Streit um Holzofen in Kornwestheim Nachbarn haben wegen Schreinerei die Nase voll

Rauch aus dem Ofen einer Schreinerei erzürnt in Kornwestheim viele in der Nachbarschaft. Foto: Jasmina Di Biccari

Weil der Rauch aus einem Holzofen sie stört, sammeln Anwohner in Kornwestheim Unterschriften. Die Stadt soll in der Sache handeln. Die Nachbarn fürchten um ihre Gesundheit, weil behandeltes Holz verbrannt wird. Was der Schreiner dazu sagt.

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

„Es ist unerträglich. Ich freue mich schon gar nicht mehr, nach Hause zu kommen.“ Jasmina Di Biccari aus Kornwestheim hat ein Problem, mit dem sie keineswegs allein ist. Seit Jahren gibt es wortwörtlich dicke Luft in ihrer Nachbarschaft. Ein Schreiner im Nachbarhaus verbrenne in seinem Holzofen behandeltes und lackiertes Holz. Immer wenn er dies tue, werde die ganze Nachbarschaft eingeraucht. Ein fürchterlich beißender Geruch verbreite sich in dem Viertel. Das sei gesundheitsgefährdend. „Ich kann meine Fenster nicht mehr offen lassen“, klagt Di Biccari. Sobald der Nachbar den Ofen anwerfe, sammele sich der Ruß in den Wohnungen der Nachbarn. Ist man bei offenen Fenster zu Hause, rieche man selbst wie aus der Räucherbude.

 

Di Biccari wohnt in einem besonderen Wohngebiet, in dem auch die Schreinerei zulässig ist. Daran stört sie sich auch gar nicht. Früher hatten die Nachbarn sogar ein gutes Miteinander mit dem Schreiner. Man habe gemeinsam Fußball geschaut und auch heute noch scheut Di Biccari davor, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Aus ihrer Sicht sollten die Behörden handeln. Mit der Kornwestheimer Stadtverwaltung steht nicht nur sie in regelmäßigem Austausch zu dem Thema. Auch andere Nachbarn haben die Nase voll. „In der Vergangenheit gab es viele Polizeianrufe, Beschwerden bei der Stadt Kornwestheim und weitere Beschwerden beim Umweltamt“, sagt etwa Tanja Schöttle.

160 Unterschriften gesammelt

Bedauerlicherweise schöben sich die Stadt und das Landratsamt die Verantwortlichkeit hin und her. „Mir wurde mitgeteilt, dass es hier keine rechtliche Handhabe gebe“, sagt Schöttle. Weil sich an der Situation für die Nachbarn nichts ändert, wollen sie mit einer Petition erreichen, dass die Stadt die Beeinträchtigung unterbindet. 160 Unterschriften haben die Nachbarn dafür nach eigenen Angaben gesammelt. Noch im März wollen sie die Unterschriften Oberbürgermeister Nico Lauxmann übergeben.

Die Schreinerei selbst kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen: „Unser Ofen hält alle aktuellen Emissionsgrenzwerte ein. Er wird regelmäßig durch den Bezirksschornsteinfeger kontrolliert und vermessen. Wir verbrennen die Hölzer, für die der Ofen eine gültige Zulassung hat. Sollten bei widrigen Wettereinflüssen Rauch oder Gerüche die Nachbarschaft beeinträchtigen, entzieht sich das meiner Einflussnahme“, teilt Otto Bahr mit. Darüber hinaus sei der Ofen an die Zentralheizanlage angeschlossen und versorge fünf Wohnungen sowie die Werkstatt mit Heizung und Warmwasser.

Keine Verstöße festgestellt

Bei der Stadtverwaltung in Kornwestheim ist das Problem bekannt. Seit „geraumer Zeit“ sei das Rathaus mit einigen Anwohnerinnen und Anwohnern sowie mit der Schreinerei in Kontakt, um zu vermitteln und eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten gangbar sei, sagt Johannes Hartmann, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen. So wurde 2016 eine Kaminverlängerung angebracht, um den Rauch besser im freien Luftstrom abzuleiten.

Weiterhin werde mehrmals im Jahr Prüfungen und Reinigungen durch die Bezirksschornsteinfegerin vorgenommen. Um auszuschließen, dass Materialien verbrannt werden, die nicht von der Zulassung umfasst sind, wurde die Heizanlage auch unangekündigt kontrolliert. Bisher wurden nie Verstöße festgestellt. Eine Messung der Belastung sei nur schwer umsetzbar, weil die Beeinträchtigungen nur temporär auftreten, so Hartmann. Für die Stadt ergebe sich keine rechtliche Möglichkeit der Rücknahme der Zulassung.

„Trotzdem bleiben alle Beteiligten weiterhin auf der Suche nach einer Lösung“, sagt Johannes Hartmann. Zuletzt wurde mit dem Betrieb ein weiterer Lösungsansatz vereinbart. Nähere Angaben könne er aufgrund des laufenden Verfahrens aber nicht machen, sagt der Fachbereichsleiter.

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