Streit um Eintrittsgebühr im Schwarzwald Bürgermeister Albrecht: „Gäste sind bereit zu bezahlen“

Bürgermeister Johannes Albrecht hält nichts von einer pauschalen Eintrittsgebühr. Foto: privat

Sollen Tagesgäste künftig nicht mehr für lau in den Schwarzwald? Darüber ist eine Diskussion entbrannt. Der Feldberger Bürgermeister Johannes Albrecht erklärt, wie er sich eine faire Beteiligung aller an den Infrastrukturkosten vorstellen kann.

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Feldberg - Eine Kurtaxe für Tagestouristen? Der Chef der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, Thorsten Rudolph, hat eine solche Idee ins Spiel gebracht. Der Feldberger Bürgermeister Johanns Albrecht (parteilos) hält eine solche pauschale Gebühr nicht für zielführend. Er möchte dort kassieren, wo auch wirklich Kosten entstehen.

 

Herr Albrecht, sollten am Eingang zum Hochschwarzwald künftig Kassenhäuschen stehen?

Ich stehe einer grundsätzlichen Eintrittsgebühr sehr skeptisch gegenüber.

Warum?

Vieles von der touristischen Infrastruktur in einer Tourismusregion wie dem Hochschwarzwald wird seitens der Gemeinden bereitgestellt und unterhalten. Da stellt sich schon die Frage, wie die verschiedenen Besuchergruppen an der Finanzierung beteiligt werden können. Eine allgemeine Abgabe für alle Besucher dürfte dabei aber weder zielführend noch umsetzbar sein. Die Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes und Bundeswaldgesetzes sichern allen das Recht auf Erholung und den freien Zugang in unsere Natur – und das ist gut so. Ich bin der Meinung, dass man sehr differenziert nach geeigneten Maßnahmen suchen und grundsätzlich von der Kostenverursachung her denken sollte.

Was heißt das?

Nehmen wir beispielsweise den Parkraum, dessen Bereitstellung bei den Kommunen Kosten verursacht. Hier kann eine direkte Gebührenerhebung anders als eine allgemeine Abgabe sogar helfen, mehrere Zielsetzungen gleichzeitig zu verfolgen. Neben einem Beitrag für die Bereitstellung des Parkraums wird über ein geeignetes Parkraummanagement auch die Besucheranzahl, die Richtung der Besucherströme und die Wahl der Mobilitätsmittel gesteuert. Die Gäste entscheiden, ob sie etwa mit eigenem Auto oder mit den Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs anreisen oder eine Mitfahrgelegenheit organisieren. Das Parkraummanagement ist damit auch ein umweltpolitisches Instrument.

Speziell im Coronajahr hat der Reisemobilverkehr stark zugenommen. Auch dies sorgte im Schwarzwald zuletzt für Diskussionen.

Dieses Handlungsfeld knüpft hier direkt an. Bevor wildes Campen mit all seinen unangenehmen Nebeneffekten zum großen Problem wird, sollte auch hier durch die Bereitstellung geeigneter Infrastruktur unter gleichzeitiger Erhebung einer angemessenen Nutzungsgebühr gesteuert werden. Dadurch könnte auch diese Besuchergruppe besser geleitet und das wilde Campen deutlich verringert werden. Neuseeland hat das meines Erachtens sehr gut gelöst. Ich bin übrigens davon überzeugt, dass Gäste bereit sind, für eine bedarfsgerechte und hochwertige Infrastruktur etwas zu bezahlen. Das Wort „preiswert“ sollte uns dabei als Leitmotiv dienen. Das heißt, dass die dargebotene Infrastruktur ihren Preis auch wirklich wert sein sollte.

Stichwort Loipen: Beim Spuren betreiben Sie viel Aufwand. Der Übernachtungsgast trägt mit seiner Kurtaxe zur Deckung dieser Kosten bei, der Tagesgast läuft kostenlos. Ist das fair?

Hier nehme ich in der Bevölkerung durchaus eine Bereitschaft wahr, sich zu beteiligen. Wir hatten im letzten Winter sogar freiwillige Spenden für die hervorragende Qualität der Spuren. Hier könnte doch eine weitere Verbesserung der Qualität, finanziert durch eine Loipengebühr, für alle ein Gewinn sein. Unsere Nachbarn in Österreich, der Schweiz und auch Südtirol weisen uns hier den Weg.

Und was ist mit dem Wanderer?

Der allgemeine Zugang zu unserer einmaligen Naturlandschaft sollte meiner Meinung nach nicht bepreist werden. Das Wandern durch unsere herrlichen Wälder und das Atmen unserer guten Luft hier oben sollten gebührenfrei bleiben. Zum Glück halten sich die Besuchermengen in weiten Teilen noch in Grenzen, die von der Umwelt gut verkraftet werden.

Aber die Instandhaltung der Wege kostet auch Geld.

Das ist verkraftbar. Schließlich tragen auch Wanderer und Biker als Tagesgäste zur regionalen Wertschöpfung bei, indem sie privatwirtschaftliche Angebote wie zum Beispiel die Gastronomie und den Einzelhandel vor Ort nutzen. Hier gilt es, durch entsprechend qualitativ hochwertige Angebote die Wertschöpfung in der gesamten Region im Interesse aller Gäste, der Einwohner vor Ort, der touristischen Unternehmen und der Kommunen gleichermaßen zu verbessern.

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