Der stellvertretende Bezirksvorsteher Mitte, Ralph Schelle, wirft der Machbarkeitsstudie zum Erhalt des Züblin-Parkhauses vor, „hochgradig unseriös“ zu sein.

Lokales: Martin Haar (mh)

Eigentlich sollte die Sache vom Tisch sein. Der Bezirksbeirat Mitte hatte sich parteiübergreifend gegen einen Erhalt des Züblin-Parkhauses ausgesprochen. Das Votum lautete nach mehrstündiger Diskussion: Auf dem Gelände sollen ein kleinteiliger Neubau sowie eine ökologische Wärmeversorgung für das ganze Quartier realisiert werden.

Und dennoch treibt Ralph Schelle, den Stellvertreter von Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle, das Thema weiter um. Denn er weiß, dass Mitglieder des Gemeinderats sich bereits für den Umbau des Züblin-Parkhauses ausgesprochen hatten. Daher schlägt er Alarm und warnt vor „Unstimmigkeiten in der Machbarkeitsstudie“. Denn sie empfiehlt die Sanierung im Bestand.

Falsche Zahlen

Die Meinungsfindung der Stadträte „geschah auf der Basis einer Machbarkeitsstudie, in der aus mir nicht bekannten Gründen nicht korrekte Zahlen genannt wurden“, sagt Schelle: „Hochgradig unseriös ist, dass diese Machbarkeitsstudie auch zur Neubau-Variante einen Kohlendioxidausstoß sowie Kosten nennt.“ Eine solche Prognose sei jedoch nicht durchführbar, da vom Neubau zum jetzigen Zeitpunkt weder dessen Volumen noch die Bauart, noch verwendete Baumaterialien, noch die Anlagentechnik bekannt seien. „Würden bei einem nicht zu übergroßen Neubau entsprechende Materialien und Techniken verwendet, und bilanziert man die gesamte Lebensdauer des Gebäudes, dann ist dessen CO2-Bilanz gegenüber der Sanierungsvariante deutlich günstiger.“ Mehr noch: Ein schlagendes Argument für den Neubau sei in der Meinungsbildung völlig untergegangen, so Schelle: „Würde neu gebaut werden, könnten technische Heizanlagen das gesamte Quartier Leonhardsviertel zu 100 Prozent ökologisch mit Wärme versorgen.“ Die entsprechenden Pläne sind Teilen des Gemeinderates, dem Amt für Stadtplanung und dem Bezirksbeirat Mitte ausführlich vorgestellt worden. Letzterer forderte daraufhin einstimmig die Umsetzung dieser ökologischen Versorgungsvariante. „Im Kontext der Klimawandelproblematik wie auch aufgrund nicht gesicherter Gaslieferungen sollten solcherlei CO2-freie Wärmeversorgungen umgesetzt werden“, fordert Schelle. Die Erstellung einer solchen Wärmeversorgungsanlage, die im Untergeschoß platziert wird, sei für die „Innenstadt eine Jahrhundertchance, die wir wahrnehmen sollten“.

Abstoßender Riegel

Ganz unabhängig davon bleibt für Schelle das Problem der Stadtentwicklung. „Das bestehende Parkhaus ist ein optisch abstoßender übergroßer Riegel, der unauflöslich Quartiere voneinander trennt“, sagt der stellvertretende Bezirksvorsteher, „die Sanierungsvariante, und dies wird aus der Machbarkeitsstudie erst bei näherer Betrachtung deutlich, erweitert den jetzigen Riegel; dieser wird tiefer, deutlich breiter und teilweise höher.“