Stuttgart 21 Anwohner fordern Aufklärung über Eidechsenareal

Eine Fläche der Feuerbacher Heide wird für umzusiedelnde Reptilien vorbereitet, was Nachbarn irritiert. Die Tiere stammen von Stuttgart-21-Baustellen. Anwohner fühlen sich überrumpelt.

Die Arbeiten auf der Feuerbacher Heide sorgen für Ärger. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Arbeiten auf der Feuerbacher Heide sorgen für Ärger. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Von den ausgedehnten Wiesen rechts und links der Straße Am Tazzelwurm ist nicht mehr viel zu sehen. Auf den Grünflächen bewegen Bagger große Menge an Gestein hin und her. Damit soll das Areal für seine zukünftigen Bewohner hergerichtet werden: Auf die Wiesen in direkter Nachbarschaft zur Porsche-Villa und zum Heuss-Haus ziehen zunächst 360 Mauereidechsen, die der Bahn beim Bau von Stuttgart 21 im Weg sind.

Anwohner kritisieren „Hauruck-Aktion“

Die Aktivitäten sind nicht zu übersehen – und werfen bei einigen Anliegern Fragen auf. Die hat Wolfgang Rolli zusammengefasst und in offenen Briefen Landesumweltminister Franz Untersteller, Regierungspräsident Wolfgang Reimer, OB Fritz Kuhn (alle Grüne) sowie S-21-Chef Manfred Leger gestellt. Er und seine namentlich nicht genannten Mitstreiter seien „keine militanten S-21-Gegner, vielleicht auch keine großen Befürworter“ schickt Rolli seinem Fragenkatalog voraus. Mangels Bauschild habe man sich erst von einem Baggerfahrer informieren lassen müssen.

Doch nicht allein der Umstand, dass Bahn und Behörden es geschafft hätten, „eine Bürgerinformation und Beteiligung erst gar nicht aufkommen zu lassen“, verärgert den Absender. Er stellt zudem eine ganze Reihe von Fragen, etwa wie der Standort ausgesucht worden sei, wer dafür bezahle, wie es um die Erfolgsaussichten bestellt sei und warum der Landschaftschutz keine Beachtung finde. „Für uns verstärkt sich hier immer mehr der Eindruck, dass aus einem akuten Zeit- und Entscheidungsdruck seitens der Projektleitung der Bahn heraus, eine vorschnelle Hauruck-Entscheidung für einen Standort getroffen wurde, der den dort bestehenden Naturschutz untergräbt und zunichte macht“, schreibt Rolli.

Fläche liegt nicht im Landschaftsschutzgebiet

Vorwürfe, die Bahn und Stadt so nicht auf sich sitzen lassen wollen. Das Vorhaben hat Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) bereits im Mai vor Stadträten im Umwelt- und Technikausschuss des Gemeinderats vorgestellt. Im Bezirksbeirat Nord erklärten Bahnvertreter im Juni, was auf der Fläche geplant ist. „Als Partner des Projekts S 21 haben wir die Bahn unterstützt, die rechtlichen Vorgaben umzusetzen und stellen daher die rund drei Hektar auf der Feuerbacher Heide als neuen Lebensraum für die Tiere bereit“, erklärt Pätzold.

Die Bahn, die immer wieder mit den Auflagen des Artenschutzes zu kämpfen hat, musste eine Fläche in Stuttgart finden. „Um die Artenvielfalt zu schützen, sollen die in Stuttgart angetroffenen Tiere möglichst innerhalb ihres Verbreitungsgebiets im Raum Stuttgart verbleiben. Dies steht im Einklang mit der umweltfachlichen Bewertung der Landesumweltbehörden“, erklärt S-21-Sprecher Jörg Hamann. Er weist daraufhin, dass die Wiesen am Killesberg „außerhalb des festgesetzten Landschaftsschutzgebiets“ liegen.

Schafherde kann weiterhin weiden

Aus knapp 15 Tonnen Material entsteht der neue Lebensraum für die Reptilien. Das Gros dafür stammt aus einem Steinbruch in Ehningen (Kreis Böblingen). Ausgespart werden bei dem Umbau allerdings zwei Flächen. Eine davon dient einem Zirkus regelmäßig als vorübergehende Unterkunft, die andere ist ein Parkplatz, der vor allem in Zeiten des Tennisturniers am Weissenhof genutzt wird. Der Schäfer, der regelmäßig seine Herde auf dem künftigen Eidechsenhabitat weiden lässt, könne dies auch künftig tun, versichert die Stadt.

In unserem Video sehen Sie zehn Fakten zu Stuttgart 21: