Stuttgarter Gemeinderat Enttäuschung beim Rat der Religionen

Susanne Jakubowski, Koordinatorin des Rats der Religionen, am Tag der Religionen im Oktober im Stuttgarter Rathaus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Nichts wird es mit einem festen Ansprechpartner bei der Stadt für die Anliegen des Rats der Religionen. Eine Mehrheit der Stadträte sieht dafür keine Notwendigkeit.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Abfuhr für den Rat der Religionen: Der 2015 gegründete lose Zusammenschluss von aktuell 21 Religionsgemeinschaften in Stuttgart erhält keine institutionelle Verankerung im Stuttgarter Rathaus. Freie Wähler und die CDU, die sich bei den Haushaltsberatungen für das Anliegen des Rats der Religionen eingesetzt hatten, dafür 1,5 Stellen bei der Stadt zu schaffen, standen am Ende alleine da; ein entsprechender Antrag der Freien Wähler fand im Gemeinderat auch in dritter Lesung keine Mehrheit.

 

Der Rat der Religionen vermisst seit Längerem einen hauptamtlichen Ansprechpartner bei der Stadt für seine vielfältigen Anliegen. Er hoffte auf eine Vollzeitstelle sowie auf eine halbe Sekretariatsstelle. Ordnungsbürgermeister Clemens Maier sei als Religionsbeauftragter der Stadt zwar Verbindungsperson. Ihm fehle jedoch jeglicher personeller und sachlicher Unterbau, hatten die Freien Wähler im Sinne des Rats der Religionen argumentiert. Die Kosten für die Stellen bezifferten die Freien Wähler auf 100 000 bis 150 000 Euro – „je nach konkreter Ausgestaltung“.

CDU: Interreligiöser Dialog ist wichtiger denn je

Der CDU-Fraktionschef Alexander Kotz begründete seine Unterstützung für den Antrag damit, „dass es leider nötiger denn je sei, einen noch besseren Dialog der Religionen in unserer Stadt zu führen, um gesellschaftlichen Streit oder gar Gewalt mit religiösem Hintergrund, wo immer es geht zu vermeiden“. Das sehen die übrigen Fraktionen anders. Als einzige hatte die AfD ihr Nein öffentlich begründet. „Es ist keinesfalls eine kommunale Aufgabe, für interreligiösen Dialog zu sorgen“ , erklärte deren Fraktionschef Christian Köhler.

Susanne Jakubowski von der jüdischen Gemeinde, die aktuell auch Koordinatorin des Rats der Religionen ist, zeigte sich von der Entscheidung „sehr enttäuscht“. Bei der Anhörung habe sie noch ganz andere Signale erhalten, sagte sie unserer Redaktion. „Das ist eine verpasste Chance.“

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