Stuttgart 21 Zwist wegen der Betriebsqualität

Von Jörg Nauke 

Die Leistungsfähigkeit des neuen Durchgangsbahnhofs ist das große Streitthema. Eine Gruppe von Wissenschaftlern erneuert die Stresstestdebatte.

Die Bahn und der Gutachter SMA weisen dem Tiefbahnhof eine wirtschaftlich optimale Betriebsqualität nach. Foto: AP
Die Bahn und der Gutachter SMA weisen dem Tiefbahnhof eine "wirtschaftlich optimale" Betriebsqualität nach. Foto: AP

Stuttgart - Neben den Kosten für Stuttgart 21 ist die Leistungsfähigkeit des neuen Durchgangsbahnhofs das große Streitthema. Die Frage, ob er ausreichend dimensioniert ist, um in den nächsten 100 Jahren den wachsenden Öffentlichen Nahverkehr abzuwickeln, ist die wichtigste überhaupt, denn Kostenexplosionen können bewältigt werden; ist der Bahnhof aber erst einmal unter die Erde verlegt, kann er kaum mehr erweitert werden.

Die Frage, ob Stuttgart 21 besser ist als der bestehende Kopfbahnhof, wurde vom Verwaltungsgerichtshof zugunsten der Tiefstation beantwortet. Grundlage dafür war ein Gutachten der Uni Stuttgart. In der Schlichtung waren aber Zweifel angemeldet worden, ob ein Bahnhof mit acht Gleisen, also halb so viele wie der Kopfbahnhof vorweist, eine höhere Leistungsfähigkeit haben kann, wenn man Engpässe im Zu- und Ablauf nicht unberücksichtigt lässt. Befürworter und Gegner verständigten sich auf einen Stresstest, in dem nachgewiesen werden sollte, dass 30 Prozent Leistungszuwachs gegenüber heute möglich seien.

Bahn bleibt bei ihren Aussagen zur Leistungsfähigkeit

Die Bahn und der Gutachter SMA wiesen eine "wirtschaftlich optimale" Betriebsqualität nach; Verspätungen würden im Mittel zwar nicht abgebaut, nähmen aber auch nicht zu. Der Bahnhof sei leistungsfähiger als der bestehende und für die Fahrgäste auch viel komfortabler. Der Stresstest sei bestanden, sagt die Bahn.

Nun hat eine Gruppe von Wissenschaftlern namens Wikireal.org die Kritik des Aktionsbündnisses gegen S 21 aus der Stresstestdebatte erneuert. Sie sagt, der Tiefbahnhof sei durch den Stresstest gefallen. In wirtschaftlich optimaler Qualität könnten nur etwa 32 Züge in der Spitzenstunde bewältigt werden, deutlich weniger als im Kopfbahnhof. Die Wissenschaftler sagen, die Bahn habe mit unzulässigen Prämissen gearbeitet. Die Bahn wiederum weist die Vorwürfe vehement zurück - und bleibt bei ihren Aussagen zur Leistungsfähigkeit.