Stuttgarter Gastronomie Die kulinarische Eroberung des Killesbergs

Von ivo 

Bisher war der Stuttgarter Killesberg gastronomisches Brachland, behaupten Spötter. Anfang April eröffnet das Restaurant „Scholz am Park“ samt Eisdiele und Blumenladen.

  Foto: factum/Granville
  Foto: factum/Granville

Stuttgart - Bisher war der Stuttgarter Killesberg gastronomisches Brachland. Das behaupten zumindest Spötter. Bis auf ein Sternerestaurant und ein paar ambitionierte Vereinsheime konnte man auf Stuttgarts emotional aufgeladenem Hügel zwar astrein wohnen, aber weniger gut tafeln. Das soll sich Anfang April ändern. Dann eröffnen Stephanie Benzing, Gregor Scholz und Paul Schwenk das Restaurant „Scholz am Park“, die Eisdiele Schloz und gewissermaßen zum floralen Nachtisch das Scholz Blumen.

Ortstermin auf der Baustelle: Zahlreiche fleißige Handwerker feilen, bohren und putzen. „Welche DIN-Norm haben die Handseifen?“, fragt eine Mitarbeiterin, während in der offenen, durch Glasquader in Szene gesetzten Küche schon mal Probe gekocht wird. „Herzstück unseres Restaurants ist die Flammenwand, der offene Grill, an dem Fleisch, Fisch, Geflügel und Gemüse zubereitet wird“, erklärt Gregor Scholz. Scholz ist Architekt, hat unter anderem die Speisemeisterei von Sternekoch Frank Oehler gestaltet und konnte sich in seiner eigenen Baustelle am Eingang des Killesbergparks nun nach Herzenslust austoben. An die offene Küche schließt eine offene Bar an. Der Gastraum ist mit 200 Quadratmetern nicht nur groß, sondern vor allem hoch. Von der Decke grüßt roher Beton, der durch viel helles Holz und grüne Polstermöbel im Gastraum gebrochen wird. Architekt Scholz kann das Raumkonzept in viel schönere Worte fassen: „Die Gestaltung wird von oben nach unten komplexer. Wir wollen hier in Stuttgarts erster Rotisserie die Alltäglichkeit einer französischen Brasserie in einer Grundgroßstadtkompatibilität umsetzen.“

Pionierarbeit am Marktplatz

Der 42-jährige Scholz übersetzt die Baustellenführung in geschliffenes Wort, Stephanie Benzing ergänzt punktuell Wissenswertes, während Paul Schwenk sich eher zurückhält. Schwenk ist Geschäftsführer von Schloss Haigerloch im Zollernalbkreis, verantwortet dort unter anderem ein gehobenes A-la-Carte-Restaurant und sitzt im Aufsichtsrat der Theben AG, die sein Großvater einst in Stuttgart gründete.

Auf dem Killesberg komplettiert er das Scholz-Führungsteam, das zuvor am Marktplatz Pionierarbeit geleistet hat. Man muss das schicke Scholz-Publikum nicht mögen. Man muss den Machern aber attestieren, das sie zum einen den Stuttgarter Marktplatz mit ihrer Gastronomie aus dem Dornröschenschlaf geweckt haben. Zum andern muss man neidlos anerkennen, dass das Scholz eine „eierlegende Wollmilchsau“ im besten Sinne ist – vom vielleicht besten Frühstück in Stuttgart bis zum qualitativ hochwertigen Trinken nach Feierabend kann man im Scholz am Markt einen ganzen Urlaubstag gastronomisch mehr als unfallfrei herumbringen.

Der Ausgeher muss das Stammgebiet in der City verlassen

Für die Gastronomie im neuen Stadtteilzentrum auf dem Killesberg waren sie die Wunschbesetzung. Der in Stuttgart nicht unumstrittene österreichische Investor Franz Fürst erholte sich im Café Scholz am Marktplatz von seinen Gesprächen im Rathaus über die Neugestaltung des Lieblingsbergs der Stuttgarter Hautevolee. „Er hat uns gescreent und uns dann angesprochen, ob wir uns vorstellen könnten, in der Killesberghöhe eine Dependance zu eröffnen“, erzählt Stephanie Benzing.

Das Scholz am Park ist nun viel mehr als ein bloßer Ableger und ein gewagtes Unternehmen. Um das Restaurant mit seinen rund 140 Außenplätzen, die Eismanufaktur Schloz und den Blumenladen wirtschaftlich betreiben zu können, müssen Benzing, Scholz und Schwenk den in Sachen Ausgehen eher gemütlich veranlagten Stuttgarter dazu bewegen, das angestammte Jagdgebiet Innenstadt zu verlassen. Dazu sollten Ausflügler und Anwohner zahlreich pilgern und die Firmen am Pragsattel den Mittagstisch entdecken.

Den Gerüchten, dass das Scholz auf dem Killesberg das Ende des Scholz am Marktplatz bedeute, widerspricht Stephanie Benzing. „Wir haben in der Innenstadt noch einen Mietvertrag bis 2018 und würden den sogar gerne verlängern.“ Im Oktober feiert das Stammhaus Zehnjähriges.