Wenn die neue Haltestelle Staatsgalerie wegen Stuttgart 21 gebaut wird, sind in den Jahren 2016 bis 2019 Umleitungen verschiedener Stadtbahnlinien nötig. Die SSB werfen S-21-Kritikern, die ein Chaos befürchten, Panikmache vor.

Lokales: Thomas Durchdenwald (dud)

Stuttgart - In noch nicht endgültigen Plänen stellen die SSB nun erstmals dar, wie sie Stadtbahnlinien führen werden, wenn es wegen des Neubaus der Haltestelle Staatsgalerie im Zug des Projekts Stuttgart 21 in zwei Jahren zu Unterbrechungen der Gleise am Hauptbahnhof und am Charlottenplatz kommt. Zugleich werfen die SSB den S-21-Kritikern, die vor einem Stadtbahnchaos warnen (die StZ berichtete), „Panikmache“ vor. „Ohne Zweifel stellt diese anspruchsvolle Baumaßnahme, eine Folge des Bahnprojekts Stuttgart 21, die SSB vor große betriebliche Herausforderungen. Denn ein Teil des Stadtbahn-Liniennetzes wird vorübergehend geändert. Von Chaos kann aber keine Rede sein“, erklärte der SSB-Technik-Vorstand Wolfgang Arnold.

Seit gut zwei Monaten protestiert die Initiative „Für unsere Stadtbahn“, der sieben Gruppierungen, darunter die Parkschützer, das Aktionsbündnis gegen S 21 und der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland VCD, angehören, massiv gegen die möglichen Auswirkungen. Freiwillige verteilten 60 000 Flyer. Seit zehn Tagen läuft in Großkinos ein Spot, der Zuschauer auffordert, beim Ersten Bürgermeister Michael Föll (CDU) zu intervenieren. „Er muss durchsetzen, was in der S-21-Planfeststellung steht: keine Beeinträchtigung der Stadtbahn“, forderte Matthias von Herrmann, der Sprecher der Parkschützer.

Die folgende Karte zeigt die Pläne der SSB für die erste Bauphase an der Haltestelle Staatsgalerie. Wenn Sie auf die Karte klicken, öffnet sich ein neues Fenster mit einer größeren Ansicht.

Die SSB reagierten darauf zunächst nur mit dem allgemeinen Hinweis, dass weiter alle Stadtbahn-Haltestellen angefahren würden und an einem Konzept gearbeitet werde. Nun meldete sich in einer Pressemitteilung erstmals ein Vorstandsmitglied der SSB zu dem Thema zu Wort. Arnold bestätigte, dass „Behinderungen und Beeinträchtigungen nicht auszuschließen sein werden“. Allerdings verfügten die SSB über „vielfältige, betriebliche Erfahrungen, um die schwierige Zeit mit guter Planung und Vorbereitung zu bewältigen“. Das Ziel sei, „die Folgen für die Fahrgäste zu minimieren und die gewohnte Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit zu gewährleisten“.

Ursprünglich sollten der wegen des neuen Tiefbahnhofs nötige Umbau der Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie und der Tunnel zu Charlottenplatz und Hauptbahnhof „unter Betrieb“ stattfinden. Neue Planungen, vor allem die in der 14. Planänderung beantragte (und noch nicht genehmigte) offene Bauweise des neuen Nesenbachabwasserkanals, führen nun doch dazu, dass „in zwei Bauphasen der Weg von drei beziehungsweise zwei Stadtbahnlinien geändert wird“, sagte Arnold. Dabei würden alle Stadtbahn-Haltestellen, auch die Station Staatsgalerie, weiter bedient, auf einen Ersatzverkehr mit Bussen verzichtet und der Zehn-Minuten-Takt erhalten.

Die Bauarbeiten sollen noch dieses Jahr beginnen

Arnold bestätigte auch, dass mit den Bauarbeiten für die neue Haltestelle noch in diesem Jahr begonnen werden soll. Erst vom zweiten Halbjahr 2016 an sei dann aber die Linienführung betroffen. Nach heutigem Planungsstand würden ab Mitte 2016 die Stadtbahnlinien U 1, U 2 und U 4 für rund neun Monate nicht zwischen Staatsgalerie und Charlottenplatz fahren können und über den Hauptbahnhof umgeleitet. Diese Umleitung wird vermutlich im Frühjahr 2017 aufgehoben, der genaue Zeitpunkt hängt vom Fortgang der Bauarbeiten ab. Danach werden die Linien U 9 und U 14 den Abschnitt zwischen Staatsgelarie und Hauptbahnhof nicht befahren können und andere Strecke bedienen. Dies werde rund zwei Jahre dauern.

Während der ersten Bauphase (Sperrung Staatsgalerie-Charlottenplatz) ist daran gedacht, die U 1 von Fellbach über Hauptbahnhof bis Heslach fahren zu lassen (bis Vaihingen fährt mit der Inbetriebnahme der neuen U 12 im Jahr 2016 die U 14). In umgekehrter Richtung wäre ein Pendelverkehr zwischen Südheimer Platz und Charlottenplatz denkbar, die U 4 würde zwischen Hölderlinplatz–Charlottenplatz und Untertürkheim–Neckartor fahren.

In der zweiten Bauphase (Sperrung Staatsgalerie –Hauptbahnhof) wird an einen Pendelverkehr der U 9 auf den Strecken Hauptbahnhof–Botnang und Südheimer Platz–Hedelfingen gedacht, die U 14 könnte zwischen Vogelsang und Vaihingen beziehungsweise Mühlhausen und Neckarpark oder Neugereut fahren. Diese ersten Entwürfe würden in den nächsten zwei Jahren „im Hinblick auf Fahrgastströme, deren Veränderungen und Belastung des Knotens Berliner Platz überprüft“, kündigte Arnold an. Erst dann werde eine Liniennetzplan für die Bauphasen verabschiedet und die Öffentlichkeit informiert. „Es ist heute einfach noch zu früh, fertige Pläne vorzulegen“, so Arnold.

Die folgende Karte zeigt die Pläne der SSB für die zweite Bauphase an der Haltestelle Staatsgalerie. Wenn Sie auf die Karte klicken, öffnet sich ein neues Fenster mit einer größeren Ansicht.


Das sehen die Grünen im Gemeinderat anders. Sie fordern eine „schnelle, umfassende und transparente Information“. Die Verantwortlichen der SSB hätten bisher verschwiegen, dass sich die Fahrgäste auf geänderte Linienführungen, längere Fahrzeiten, mehr Umstiege und Umwege einstellen müssten. Die Auftrennung der Linien werde manche Fahrgäste verwirren, zudem werde es bei einem Unfall am Berliner Platz keine Ausweichstrecke mehr geben, kritisieren sie – allesamt Punkte, die auch die S-21-Kritiker anführen.

Für die Grünen ist jedenfalls klar, dass „die Versprechungen der SSB-Verantwortlichen vor der Volksabstimmung, es werde keine Auswirkungen durch S 21 auf die Stadtbahn geben, sich nicht mehr halten lassen“. Arnold glaubt, die Umbauzeit sei zu bewältigen und die fertige neue Haltestelle Staatsgalerie werde „das Stadtbahnangebot noch attraktiver machen“.