Stuttgart 21 auf den Fildern Eine Absage als Chance

OB Roland Klenk sieht in der Gesprächsabsage des Verkehrsministers keinen Beinbruch Foto: Archiv Norbert J. Leven
OB Roland Klenk sieht in der Gesprächsabsage des Verkehrsministers keinen Beinbruch Foto: Archiv Norbert J. Leven

Der Ärger über den geplatzten Minister-Termin in Leinfelden hält sich bei den Fraktionen in Grenzen. Sie hoffen auf eine veränderte S-21-Trassenführung in L.-E.

Filder-Zeitung: Norbert J. Leven (njl)

Leinfelden-Echterdingen - Die Absage des Gesprächstermins durch Verkehrsminister Winfried Hermann (die Filder-Zeitung berichtete) wird bei den Gemeinderatsfraktionen in Leinfelden-Echterdingen nicht als Affront gewertet. Im Gegenteil: Sprecher der politischen Gruppierungen und Parteien betonen, dass der Verschiebung um einige Wochen auch eine Chance innewohne: Für L.-E. böte sich nun überraschend eine Möglichkeit, eine positive Entwicklung bei der Stuttgart-21-Trassenführung zu erreichen.

Die Einschätzung der Stadträte wird auch von Oberbürgermeister Roland Klenk geteilt. Bei ihm hatte sich der Verkehrsminister am Montag telefonisch gemeldet und um eine Verschiebung der ursprünglich für Donnerstagabend geplanten Veranstaltung gebeten. „Ich bin relativ schnell auf die Bitte von Herrn Hermann eingegangen“, sagt Klenk auf Nachfrage der Filder-Zeitung, „weil er an diesem Abend sonst nichts Neues hätte verkünden können.“

Die Ankündigung des Ministers, dass bis zu einem neuen Termin Mitte oder Ende Februar zusammen mit den Projektpartnern ein Arbeitskreis gegründet werden soll, mit dem Ziel „Varianten und Alternativen zur gegebenen Planungssituation zu erarbeiten und zu prüfen“, hält Leinfelden-Echterdingens Rathauschef für „sehr weitgehend formuliert“.

Auch in der Arbeitsgruppe Stuttgart 21 in L.-E. hält sich der Ärger über die Terminabsage in Grenzen. Als negativ empfindet es das Mitglied Thomas Rommel, dass die Stadt und die Bürger bei den von Hermann angekündigten Gesprächen „nicht dabei sind“. Positiv sei hingegen, „dass überhaupt geredet wird“. Claudia Moosmann, als Vorsitzende der Initiative Lebenswertes L.-E. ebenfalls in der Arbeitsgruppe aktiv, meint: „Die Absage ist besser als eine Veranstaltung, bei der nichts gesagt wird.“

Auch bei der CDU-Fraktion herrscht die Meinung vor, dass die Besucher am Donners­tagabend wahrscheinlich enttäuscht heimgegangen wären. Substanziell, sagt Harry Sandlaß, „wird im Februar eher etwas zu erfahren sein.“ Richtig wäre es aus Sicht der SPD, wenn das Ministerium jetzt bereits einen Vertreter der Stadt zu den Gesprächen hinzuziehen würde, sagt Fraktionschef Erich Klauser. Die FDP/LE-Bürger-Fraktion sieht die Grünen, wie Wolfgang Haug betont, in der Pflicht, insbesondere, weil hier der Wahlkreis des Ministerpräsidenten sei.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Gemeinderat, Ingrid Grischtschenko, hat hingegen die Absage ihres Parteifreundes „nicht recht verstanden“. Eigentlich sei man sich bis Montag darin einig gewesen, dass „wir ein Vorverfahren zur Planfeststellung machen“. Aus ihrer Sicht ist nach wie vor die vorhandene Gäubahntrasse über Vaihingen zum Hauptbahnhof die Alternative zur Streckenführung durch L.-E.

Der Termin zur Vorstellung der Trassenvarianten am 31. Januar durch den Bahnbevollmächtigten Eckart Fricke ist nach Auskunft der Stadt nicht gefährdet. Allerdings wird diese Veranstaltung auf Wunsch der Bahn nicht öffentlich, sondern ausschließlich für Mitglieder Arbeitsgruppe Stuttgart 21 zugänglich sein.




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