In Stuttgart-Süd werden die Grundschulbezirke neu zugeschnitten. Auslöser ist ein stark angestiegenes Schüleraufkommen im bisherigen Sprengel der Marienschule. Das hat nun Auswirkungen auf drei weitere Grundschulen.
Auf welche Grundschule Eltern ihre Kinder schicken, kann für gewöhnlich nicht frei gewählt werden. Die Straße, in der man wohnt, und in vielen Fällen sogar die Hausnummer sind ausschlaggebend dafür, in welcher Schule Kinder eingeschult werden.
Die Grenzen dieser Schulbezirke werden aufgrund zahlreicher Kriterien gezogen: Entfernung zur Schule, soziale Durchmischung oder Raumkapazität der Schulen sind wichtige Faktoren, die beeinflussen, wo in der Stadt die Sprengelgrenzen verlaufen.
Letzteres ist vor allem in Bezug auf das potenzielle Schüleraufkommen von großer Bedeutung. Anders ausgedrückt: Die Grenzen müssen in jedem Fall stets so verlaufen, dass die Grundschulen alle Erstklässler aus ihrem Bezirk auch tatsächlich aufnehmen können.
Baulich erweitern lässt sich die Marienschule nicht
Im Bereich der Marienschule in der Römerstraße ist genau das aktuell nicht mehr der Fall, wie das städtische Schulverwaltungsamt und das Staatliche Schulamt vergangene Woche vor dem Bezirksbeirat Süd erklärten. Birgit Popp-Kreckel vom Staatlichen Schulamt Stuttgart betont, dass inzwischen rechnerisch zwölf bis 15 Familien zu viel im Schulbezirk der Marienschule leben. Die Daten hierfür liefert das Statistische Amt. Als einen der Gründe für die Zunahme des Schüleraufkommens nennt das städtische Schulamt „die hohe Anzahl an Geflüchteten“ im betreffenden Schulsprengel.
Baulich erweitern lässt sich die Marienschule auf dem bestehenden Grundstück indes nicht, sagt Marcela Antunes vom städtischen Schulamt. Umgekehrt könnte die Lerchenrain-Grundschule in Stuttgart-Süd noch mehr Schüler aufnehmen als bisher und seine Zügigkeit erweitern. Die Lerchenrainschule war früher eine Grund- und Werkrealschule und verfügt über freie Raumkapazitäten.
Die Krux: Die Bezirksgrenzen lassen sich nicht einfach so verschieben, dass das potenzielle Schüleraufkommen allein zwischen dem Sprengel der Marienschule und dem der Lerchenrainschule ausbalanciert werden kann. Gründe sind hierfür zum Beispiel die Topografie im Kessel, zu große Schulwegdistanzen oder auch soziale Aspekte.
Bei Geschwisterkindern werde man genauer hinsehen
In die Rochade einbezogen werden deshalb, so die Behörden, auch die Wilhelm-Hauff-Schule in der Hohentwielstraße sowie die Jakobschule im Stadtbezirk Mitte. So besuchen künftig zum Beispiel Schulanfänger aus dem Bereich der Karlshöhe, die bisher der Marienschule zugeordnet waren, ab dem Schuljahr 2025/2026 die Wilhelm-Hauff-Schule. Im Gegenzug wird es Verschiebung von der Wilhelm-Hauff-Schule zur Lerchenrainschule geben. „Für eine möglichst ausgewogene soziale Durchmischung wird die Böblinger Straße zwischen der Lerchenrainschule und der Wilhelm-Hauff-Schule aufgeteilt“, so Antunes.
Ziel der Maßnahme sei die Anpassung der Schulsprengel an die Raumkapazitäten der jeweiligen Schulen. Birgit Popp-Kreckel betont, dass mögliche Einzelfälle wie Geschwisterkinder „ganz genau in den Blick genommen werden“. Hier könnte es also künftig Ausnahmen geben und vom neuen Zuschnitt wieder abgewichen werden.