Ein neues Amt mit mehr als 400 Mitarbeitern soll die Landeshauptstadt in ein neues IT-Zeitalter katapultieren. Jetzt steht auch der Amtsleiter dafür fest.

Stuttgart - Mit einer großen Zahl neuer Computer habe sich die Stuttgarter Stadtverwaltung in Coronazeiten von der Steinzeit direkt ins Mittelalter katapultiert, witzelt die Belegschaft auf den Rathausfluren. Mit dem neu gegründeten Amt für Digitalisierung, Organisation und IT, für das der Gemeinderat am Donnerstag den Leiter wählte, soll der restliche Weg in die Neuzeit nun in Lichtgeschwindigkeit bewältigt werden. Rund 400 Stellen zählt das neue Amt, deutlich mehr als 100 wurden allein in den letzten beiden Doppelhaushalten bewilligt, erst am Mittwoch stimmte der Verwaltungsausschuss dem Ausbau des Serverparks von 165 auf fast 300 zu.

Dirigent des neuen Amtes wird Thomas Bönig, der am Donnerstag 53 von 59 Stimmen im Gemeinderat erhielt. Der 60-Jährige kommt aus München, ist aber in Stuttgart aufgewachsen und will seine beiden Wohnsitze im Großraum Pforzheim und München auf einen reduzieren. Bönig ist Informatiker, arbeitete als Berater bei Versicherungen und Banken und acht Jahre als Abteilungsleiter IT bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder; seit 2018 führt er das Münchener IT-Referat.

Der Neue will den Nutzen für die Bürger erhöhen

Informationstechnologie sei sein Hobby, sagte Bönig. Digitalisierung sei nicht nur der Ausbau von Informationstechnologie, sondern auch eine Kulturfrage, sie müsse mit und für die Menschen stattfinden. Er wolle im Amt eine klare Serviceorientierung verankern und den Nutzen der Modernisierung für die Bürgerinnen und Bürger erhöhen. Für die Verwaltung müsse das Ziel lauten, nicht immer mehr, sondern effizienter zu arbeiten, um die Mitarbeiter zu entlasten. Die Stadt stelle sich mit dem neuen Amt einer großen Herausforderung. Wird beim Thema Digitalisierung immer alles klappen? Der neue Amtsleiter verfügt nicht über Zauberkräfte. Gegen diese Erwartung baut Bönig vor: „Wer nicht auch mal scheitert, der lernt nichts dazu.“