Vor wenigen Tagen hat Donald Trump, der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat, bei einem Wahlkampfauftritt von einem „Blutbad“ für sein Land gesprochen, falls er am 5. November nicht gewählt werden würde. Die Aussage sorgte für Aufregung und erinnerte manchen Leser an die Stürmung des Kapitols nach der US-Wahl 2020, bei der es Tote gab.
Etlichen Lesern gefällt Mörseburgs Aussage
Der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Maximilian Mörseburg hat am Montag den Begriff in der Manier von Trump aufgegriffen. Der Christdemokrat schrieb auf X (zuvor Twitter): „In Deutschland gibt es ein Blutbad, wenn die Ampelregierung nicht demnächst durch eine wirtschaftskompetente Regierung abgelöst wird.“ Mörseburg, der nach eigener Aussage bis zu mehrmals pro Tag einen Tweet absetzt, löschte die Nachricht nach etwa zwei Stunden, sammelt bis dahin aber etliche Likes ein.
Ein Blutbad ist ein Gemetzel oder eine Gräueltat, eine laut Duden „blutige Auseinandersetzung zwischen feindlichen Gruppen, bei der eine größere Anzahl von (unschuldigen oder wehrlosen) Menschen getötet wird“. So aber will Mörseburg (32) seinen Tweet nicht verstanden wissen. Er wolle sich nicht mit Donald Trump gemeinmachen, sagt der gelernte Rechtsanwalt. „Wenn wir aber jede Metapher schlechtestmöglich interpretieren, geht das nicht“, so Mörseburg. Man solle zuerst an die wohlgesonnene Interpretation denken. Die ist so zu verstehen, dass Trump beim „Blutbad“ die amerikanische und chinesische Autoindustrie gemeint habe. Also eine Branche, die sich, ausgelöst durch mögliche chinesische Autoimporte aus Mexiko, bald in einer heftigen wirtschaftlichen Auseinandersetzung befinden könnte.
Keine Legitimation für politische Gewalt
Trumps Aussage sei in den USA als „wirtschaftlicher Crash“ interpretiert worden, in Deutschland hingegen sei medial eine „unnötige Empörungswelle über ein Wort“ hochgeschwappt. Im deutschsprachigen Raum sei Trumps Aussage „skandalisiert worden“, sagt der Abgeordnete, der im Bundestag für die CDU als Obmann für Kultur und Medien sowie Arbeit und Soziales agiert. Er habe sich darüber geärgert und deshalb seinen Tweet abgesetzt. „Blutbad“ beschreibe im wirtschaftlichen Kontext einen „totalen Crash mit Massenentlassungen“, schob Mörseburg auf X nach. Soweit seine Voraussage für die Wirkung der Ampelregierung, soweit die wohlgesonnene Interpretation.
Weil einige den Begriff aber „wortwörtlich als Legitimation von politischer Gewalt interpretiert“ hätten, habe er den Tweet gelöscht. „Sarkasmus und Ironie kommen auf Twitter wahrscheinlich nicht gut, da muss ich in Zukunft sicher einige Grundregeln beachten“, so Mörseburgs Fazit.