Störche im Kreis Ludwigsburg Im Blüba klappern wieder die Adebare

Die Störche im Blühenden Barock sind zu einer kleinen Besucherattraktion geworden. Foto: Werner Kuhnle

Ein Storchenpaar nistet im Blühenden Barock in Ludwigsburg auf einer Voliere. Auch andernorts im Landkreis brüten Adebare. Die Vögel sind insgesamt im Land wieder auf dem Vormarsch.

Das Blühende Barock (Blüba) in Ludwigsburg ist für seine prächtige Parklandschaft und das Meer an bunten Blumen ebenso berühmt wie für den Märchengarten. Zu einer kleinen Attraktion hat sich in den vergangenen Jahren überdies das Storchenpaar gemausert, das es sich im Frühjahr stets auf der Voliere gemütlich macht. Inzwischen ist das gefiederte Tandem wieder aus seinem Winterquartier ins Blüba zurückgekehrt. Es darf zudem auf Nachwuchs gehofft werden. Die Adebare sind kräftig am Klappern – wie auch Störche an einigen anderen Stellen im Landkreis. Das ist insofern bemerkenswert, als die Vögel in Baden-Württemberg Mitte der 1970er Jahre schon fast ausgestorben waren.

 

Stammgäste im Blühenden Barock

Gebaut wurde das Nest im Blüba 2015 von einem Hahn, wie die männlichen Störche im Fachjargon heißen. „Die Henne traute sich aber nicht drauf“, sagt ein Tierpfleger, den es nicht in die Öffentlichkeit drängt und der deshalb namentlich nicht genannt werden möchte. In der Saison darauf habe ein anderes Paar den Horst in Beschlag genommen und erstmals Nachwuchs aufgezogen. Die Vögel hätten sich allerdings später ins Pleidelsheimer Wiesental verabschiedet. Das Nest war vorübergehend verwaist, ehe zwei andere Adebare es um 2020 für sich entdeckten. Die beiden sind seitdem stetig wiederkehrende Gäste im Blühenden Barock.

„Der Hahn kommt nach dem Winter meistens gegen Ende Februar zurück, die Henne etwas später“, sagt der Tierpfleger. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Störche das Blüba als Heimat nicht wegen etwaiger herrlicher Jagdgründe mitten in Ludwigsburg für sich entdeckt haben. In der Voliere leben versehrte Artgenossen, die die frei fliegenden Adebare angelockt haben. Das Paar, das die Pfleger derzeit im Gehege betreuen, hat übrigens ebenfalls ein Nest gebaut und in der Vergangenheit sogar Eier gelegt. Aber diese seien unbefruchtet gewesen, bedauert der Tierpfleger. Aus dem Gelege der wilden Störche im Blüba sind dagegen 2023 Jungvögel geschlüpft. Sie waren nach etwa zwei Monaten flügge, verließen dann den Park. Mit welchem Ziel und wo sie sesshaft geworden sind, ist unbekannt. Tatsache ist, dass die Blüba-Störche bislang keine weiteren ausgewachsenen Artgenossen in ihrer Nähe dulden. „Sie haben schon zig Paare verscheucht“, erklärt der Tierpfleger.

Von Pleidelsheim nach Freiberg umgezogen

Keine Handhabe hat das Duo aus dem Blühenden Barock indes, wenn Adebare in einem anderen Revier sesshaft werden – wie auf dem Wasserschloss in Freiberg-Geisingen. Dort hatte ein Paar bereits in der vergangenen Saison Wurzeln geschlagen. Nun scheint exakt dasselbe Tandem zurückgekehrt zu sein. Ein Anwohner sei sich in dem Punkt sicher, berichtet Neckarguide Gerhard Hezel. Offenbar brüten die Adebare inzwischen, die wohl Ende Januar den künstlichen Horst auf dem Schlössle in Beschlag genommen haben. 2023 hat es in Freiberg an dieser Stelle schon einmal mit Nachwuchs geklappt, berichtet Judith Opitz, die Storchenbeauftragte des Landes. Drei Jungvögel seien zur Welt gekommen und mithilfe der Feuerwehr beringt worden. Ihr gefiederter Vater war zuvor Dauergast im Pleidelsheimer Naturschutzgebiet Wiesental. Das dortige Nest war allerdings nicht mehr stabil genug, sodass der Storch 2022 samt frischer Partnerin ins benachbarte Freiberg umzog.

Zu einem völlig neuen Hotspot für die prächtigen Tiere im Landkreis scheint sich der Monrepos-See in Ludwigsburg zu entwickeln. Dort hatten im vergangenen Jahr Störche einen eigenen Horst gebaut und sogleich gebrütet. Aktuell ist erneut ein Paar in dem Revier gesichtet worden. Man kann nur hoffen, dass die Brut nun erfolgreicher verläuft als 2023. Laut Judith Opitz schlüpfte in dem Nest ein Storch, der dann jedoch verstarb. Gar kein Leben entstand aus einem Gelege auf dem Dach der alten Lateinschule in Bietigheim-Bissingen, wo aber immerhin nach Jahrzehnten Flaute mal wieder ein Paar nistete.

Immer mehr Störche im Land

Ein Jungstorch flog dafür aus einem Nest auf einem Mobilfunkmasten in Vaihingen-Horrheim. Im Blühenden Barock schafften es 2023 wie in Freiberg sogar drei Tiere, in die große weite Welt zu ziehen. Eines ihrer Geschwisterchen habe nicht überlebt, erklärt Opitz. Summa summarum habe man im Landkreis also in der vergangenen Saison „fünf Horstpaare mit insgesamt sieben ausgeflogenen Jungvögeln“ zählen können.

Im Vergleich zum übrigen Land sind das freilich nach wie vor äußerst überschaubare Werte. 2023 hätten sich in ganz Baden-Württemberg mindestens 2191 Paare an einem Nest zusammengefunden, berichtet die Storchenbeauftragte. Daraus seien 2073 Gelege mit mindestens 4100 flüggen Jungvögeln entstanden. Zum Vergleich: 2020 waren es nur 1495 Horstpaare mit rund 2500 Nachwuchstieren, die es so weit schafften, dass sie auf eigenen Füßen stehen konnten. Die Population habe sich insgesamt „sehr gut“ entwickelt, resümiert Opitz.

Imposante Vögel

Gardemaß
 Weißstörche sind eindrucksvolle Vögel, laut Nabu bringen sie es stehend auf eine Höhe von rund 80 Zentimetern. Sie werden zwischen 2600 und 4400 Gramm schwer und haben eine Flügelspannweite von bis zu zwei Metern. Eigentlich ziehen sie im Winter in wärmere Quartiere in Afrika, doch mittlerweile machen einige Störche schon in Spanien Halt, wo sie beispielsweise auf Müllkippen genügend Futter finden.

Speiseplan
 Die Vögel ernähren sich in der Regel von Fröschen, Reptilien, Mäusen, Insekten, Regenwürmern und Fischen. Im Landkreis Ludwigsburg ist das Nahrungsangebot für die Vögel allerdings überschaubar. Es fehlt an natürlichen Lebensräumen, zu denen feuchtes Grünland sowie Flussauen und -täler zählen.

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