Stromtrasse im Kreis Ludwigsburg Landwirte fürchten um die Qualität ihrer Böden
Die Stromtrasse Suedwestlink soll durch den Kreis Ludwigsburg geführt werden – das Großprojekt stößt jedoch bei den Bauern auf starke Vorbehalte.
Die Stromtrasse Suedwestlink soll durch den Kreis Ludwigsburg geführt werden – das Großprojekt stößt jedoch bei den Bauern auf starke Vorbehalte.
Die Kabel der Transnet BW für den Stromtransport sind nur etwa 15 Zentimeter dick. Erpicht darauf, sechs von ihnen bei sich unter der Erde zu haben, ist aber wohl keiner der Landwirte im westlichen Landkreis Ludwigsburg. Einige von ihnen sind im etwa zehn Kilometer breiten Korridor für den Suedwestlink betroffen. Der Bauernverband Heilbronn-Ludwigsburg äußert Bedenken. Die Qualität der Böden leide unter den Erdarbeiten. Die Landwirte sollten zumindest angemessen entschädigt werden.
Die Energiewende bildet den Ausgangspunkt des Konflikts. Deutschland will bis 2045 keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Klimaneutral kann das Land nur mithilfe von Stromtrassen werden, die Energie aus dem windreichen Norden in den windärmeren, aber ökonomisch starken Süden liefern. Eine Leitung ist der 740 Kilometer lange Suedwestlink von Sahms in Schleswig-Holstein nach Oberjettingen im Kreis Böblingen. Die Bundesnetzagentur hat für die Trasse einen Präferenzraum festgestellt. In dem Korridor soll die Leitung in 1,30 Meter Tiefe verlaufen. Wo genau, das wird im Planverfahren geklärt. Die Transnet BW hat einen ersten Vorschlag unterbreitet und steht aktuell in Gesprächen mit den Anliegerkommunen.
Die Stimmung unter den Bauern ist nicht gerade von Begeisterung geprägt. „Niemand kennt die Langzeitfolgen für die Böden genau“, gibt Florian Petschl, Vorsitzender des Bauernverbandes Heilbronn-Ludwigsburg, zu bedenken. „Uns wären Freiluftleitungen lieber“, sagt der Marbacher Landwirt, der darauf hinweist, dass „bei uns in der Region noch viele Firmen sind, die noch keine Photovoltaik-Anlagen auf ihren Dächern haben“. Petschl findet, es müssten nicht so viele Stromtrassen gebaut werden, wenn die Bundesregierung die Biogas-Anlagen stärker für die Energieversorgung berücksichtigen würde. „Das Thema wird totgeschwiegen – man müsste das Energie-Einspeisegesetz ändern, da will aber niemand ran.“
Verhindern können die Landwirte die Erdarbeiten nicht. Im Konfliktfall könnte Transnet BW die Nutzung von Grundstücken einklagen. Das Unternehmen setzt jedoch auf Kooperation. Dazu zählen Entschädigungen für betroffene Grundstücksbesitzer. Für die Bauern im Kreis Ludwigsburg bündelt Jan Schwarting, Geschäftsführer des Bauernverbandes Heilbronn-Ludwigsburg und des Landesbauernverbandes, die Interessen. „Wir stehen erst am Anfang der Gespräche“ sagt er, doch gebe es bereits Erfahrungswerte durch die Planung der Stromtrasse Suedlink, die in Leingarten im Kreis Heilbronn ende und mit Suedwestlink weiter in Richtung Süden verlängert werde.
Die Entschädigungssätze sind bundesweit einheitlich, sie unterscheiden sich jedoch je nach Verkehrswert der Grundstücke. Schwarting erzählt von einem längeren Tauziehen beim Vorgängerprojekt Suedlink. „Wir fangen nicht bei null an – die Chancen für eine Einigung stehen nicht schlecht.“ Schwieriger gestalteten sich die Verhandlungen mit dem Unternehmen terranets BW. Es baut die Süddeutsche Erdgasleitung von Hessen über Baden-Württemberg bis nach Bayern. Das Problem laut Schwarting: „Das Unternehmen verhandelt mit nicht mehr aktuellen Entschädigungssätzen.“
Probleme bei Erdarbeiten gebe es immer, sagt Schwarting. „Die Unternehmen arbeiten bei jedem Wetter.“ Füllten sie die Löcher mit Schlamm, verfestige sich der Boden stärker als vorher, was die Wasserdurchlässigkeit behindere. Das Risiko einer Austrocknung, auch wegen möglicher Wärme von den Stromleitungen, steige. Zudem drohe das Aus bestimmten Kulturen, die mit ihren langen Wurzeln nicht über den Leitungen angebaut werden könnten.
Der Transnet-BW-Sprecher Alexander Schilling verweist auf ein belastbares Bodenschutzkonzept, das man erstellt habe. Das Unternehmen gehe vorsorgend, baubegleitend und nachsorgend mit dem Schutzgut Boden fachkundig um. Gemeinsam mit der Universität Hohenheim erforsche Transnet BW außerdem den Einfluss von 525-Kilovolt-Gleichstromerdkabeln auf Böden und landwirtschaftliche Pflanzen.