Streik bei der Bahn Von 21 Uhr an stehen Züge und S-Bahnen

Von SIR/dpa 

Von Dienstagabend wird der Zugverkehr bis Mittwochmorgen bestreikt. Fern- und Regionalzüge sollen ebenso ruhen wie Güterzüge und S-Bahnen. Die Bahn rechnet mit erheblichen Behinderungen im Berufsverkehr am Mittwoch.

Von Dienstagabend, 21 Uhr, bis Mittwoch, 6 Uhr, hat die GDL zum Streik aufgerufen. Foto: www.7aktuell.de |
Von Dienstagabend, 21 Uhr, bis Mittwoch, 6 Uhr, hat die GDL zum Streik aufgerufen. Foto: www.7aktuell.de |

Von Dienstagabend wird der Zugverkehr bis Mittwochmorgen bestreikt. Fern- und Regionalzüge sollen ebenso ruhen wie Güterzüge und S-Bahnen. Die Bahn rechnet mit erheblichen Behinderungen im Berufsverkehr am Mittwoch.

Frankfurt/Main - Die Lokführergewerkschaft GDL will von Dienstagabend an den Zugverkehr in Deutschland für neun Stunden lahmlegen. Die GDL rief ihre Mitglieder im Tarifstreit mit der Bahn zu einem bundesweiten und flächendeckenden Streik von Dienstagabend 21 Uhr bis Mittwochmorgen 6 Uhr auf. Das teilte GDL-Sprecherin Gerda Seibert am frühen Dienstagmorgen mit.

Zum Ende des Streiks müsse man laut Bahn am Mittwoch von "erheblichen Beeinträchtigungen im morgendlichen Berufsverkehr" ausgehen. Voraussichtlich wird es durch die Arbeitsniederlegung in der Nacht zum Mittwoch Auswirkungen bis in die Mittagsstunden geben, wie die Bahn in Berlin mitteilte.

Folgen für Baden-Württemberg noch nicht absehbar

Wo genau gestreikt wird, ist bislang allerdings noch unklar. Selbst der für den Südwesten zuständige GDL-Bezirksvorsitzende Lutz Dächer konnte die genauen Auswirkungen am Dienstag kaum abschätzen. Schwerpunkte dürften in Stuttgart und Ulm liegen, sagte er.

An einigen Orten könnte auch der Nahverkehr ausgebremst werden. In Karlsruhe beispielsweise warnt die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) vor vereinzelten Zugausfällen und Verspätungen auf verschiedenen Stadtbahnlinien. Die Tramlinien seien dagegen nicht vom Streik betroffen.

Auch Firmen stellen sich auf die Streiks ein: „Wir beobachten sehr sorgfältig die weitere Entwicklung der Lage“, sagte ein Daimler-Sprecher in Stuttgart. „Wir werden auf die Situation reagieren und die geeigneten Maßnahmen ergreifen, um nach Möglichkeit jegliche Auswirkungen auf die Produktion auszuschließen.“ Gegebenenfalls könne der Transport dann mit Lastwagen über die Straße laufen. Bisher seien die Auswirkungen aber noch nicht absehbar, betonte der Sprecher. „Die Produktion läuft.“

Auf der Webseite des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS) wurde am Dienstagvormittag vor Beeinträchtigungen im gesamten S-Bahn-Verkehr (S1, S2, S3, S4, S5, S6 und S60) sowie auf allen Strecken der Regionalzüge (R1, R2, R3, R4, R5, R7, R8, R11, R74 und R81) gewarnt. Die Bahn bittet die Reisenden, sich am Mittwoch im Internet über die aktuelle Lage zu erkundigen.

Besucher des Cannstatter Volksfestes müssen sich wohl auf erhebliche Behinderungen im S-Bahn-Verkehr rund um den Wasen einstellen und sich Alternativen für ihre Heimfahrt vom Volksfest überlegen.

Fünf Prozent mehr Geld und zwei Stunden weniger Arbeit gefordert

Die Lokführer fordern fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Verhandlungen darüber scheiterten jedoch daran, dass die GDL auch für das übrige Personal im Zug verhandeln will, etwa für Zugbegleiter und Speisewagen-Mitarbeiter. Die Bahn lehnt das ab. Die GDL rivalisiert dabei mit der größeren der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). In der vergangenen Woche war nach den bisherigen Warnstreiks eine Urabstimmung über reguläre Streiks zu Ende gegangen. 91 Prozent stimmten für den Arbeitskampf.

Die Bahn nannte die Streikandrohung schon im Vorfeld völlig überflüssig. Personalvorstand Ulrich Weber wies den Vorwurf zurück, die Bahn verweigere Verhandlungen und treibe die Gewerkschaft in den Konflikt. „Der GDL-Führung geht es aber darum, das Terrain von Konkurrenzgewerkschaften erobern zu wollen. Dafür nimmt sie Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen in Kauf.“

Die Bahn hatte in der vergangenen Woche ein neues Angebot gemacht, um Streiks noch abzuwenden. Demnach sollten die Verhandlungen ruhen, bis die Bundesregierung das geplante Gesetz zur Tarifeinheit auf den Weg gebracht hat. Bis dahin sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Geld erhalten. In einem Brief von Gewerkschaftschef Claus Weselsky an die Arbeitgeber vom Montag hieß es dazu: „Übersetzt heißt das: „Nehmt die Brosamen des Arbeitgebers, bevor euch die Regierung mit einem Gesetz zur Tarifeinheit endgültig den Garaus macht!“

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