Stuttgart 21 Gegner setzen auf den Aufsichtsrat

Kurz vor dem Treffen der Bahn-Kontrolleure gehen Projektkritiker mit Zahlen und Ausstiegsszenarien an die Öffentlichkeit. In einem Brief an die Bahn-Aufsichtsräte hat das Aktionsbündnis die so genannte Plan-B-Arbeitsgruppe vorgestellt und eine Diskussion darüber angeregt.

So stellen sich die S-21-Gegner den sanierten Kopfbahnhof vor. Foto: Aktionsbündnis K 21 /  Grohe / Kunz-AV
So stellen sich die S-21-Gegner den sanierten Kopfbahnhof vor. Foto: Aktionsbündnis K 21 / Grohe / Kunz-AV

Stuttgart - Am Mittwoch wird sich der Bahnaufsichtsrat mit den jüngst bekannt gewordenen neuen Kosten- und Terminrisiken des milliardenschweren Umbaus des Stuttgarter Bahnknotens befassen. Laut Beratungsvorlage für die Kontrolleure droht Stuttgart 21 eine Verzögerung von zwei Jahren, zudem ist der Risikopuffer bis auf 15 Millionen Euro dahingeschmolzen.

Von diesen Hiobsbotschaften hoffen die Stuttgart-21-Gegner profitieren zu können. In einem Brief an die Bahn-Aufsichtsräte hat das Aktionsbündnis die so genannte Plan-B-Arbeitsgruppe vorgestellt und eine Diskussion darüber angeregt. Darin geht es unter anderem um die Umnutzung der am Bahnhof ausgehobenen Baugruben für einen Omnibusbahnhof oder eine Versammlungshalle. „Der Aufsichtsrat muss am Mittwoch zumindest beschließen, dass ein solcher Umstieg ausgelotet wird. Wir erwarten da eine entsprechende Weichenstellung“, erklärt Eisenhart von Loeper, Sprecher des Aktionsbündnisses. Mit Blick auf die aufflammende Diskussion über Posten im DB-Vorstand ergänzt der Jurist: „Kein Vorstand der Welt wird Stuttgart 21 retten können“.

Dass sich ein Abrücken von den bisher verfolgten Plänen wirtschaftlich aus seiner Sicht für die Bahn lohnen könnte, unterstrich Martin Vieregg vom Münchner Beratungsunternehmen Vieregg&Rössler. Vieregg hatte im Dezember 2015 die Kosten für Stuttgart 21 auf knapp zehn Milliarden Euro taxiert, eine Darstellung, der die Bahn widersprach. Der Ausstieg aus Stuttgart 21 schlage mit 2 Milliarden Euro zu Buche, so Vieregg. Aus der Differenz ließen sich die Pläne der Stuttgart-21-Gegner bezahlen. Konkrete Kosten dafür nannten sie allerdings nicht.

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