Street-Art-Serie Stuttgart Mehr als nur ein Name

Für Jeroo ist Graffiti eine Buchstaben-Kunst, die die Künstler mit Sprühdosen in den öffentlichen Raum bringen. Daneben hat die Street-Art viel mehr Formen für sich entdeckt als bloße Buchstaben. Über Aufkleber, Schablonen-Kunst bis hin zu Fliesen ist alles dabei. Diese Form ist gegenständlicher und ohne viele Buchstaben. Deswegen ist Street-Art seiner Meinung nach auch erfolgreicher, weil sie eben ohne das graffiti-nahe Styleverständnis von Schrift auskommt und sich deshalb für die Öffentlichkeit viel leichter erschließt.

Christoph Ganter sind seine Werke als Gesamtkunstwerk wichtig, also seine gesprayten Bilder und die Umgebung, in die sie eingebettet sind. Ziel ist es nicht, ein Bild irgendwo hinzuklatschen, nur, damit sein Name an einer Wand steht. Er sucht gezielt nach geeigneten Orten, in die er seine gesprühte Kunst integrieren kann. „Ich versuche mein Bild mit der Umgebung zu verbinden, beispielsweise die vorherrschenden Farben mit in mein Bild aufzunehmen.“ Alles soll stimmen: Die Umgebung, die Platzierung des Bildes und der urbane oder naturbelassene Hintergrund, der seine Werke einrahmt.

Die Jagd nach Bekanntheit und Anerkennung hat sein Handeln vor allem in seinen Anfangszeiten stark beeinflusst. „Heute zieht es mich nachts nicht mehr raus. Ich habe mehr Erfolg, wenn ich legal male und mir Zeit lassen kann für meine Bilder.“ Die nächtliche Aktion und der Nervenkitzel fehlen ihm dabei nicht. Das hat er alles als Jugendlicher erlebt, jetzt ist dieses Kapitel abgeschlossen. Der Druck durch die Gesetzesvertreter ist groß, wenn man viel illegal malt. „Man fühlt sich ständig beobachtet und entwickelt ein echtes Paranoia-Gefühl“, erklärt Christoph Ganter. Allzu lange halten das nur die Wenigsten aus.

Leinwandwerke gegen die Vergänglichkeit

Ganters aktuelles Publikum ist breiter geworden, als noch zu seinen Anfangszeiten. „Ich mache jetzt nicht mehr ausschließlich Graffiti, sondern auch gegenständliche Malerei, zwar immer noch mit Sprühdose, aber eben auf Leinwänden.“ Seine Ansprüche haben sich auch geändert: „Ich versuche, kunstinteressierte Leute zu erreichen, die meine Kunst kaufen.“ Das ist natürlich unmöglich bei den Graffiti, die Jeroo an Wände oder Brückenpfeiler sprüht. Graffiti sind temporär und die Dokumentation der Werke liegt beim Sprüher selbst. „Davor wird es von den Menschen wahrgenommen und macht dann einem anderen Graffito Platz.“

Auf die Frage, ob die permanenten Leinwandwerke nicht gegen den vergänglichen Grundcharakterzug von Graffiti sprechen, antwortet Jeroo: „Wenn ich mein Bild auf eine Leinwand male, kann ich es behalten, beziehungsweise auch verkaufen. Man muss eben auch an den finanziellen Aspekt denken als junger Vater.“ Ein weiterer Vorteil sind die neuen Techniken, die er dabei ausprobieren kann.

Neben Persönlichkeiten aus der Kunstwelt lässt er sich vor allem von der Natur inspirieren. Die Formen und Farben bieten unzählige Möglichkeiten und sind eine fast nie endende kreative Quelle. Er malt viele Naturmotive wie Vögel, Fische, Blumen oder Bäume und überträgt seinen persönlichen Stil auf gegenständliche Dinge.

Kunst in aller Welt

Urbane Kunst findet man fast überall auf der Welt. Dabei hat jedes Land eigene Gesetzte und geht individuell mit dieser speziellen Kunstform des öffentlichen Raumes um. Es gibt landesweite Unterschiede, wie urbane Kunst, also Street-Art oder Graffiti, von der Öffentlichkeit akzeptiert wird. „In Italien sieht man das eher ‚laissez-faire’, dort kann man relativ stressfrei malen, auch illegal. Wenn man sich aber in der Gegend um Skandinavien bewegt, bekommt man dort schon eher Schwierigkeiten mit dem Gesetz.“ Generell kann man aber sagen, dass es nirgendwo legal ist, nur der Umgang oder die Akzeptanz variiert.

Eine Ausnahme sieht Ganter aber in Brasilien, im Land des Fußballs und des Karnevals: „In Brasilien ist es wirklich eine Freunde, zu malen. Dort muss man sich keine Gedanken über Verbote machen, man malt einfach – überall. Und die Leute freuen sich auch noch darüber, es ist alles viel lockerer.“ In Brasilien poche man nicht so sehr auf Privatbesitz. Wenn Wohnhäuser bemalt werden, finden die Menschen das laut Ganter toll, da es dadurch schöner wird. Auf einer Reise in Brasilien durfte er sogar umsonst in einem Hotel wohnen, weil er den Besitzern ein Bild an ihre Wand malte und dieses Bild die Wand entsprechend veredelte.

Auf die Frage, was das Beste an seinem Künstlerleben sei, antwortet Ganter: „Ich hab meine Träume verwirklicht. Als Jugendlicher hab ich mir immer vorgestellt, wie meine Bilder in Graffiti-Zeitschriften veröffentlicht werden. Dieses Ziel habe ich sogar schon übertroffen. Auch Teil einer internationalen Künstlerszene zu sein ist super, so habe ich Freunde auf der ganzen Welt gefunden.“

Auf unserer interaktiven Karte findet man Jeroos Werke und Stuttgarter Street-Art.




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