Stuttgart-Kaltental Noch kein Geld für Verlagern der Gleise

Von Götz Schultheiss 

Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) sanieren die Gleise vor der Polizeisiedlung in Stuttgart-Kaltental. Sie sollen bei der Ortssanierung Richtung Straßenmitte verlegt werden. Unklar ist aber noch, wer das bezahlen soll.

Noch bis Mitte Mai sanieren die SSB die Gleise zwischen den Haltestellen „Heslach-Vogelrain“ und „Waldeck“. Foto: Alexandra Kratz
Noch bis Mitte Mai sanieren die SSB die Gleise zwischen den Haltestellen „Heslach-Vogelrain“ und „Waldeck“. Foto: Alexandra Kratz

Kaltental - Mit der Ortssanierung wollen die Kaltentaler die Weichen für mehr Lebensqualität stellen. Zu den vielen Ideen, die Bürger in der Vergangenheit zu diesem Thema eingebracht hatten, gehört, dass die Stadtbahngleise vor der Polizeisiedlung an der Böblinger Straße in die Straßenmitte verlegt werden sollen, damit vor den Wohnhäusern mehr Raum zur Gestaltung frei wird als der schmale Fußgänger- und Zufahrtsweg. Nun sanieren die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) nächtens bis voraussichtlich Freitag, 17. Mai, vor der Siedlung die Gleise der Linie U 1. Deshalb steht die Frage im Raum, ob deren Verlagerung mit der Gleiserneuerung vom Tisch ist.

Gemeinderat hat kein Geld für Gleisverlegung eingeplant

„Auch ich bin wie die Kaltentaler von der Erneuerung der Schwellen und Gleise überrascht worden“, sagt der Bezirksvorsteher Raiko Grieb. Auf seine Nachfrage bei den SSB habe man ihm mitgeteilt, dass aus Sicherheitsgründen kein Aufschub der Arbeiten möglich gewesen sei. Auf die Pläne während der Sanierung angesprochen, hätten die SSB erklärt, dass die Verlagerung der Gleise hin zur Straßenmitte zu einem späteren Zeitpunkt „grundsätzlich möglich“ sei, es müsse dann aber geklärt werden, wer dies bezahle.

„Es muss deshalb rechtlich geprüft werden, ob wir dafür Sanierungsmittel verwenden dürfen. Sollte dies der Fall sein, dann müssen wir gemeinsam mit den Bürgern entscheiden, ob wir einen großen Teil der knappen Geldbeträge für die Ortssanierung in dieses Projekt stecken, oder ob wir an anderer Stelle tätig werden wollen“, sagt Raiko Grieb.

Altraut Schiller vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, welche die rund 15 Jahre dauernde Sanierung begleitet, kann die Frage nach der Geldquelle für die Gleisverlagerung momentan noch nicht beantworten. „Wir haben bei der Sanierung sowieso die Gleise an den beiden geplanten Kreisverkehren an den Ortsenden im Visier. In diesem Zusammenhang wird man klären, was sich im Bereich der Polizeisiedlung machen lässt. Wir haben das Thema auf dem Schirm“, sagt sie.

Was städtisches Geld für das Projekt anbelangt, sieht es düster aus. Grünes Licht vom Gemeinderat ist in diese Angelegenheit nicht in Sicht. „In den letzten Haushaltsberatungen ist dafür kein Geld zur Verfügung gestellt worden, obwohl das Thema auf der Tagesordnung gewesen ist,“ sagt Grieb. Es seien lediglich 80 000 Euro für eine bessere Sicherheit der Kinder an diesem belebten Straßenabschnitt genehmigt worden. „Der Bezirksbeirat hatte ja gesagt, dass der Gemeinderat über die Finanzierung entscheiden müsse, deshalb müssen wir jetzt hinnehmen, dass es so ist, wie es ist“, sagt der Bezirksvorsteher.

Gleise unter die Erde bringen: nur ein Hirngespinst?

Im Januar, sagt Grieb, habe er mit dem damaligen Technischen Vorstand und Vorstandssprecher der SSB, Wolfgang Arnold, vereinbart, dass ein Vertreter der SSB in den Bezirksbeirat Süd kommen solle. Dies sei im Frühsommer der Fall, der genaue Termin stehe noch nicht fest. Es gehe in dieser Sitzung auch um Kaltental, die Polizeisiedlung und die kommenden 80-Meter-Züge. Mit ihnen wollen die SSB ab 2023 die Kapazitäten auf der Linie U 1 von Fellbach zum Vaihinger Bahnhof verdoppeln. Dazu müssen einige Bahnsteige auf die erforderliche Länge gestreckt werden. Es gibt also auf der Bezirksbeiratssitzung viel zu besprechen. „Die SSB haben schon die gesammelten Anträge des Bezirksbeirats zu diesen Themen, damit sie dann dazu Stellung nehmen können“, sagt Grieb.

Sein Wunsch sei es auch, darüber nachzudenken, was in Zukunft mit der U 1 vom Marienplatz an in Richtung Vaihingen geschehen solle. Im Gespräch mit Wolfgang Arnold habe er gesagt, angesichts der städtebaulichen Potenziale solle man den Wunsch, das Gleis unter die Erde zu bekommen, nicht als Hirngespinst abtun. Wenn die 80-Meter-Züge kämen, dann sei der Bielplatz im Süden kein richtiger Platz mehr, sondern nur noch eine Haltestelle: „Wir werden eine Diskussion bekommen, was geschehen soll. Ich bin aber auch Realist genug, um zu wissen, dass es dann um viel Geld geht und dass dicke Bretter gebohrt werden müssen. Der Bezirksbeirat kann da für einiges den Anstoß geben, entscheiden müssen aber ganz andere Stellen“, sagt Grieb.

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