Stuttgart Mitte Demo Farbe bekennen im Zeichen der Demokratie

Von Carolin Heilig und Tilman Baur 

Farbe bekennen im Zeichen der Demokratie: Zum 68. Jahrestag des Grundgesetzes gab es einen Autokorso, eine bunte Mittagspause und einige ernste Worte.

Aktivisten brachten per Autokorso das Grundgesetz unter die Leute. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Aktivisten brachten per Autokorso das Grundgesetz unter die Leute. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

STUTTGART - Eine ungewöhnliche Ehrung wurde dem deutschen Grundgesetz am Dienstagabend zuteil: Knapp ein Dutzend mit weißen Malerkitteln verkleidete Aktivisten fuhren einen Autokorso durch die Innenstadt, schwenkten Fahnen und feierten das 68-Jahr-Jubiläum der deutschen Ver­fassung mit Parolen wie „Happy Birthday, Grundgesetz!“ oder „68 Jahre Grundgesetz – wie geil ist das denn?“, die sie durch ein Megafon skandierten. Obwohl sich nur drei Autos beteiligten, verfehlte das Hupkonzert seine Wirkung nicht. Die Reaktionen der Passanten fielen unterschiedlich aus – die einen schauten ­genervt oder irritiert, andere klatschten ­Beifall. Am Marktplatz ging es los, am Marienplatz und am Palast der Republik stiegen die Teilnehmer aus und verteilten Ausgaben des Grundgesetzes.

Die Idee für den Korso hatte Marcel Roth von der Initiative „Offene Gesellschaft“. Durch einen Autokorso könne man mit recht wenig Aufwand viel Aufmerksamkeit erregen, so Roth. Sein Ziel ist, das Grundgesetz aus der Mottenkiste zu holen. „Das Grundgesetz ist sexy“, findet er. Seit 68 Jahren garantiere es freiheitliche Bürgerrechte und ist die Grundlage für ein weitgehend friedliches Miteinander. „Wenn wir uns international umsehen, ist das keine Selbstverständlichkeit“, so Roth.

Die Verkündung des Grundgesetzes jährte sich am Dienstag zum 68. Mal. Daher lud die Diözese Rottenburg-Stuttgart landesweit in acht Städten zu einer öffentlichen Mittagspause ein. Am Schlossplatz traf man sich, es gab Vorträge und Diskussionen. Schließlich flogen Unmengen farbiger Karten in die Luft, bedruckt mit Artikeln des Grundgesetzes. Sie sollten Stuttgart bunter machen.

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