Stuttgart - Was ist von einem Unternehmen zu halten, das hochrelevant sein will für die Sicherheit Deutschlands, aber quasi in der Hand einer Briefkastenfirma auf Barbados ist? Das Verteidigungsministerium hat darauf mit seiner Entscheidung für das neue Sturmgewehr eine Antwort gegeben. Offenbar traut es Heckler & Koch nicht mehr die Stabilität zu, um die Bundeswehr mit der Standardwaffe auszurüsten. Gewiss, einem solchen Beschluss liegt ein komplexes Prüfverfahren zugrunde – da spielen die Qualität und der Preis eine große Rolle, aber eben auch die dauerhafte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Herstellers.
Die Misere hat eine längere Vorgeschichte
Heckler & Koch kann dieses positive Image nach den Wirrungen um die Eigentumsverhältnisse und den Aufsichtsrat nicht mehr bieten. Selbst dass der Thüringer Konkurrent Haenel einem arabischen Staatskonzern gehört, hilft den Oberndorfern nicht. Die Misere hat eine lange Vorgeschichte – Firma und Ministerium sind seit Jahren in der Beziehungskrise. Sollte Heckler & Koch den neuen Rückschlag nicht verkraften, wären ausgerechnet die Mitarbeiter die Leidtragenden, die entgegen der auch unsachgemäßen Kritik am Sturmgewehr G36 eine ausgezeichnete schwäbische Handwerkskunst abliefern.