Stuttgart-Vaihingen Das Handy findet den besten Weg zur Arbeit

Von Götz Schultheiss 

Die Attraktivität der Region Stuttgart ist ihre Achilles-Ferse. Denn wegen der vielen Staus und der Lebenszeit, die eine wachsende Zahl an Pendlern auf der Straße verbringen, verlieren die Firmen fähige Mitarbeiter. Nun gibt es eine Idee.

Der Schienenweg zum Arbeitsplatz kann die bessere Alternative zum Stau auf der Straße sein. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Der Schienenweg zum Arbeitsplatz kann die bessere Alternative zum Stau auf der Straße sein. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Filder - Das Thema Verkehr im Synergiepark und drumrum wird die Region noch jahrelang beschäftigen. Rund 40 000 Menschen werden dort in circa vier Jahren arbeiten; hinzu kommen die Beschäftigten auf dem Step-Areal, in der Flughafen-City, die sich zu einer Verkehrsdrehscheibe entwickelt, und auf dem Uni-Campus. Der Grund: Auf diesem Raum sind Unternehmen vertreten, die zu den namhaftesten Deutschlands gehören. Weil Wohnungen in Stuttgart rar sind, sind die Mieten für viele junge Mitarbeiter zu hoch. Deshalb suchen sie sich Wohnungen in der Region und sogar außerhalb. Dies wiederum erzeugt wachsende Pendlerströme.

Die Attraktivität der Region Stuttgart ist auch ihre Achilles-Ferse, denn wegen der vielen Staus und der Lebenszeit, die die Menschen auf der Straße verbringen, verlieren die Firmen gute Kräfte. Um das zu verhindern, haben sich Unternehmen im Synergiepark zusammengetan, um ein Verkehrskonzept zu entwickeln.

Deutlich über 50 Prozent fahren mit dem Auto zur Arbeit

Eine Pendleranalyse liegt jetzt von den Firmen Lapp, KWV und Trelleborg vor. Die anderen haben sich das angesehen, und sie wollen im neuen Jahr ebenfalls solche Analysen machen. Aus der Auswertung derer, die sich bisher beteiligt haben, geht hervor, dass deutlich mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter mit dem Auto kommen und weit über 50 oder 60 Kilometer allein auf einfachem Weg zurücklegen“, sagt Günter Sabow, Vorsitzender der Wirtschafts- und Industrievereinigung Stuttgart (WIV).

Damit mehr Mitarbeiter als bisher den öffentlichen Nahverkehr nutzen, soll es künftig eine App fürs Handy geben, die den Mitarbeitern die beste Möglichkeit zeigt, mit Bus und Bahn zur Arbeit zu kommen. „Wer den ÖPNV nutzen will, der muss erst einmal zum Park-and-Ride-Parkplatz, wo die Parkplätze oft schon belegt sind. Die App soll zeigen, wie viele freie Parkplätze es im nächsten an der Fahrtstrecke gelegenen Park-and-Ride-Parkhaus gibt“, sagt Sabow.

Das Ziel: Der Umstieg auf Bus und Bahn

Außerdem soll die App Auskunft geben, wie sich die verschiedenen Verkehrsmittel unterwegs am besten kombinieren lassen; sie soll in Echtzeit über Staus informieren und die Möglichkeit bieten, sein Ticket oder die Tickets online zu buchen und zu zahlen. Zudem seien Fahrgemeinschaften geplant, sagt Sabow. Die Organisation werde aber noch Zeit in Anspruch nehmen. „Man braucht ein großes Volumen an Anbietern und ebenfalls ein großes Volumen an Nutzern.“ Ungeklärt sei noch, wie die Fahrgäste versichert sind. Die Berufsgenossenschaft decke den direkten Weg zur Arbeit, wie sieht es aber mit einem Umweg aus? Ein weiteres Problem: Viele haben Dienstwagen. Dies verbietet aber Nebeneinnahmen. Wenn diese Probleme gelöst seien, dann kämen die Angebote der Fahrgemeinschaften ebenfalls auf die App. „Move BW soll sie im Januar oder Februar liefern“, sagt Günter Sabow. Damit der öffentliche Nahverkehr für die Mitarbeiter attraktiver werde, sollten noch mehr Firmen als bisher Job-Tickets anbieten. Erklärtes Ziel sei es, dass 30 bis 35 Prozent der Pendler den ÖPNV nutzen.

In Gremien mit den Chefs der Automobilkonzerne, dem Verkehrs- oder dem Innenminister, sagt Sabow, werde gerne darüber geredet, wie der Verkehr 2050 aussehe. Was aber in den kommenden Jahren passiere, das werde verdrängt. „Für 2030 haben wir die Prognose von 15 Prozent mehr Auto- und 30 Prozent mehr Lastwagenverkehr. In dieser Situation bringt es nichts, wenn man Visionen hinterherjagt. Man braucht pragmatische Lösungen.“ Jüngst sei es der WIV gelungen, über den Synergiepark hinaus Kooperationen für ein Verkehrskonzept einzufädeln. „Es war ein Vertreter von Step da, Vorstände der Industrie- und Wirtschaftsvereinigung Leinfelden-Echterdingen, und auch der Flughafen ist ein verlässlicher Partner.“

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