Streit um Rettungshubschrauber Machtpolitik wider besseres Wissen

Der Rettungshubschrauber Christoph 41 soll von Leonberg abgezogen werden. Foto: Archiv/Simon Granville

Die Christoph-41-Debatte belegt die Abgehobenheit vieler Profi-Politiker gegenüber der Bevölkerung, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Die Entfremdung von Teilen der Bevölkerung zur Politik: Über die Ursachen wird gerätselt wie gemutmaßt. Es gibt aber Erklärungsansätze, warum Scharen sich zur AfD oder zu Sahra Wagenknecht hinwenden: Es ist das Gefühl vieler Menschen, nicht mehr gehört zu werden. Dass pragmatische Lösungen einer längst aus dem Ruder geratenen Regulierungswut zum Opfer fallen. Schließlich ist es der Eindruck, dass bisweilen wider besseres Wissen anders entschieden wird.

 

Ein gutes Beispiel für letzteres Phänomen ist die Diskussion um den Rettungshubschrauber Christoph 41. Der soll aus Leonberg weg, weil weiter im Süden ein Rettungshubschrauber dringend benötigt wird. Gegen die Feststellung, dass es anderswo im Land Bedarf gibt, ist überhaupt nichts zu sagen. Wohl aber gegen die Schlussfolgerung, dass deshalb aus einem vermeintlich gut bestückten Ballungsraum ein Helikopter mal eben so abgezogen werden könnte.

Wir erinnern uns: Das Gutachten, auf das sich die Landesregierung stützt, ist fünf Jahre alt. Das Verkehrschaos rund ums bundesweit berühmt-berüchtigte Leonberger Dreieck ist seither noch größer geworden. Die Sanierung des Engelbergtunnels macht die Sicherheitslage nicht besser. Diejenigen, die nahezu Tag für Tag und Nacht für Nacht im Notfall ausrücken – Rettungssanitäter, Feuerwehrleute und Polizei – hatten vor zwei Jahren gemeinsam mit Klinik-Chefärzten der Region eindringlich davor gewarnt, Christoph 41 aus dem für diese Gefahrenlage ideal gelegenen Leonberg abzuziehen.

Überheblicher Staatssekretär

Den damals zuständigen Staatssekretär Wilfried Klenk (CDU) hatte das in keiner Weise beeindruckt. Im Gegenteil: Er hat den Mahnern aus den Blaulichtorganisationen die Kompetenz abgesprochen, die Dimension eines landesweiten Rettungskonzeptes beurteilen zu können. Nun war Klenk selbst viele Jahre hauptberuflich im Rettungswesen engagiert. Aber deshalb seinen Exkollegen mangelndes Urteilsvermögen vorzuwerfen, das war und ist günstigstenfalls überheblich.

Dass das grün-schwarze Bündnis in Stuttgart im Gegensatz zur Berliner Ampel in machtpolitischen Fragen einwandfrei funktioniert, passt ins Bild. Eine von 28 000 Menschen unterschriebene Petition für den Verbleib von Christoph 41 wurde vor knapp zwei Jahren im Landtag eiskalt abgeschmettert. Ein weiterer Beleg für die Entfremdung der professionellen Politik vom Volk.

Klenk war damals der Buhmann. Doch auch sein Nachfolger Thomas Blenke (CDU) verspürt wenig Neigung, das nervige Thema noch einmal anzufassen. Es geht ja nur um das Retten von Menschenleben.

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