Der Knackpunkt sind die Kosten: Dellnitz will von der Stadt 9,5 Millionen Euro, um das Gebäude des früheren Modehauses Breitling aufzufrischen. Neue Fassade, neues Innenleben mit Gastronomie im EG und Dachterrasse, so wäre das heute mit dunklem Metall verkleidete Haus an zentraler Stelle nicht wiederzuerkennen.
Übernachtungszahlen sind eingebrochen
Stuttgart-, Regio-Tourismus- und Tourismus-Marketing Baden-Württemberg sollen auf 2500 Quadratmeter unter ein Dach, der Mietvertrag liefe 20 Jahre, der heutige i-Punkt gegenüber dem Bahnhof solle stark verkleinert erhalten bleiben, so Armin Dellnitz, der im zentralen Standort die Zukunft sieht. Andere große Städte hätten diese Schwerpunktsetzung schon vollzogen.
Die Übernachtungszahlen sind 2020 durch die Coronakrise auch in Stuttgart eingebrochen, von 4 086 683 (2019) auf 2 045 201. Man werde „dauerhaft 20 Prozent der Geschäftsreisenden verlieren“, so Stuttgarts oberster Werber, daher will er im Freizeittourismus Gas geben. „Wenn man jetzt nicht zuschlägt an diesem Standort, wann dann?“, so Dellnitz.
Genaue Daten zur Wirtschaftlichkeit fehlen
Investition und Umzug seien „auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten attraktiv“, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat, man spare Personalressourcen und große Präsentationsflächen ein. Am Ende, so Dellnitz, lägen die Kosten nicht höher als das, was man jetzt in zwei Gebäuden zahle. Genaue Daten liefert die Stadt auch auf schriftliche Anfrage unserer Zeitung dazu nicht, die Miethöhen unterlägen der Verschwiegenheitspflicht. Klar ist: Verteilt man die Investitionssumme auf 20 Jahre, ergibt sich allein daraus rechnerisch eine zusätzliche Miete von 15,80 Euro pro Quadratmeter. Die Durchschnittsmiete in der City lag 2019 laut den Experten von Ellwanger und Geiger bei 20,40 Euro.
Nicole Porsch, CDU, nannte die Aussagen zur Wirtschaftlichkeit „erschütternd, schließlich investieren wir 9,5 Millionen Euro“. Die CDU sähe den großen Aufschlag außerdem lieber am Bahnhof. Thomas Adler von der Linksfraktion kritisierte wie Thorsten Puttenat (Puls) die vorgebliche Alternativlosigkeit. Der Bedarf für ein Haus der Kulturen sei bekannt, so Adler, „wird aber nicht debattiert“. Er habe große Zweifel, ob es richtig sei, das Haus „monothematisch“ zu füllen, so Puttenat, der die geplante Abstimmung zusammen mit anderen Fraktionen vertagte. Man brauche einen „Frequenzbringer“ am Marktplatz, so Bürgermeister Peter Pätzold (Grüne). Für das Haus der Kulturen seien 6500 Quadratmeter gemeldet, das Breitling-Gebäude sei dafür zu klein.
Die Mehrheit für den Umzug steht
Bei der Abstimmung, die nun am 25. Februar ansteht, wäre Dellnitz eine Mehrheit sicher. Grüne, SPD, FDP, Freie Wähler und AfD (36 von 60 Stimmen) wollen das Haus des Tourismus am Marktplatz. Andreas Winter (Grüne) nannte die Idee „bestechend, eine Win-win-Situation“, Eric Neumann und Konrad Zaiß (FDP, FW) forderten eine schnelle Entscheidung, Lucia Schanbacher (SPD) bezeichnete die 9,5 Millionen bei einer Verlängerung des Mietvertrags auf 30 Jahre als „nicht so viel“, und Christian Köhler (AfD) lobt die Planung als „Glanzlicht der Selbstdarstellung in einer Zeit sich leerender Innenstädte“. Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) sprach von einem „sinnvollen Investitionszuschuss“. Der Zeitplan von Dellnitz sieht den Baustart Mitte 2022 und die Eröffnung zur Ferienzeit im August 2023 vor.