Stuttgart-Möhringen Säuberungsaktion im Riedsee

Von Thomas Krämer 

Der Angler-Verein Möhringen hat wie bereits mehrfach in diesem Jahr den Riedsee gesäubert. Das hilft den Fischen und anderen Lebewesen beim Überleben und erhöht den Spaß am Angeln.

Auch einige Jugendliche haben sich an der Säuberungsaktion beim Riedsee beteiligt Foto: Thomas Krämer
Auch einige Jugendliche haben sich an der Säuberungsaktion beim Riedsee beteiligt Foto: Thomas Krämer

Möhringen - Einen Einkaufswagen haben wir schon aus dem See geholt, einen Roller und auch einen Gullydeckel, jetzt war es ein Straßenschild“, erzählt Johannes vom Angler-Verein Möhringen. Der Regen der Nacht hat sich an diesem Samstagvormittag verzogen, der im Kalender des Vereins den Vermerk Arbeitseinsatz Riedsee hat. Also ideale Bedingungen für die Mitglieder des rund 45 Köpfe starken Vereins.

Rund einen Hektar ist das Gewässer am nördlichen Ortsrand von Möhringen groß, in dem eine Brauerei im Winter einst Eis produzierte. Der einzige natürlich Zufluss versiegt meistens im Sommer. Die Tiefe liegt bei knapp einem Meter, im Sommer auch mal nur bei 60 Zentimeter. „Durchlaufen würde ich trotzdem nicht, denn am Grund ist eine rund einen Meter mächtige Schlammschicht“, sagt Lars Kluiber. Und ergänzt, dass es schön wäre, wenn diese einmal beseitigt würde, so der Angler, der vor einem guten Jahr zum Verein gestoßen ist, weil seine Kinder ebenfalls fischen wollen.

Fischvielfalt im Riedsee

Und Fische, davon gibt es genug in dem Gewässer. Karpfen und Hechte, Schleien und Rotfedern, Rotaugen und Barsche schwimmen im See und gehen den Anglern natürlich auch an den Haken. Dazu kommen ab und an Tiere, die nicht in den Riedsee gehören. Schildkröten, Goldfische und auch mal ein Malawi-Buntbarsch. „Der See ist keine Abladestelle für nicht mehr benötigte Tiere“, appelliert Kluiber an die Vernunft der Menschen. Und noch etwas mögen die Angler und auch die Lebewesen im See nicht: dass die Tiere gefüttert werden. „Es gibt genug Nahrung“, sagt Kluiber. Auch für die Enten, die schon mal Brot bekommen, was allen das Leben schwer macht. Denn mit jedem Krümel kommen Nährstoffe von außen ins Gewässer, die von Mikroorganismen abgebaut werden. Und die brauchen dafür Sauerstoff, den sie aus dem Wasser holen. Zudem wird die Schlammschicht vergrößert, in der Parasiten und Bakterien beste Wachstumsbedingungen haben.

Sauerstoff – das ist ein wichtiges Stichwort. Denn so ziemlich jedes Lebewesen ist davon abhängig. Auch die Fische, die das im Wasser gelöste Gas mit den Kiemen aufnehmen. Und das kann in heißen Sommern wie den vergangenen ganz schön schwierig werden, wenn die Wassertemperatur wie im Riedsee auf 26 oder 27 Grad Celsius steigt und dadurch der Sauerstoffgehalt sinkt. Schon im vergangenen Jahr hat der Verein mit Unterstützung der Stadt Stuttgart Durchlüftungsanlagen eingesetzt, die Luft ins Wasser bringen und damit den Sauerstoffgehalt erhöhen. Diese wurden jedoch leider zerstört, weshalb die Möhringer in diesem Jahr auf eigene Rechnung zwei Belüfter eingesetzt und gute Erfahrungen damit gemacht haben.

Wachstum von Algen wird gehemmt

Damit haben es nicht nur die Fische und andere Lebewesen im Gewässer leichter, auch das Wachstum ungeliebter – auch giftiger – Algen wird dadurch gehemmt. Teichmuscheln, die vom Verein ausgesetzt wurden, helfen zudem dabei, das Wasser möglichst sauber zu halten. Und damit die Zahl der Fische nicht zu groß wird, gibt es immer wieder Hegefischen. „Damit halten wir den Bestand in Schach“, sagt Kluiber. Einen künstlichen Besatz habe es seit Jahren nicht mehr gegeben. „Wir setzen auf natürliche Verjüngung.“ Durch all diese Maßnahmen habe man schon länger kein größeres Fischsterben mehr erleben müssen. „Die Ursache für das Hechtsterben im vergangenen Jahr war ein Parasit“, sagt Kluiber.

Johannes und seine jugendlichen und erwachsenen Mitstreiter – insgesamt rund zwei Dutzend an diesem Vormittag – ziehen jedoch nicht nur solch spektakuläre Dinge wie Verkehrsschilder aus dem Wasser. Gang und Gebe sind Flaschen aus Plastik und Papier, Plastiktüten und anderer Zivilisationsmüll. Dazu auch Äste und Laubansammlungen von den Bäumen, die am Ufer stehen. Die Jugendlichen sind dazu gerne mit dem Boot unterwegs, Gewässerwart Patrick Prill stiefelt in Wathosen durch das seichte Wasser und stopft die Dinge, die nichts im Riedsee zu suchen haben, in einen großen Plastiksack.

Denn an einem sauberen See mit ordentlicher Wasserqualität macht es mehr Spaß, die Leine auszuwerfen. Gerne, wie Johannes und sein Kumpel Felix, am frühen Morgen, wenn alles noch ruhig ist und man eine tolle Morgenstimmung erleben kann. Und langweilig sei es überhaupt nicht, sagt er – „es gibt viel zu sehen an solch einem See“.

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