeiten. Und er schätzt es sehr, dass er zu seinen verbliebenen Mitarbeitern ein familiäres Verhältnis hat.

Nicht alles so düster sehen

Optimismus fegt zurzeit auch durch den Ochsen in Marbach. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen, und wir haben jeden Tag noch ein Lächeln“, sagt die Inhaberin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Die Gartenwirtschaft sei jeden Tag voll, die Chefs haben keine Einbußen zu verzeichnen und die Coronahilfen haben ihren Zweck erfüllt. „Wir merken auch nicht, dass die Gäste schon anfangen zu sparen“, sagt die Wirtin. Nur um eine Preiserhöhung kommt auch der Ochsen zurzeit nicht rum.

Erst seit drei Monaten führt Apostolos Kostakopoulos das griechische Restaurant Apostolos in Ludwigsburg. Genau wie seine Kornwestheimer Kollegen hat er schon Angst vor dem Winter – nicht wegen Corona, sondern wegen der steigenden Preise. „Ich war dieses Jahr extra nicht im Urlaub, damit ich ein bisschen Geld sparen kann“, sagt er. Dass Gäste am Essengehen sparen, hat er noch nicht beobachtet. Zwar sei sein Lokal zurzeit nicht übermäßig voll, aber das führt er auf die Urlaubszeit zurück. „Wenn Gäste kommen, dann bestellen sie auch genug“, freut sich Kostakopoulos.

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