Stuttgart-Nord Staunen und die Natur entdecken

Von Susanne Müller-Baji 

Seit 25 Jahren gibt es die Ökostation der Volkshochschule am Wartberg. In dem Garten für Jedermann ist die Natur kostenlos.

Aljoscha ist einer der Gärtner von morgen und zum zweiten Mal mit seiner Mutter beim Mitmachgarten der Ökostation dabei. Foto: Müller-Baji
Aljoscha ist einer der Gärtner von morgen und zum zweiten Mal mit seiner Mutter beim Mitmachgarten der Ökostation dabei. Foto: Müller-Baji

S-Nord - Aljoscha gießt, sorgfältig, Pflänzchen um Pflänzchen. Zum zweiten Mal ist der Vierjährige mit seiner Mutter beim Mitmachgarten der Ökostation dabei – ein Angebot der Volkshochschule Stuttgart (Vhs), in man gemeinsam einen Garten bestellt, mit kleiner Streuobstwiese, vielen Beeten, Blumen und Kräutern. Mit Unterbrechungen freilich, weil auch schon zahlreiche Pfauenaugen und Zitronenfalter unterwegs sind und man immer wieder innehalten und gucken muss.

Das Erleben der Natur ist ein großes Geschenk

Ohne Staunen ist so ein Garten nur halb so schön, bestätigt Karin Haupt. Sie ist seit dem Jahr 2000 in der Ökostation tätig und seit 2009 ihre Leiterin. Das Erleben von Natur hält sie für eines der größten Geschenke, das man Kindern machen kann – oder sich selbst: „Ich bemerke bei vielen Menschen eine Sehnsucht nach draußen. Viele sitzen den ganzen Tag in ihren Büros und dann ist die Lust groß, raus zu gehen und mit den eigenen Händen etwas zu machen.“ Da nicht jeder über einen eigenen Garten verfügt, sind die Angebote der Ökostation eine gute Gelegenheit zu Naturbegegnungen, wobei auch das Gärtnern in netter Gesellschaft für viele ein Anreiz sei.

Die Vhs-Ökostation Wartberg ist 1993 zur Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) entstanden: Ihr Ökohaus ist noch heute ein Paradebeispiel für ökologisches Bauen, mit Holzskelettkonstruktion, Dachbegrünung, Gastherme, Komposttoilette und Naturfarben. Hinzu kommt ein Backhaus, das Gebäude der Umweltakademie, das gerne von Gruppen und Schulklassen genutzt wird, und natürlich der 4500 Quadratmeter große Lehr-, Lern- und Versuchsgarten. Kaum zu glauben, dass so eine Idylle unweit einer der Hauptverkehrsadern Stuttgarts gibt.

Es wird nach Herzenslust in der Erde gematscht

Karin Haupt führt über das Gelände, erklärt Wildbienenhotels und den Zaun aus Kopfweiden und kann nahezu jedes Kraut in der Kräuterspirale benennen. Sie ist sichtlich in ihrem Element. Was sind die aktuellen Renner im Angebot? „Den Lieblingsplatz im Garten selbst anlegen: Trockenmauern bauen und Gartenwege verlegen“, sagt sie sofort. „Da gibt es sogar eine Warteliste.“ Toll klingt auch das integrative Pfingstferienprogramm Ga-Ba-Ko, bei dem die Kinder ganztägig betreut werden, bei Wiesensafari, Wasserrallye und Co. die Natur erforschen und gemeinsam zu Mittag kochen. Und hier sind noch Plätze frei.

Gerade schult Dozentin Heike Jacob überdies Senioren für ihr Ehrenamt als Naturtrainer: Eben wird nach Herzenslust in der Erde gematscht – schon mal ein sehr kindgerechter Anfang. Die Teilnehmer werden danach in den Kitas der Region schon bei den Kleinsten das Interesse an der Natur wecken. Erfüllend ist das für beide Seiten, und viel wertvolles Wissen über das Gärtnern wird dabei auch weitergegeben.

Ihr 25-jähriges Bestehen feiert die Ökostation am 10. Juni mit einem Jubiläums-Aktionstag, der gleichzeitig der Artenvielfalt gewidmet ist. Eine vogelkundliche Führung gibt es dann, Groß und Klein unternehmen Expeditionen, es wird gebacken, gebastelt und vieles mehr. Alle Angebote sind ideal, um hinein zu schnuppern in das Abenteuer Natur. „Es kommt vor, dass wir Kindergärten zu Besuch haben und ein paar Tage später stehen die Kinder wieder da, mit Mama oder Papa an der Hand“, erzählt Karin Haupt. Und wer erst einmal den grünen Daumen hat, kommt ohnehin nicht mehr los: Man frage nur den kleinen Aljoscha.

Sonderthemen