Stuttgarter Kickers in der Regionalliga Wie viel Luft nach oben haben die Blauen in Sachen Professionalität?

Stürmer David Braig fällt wegen eines Muskelfaserrisses in der Oberschenkel-Rückseite derzeit aus. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Anders als noch in der Oberliga müssen die Stuttgarter Kickers in der Regionalliga von der ersten bis zur letzten Minute am Anschlag spielen. Tragen Spieler und Verein der gestiegenen Intensität Rechnung? Sind die athletische und medizinische Abteilung professionell genug?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Der 7:0-Kantersieg gegen Mitaufsteiger TuS Koblenz war die Ausnahme, die die Regel bestätigt: Die Stuttgarter Kickers erleben in der Fußball-Regionalliga deutlich intensivere Spiele als noch in der Oberliga. Eine Klasse tiefer konnten die Blauen schon mal nach einer Stunde Spielzeit ein, zwei Gänge runterschalten, ohne dass die drei Punkte in Gefahr gerieten. „Jetzt aber müssen wir in jedem Spiel von der ersten bis zur letzten Sekunde am Anschlag sein, immer alles reinwerfen, was wir haben“, sagt Trainer Mustafa Ünal vor dem Auswärtsspiel am kommenden Samstag (14 Uhr) bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz.

 

Der weitaus höheren Belastung trägt der Coach Rechnung, indem er immer wieder Spieler aus Trainingseinheiten rausnimmt, ihnen mehr Zeit zur Regeneration einräumt. „Einige meiner Spieler haben noch nicht auf diesem Level gespielt, für sie ist diese Intensität neu“, sagt Ünal, der kein Freund davon ist, bei den Regionalligaspielen großartig die Rotationsmaschine anzuwerfen.

Eigenverantwortliches Handeln

Zur Weiterentwicklung jedes Einzelnen zählt auch, eigenverantwortlich zu handeln und sich zu pflegen. Zu dieser professionellen Einstellung gehören genügend Schlaf, gesunde Ernährung und die aktive Erholung, die eine oder andere Zusatzschicht im Kraftraum, ausgiebiges Stretching oder Stabilitätsübungen. Ünal sieht diesbezüglich bei seinen Schützlingen keinerlei Defizite: „Jeder bemüht sich, den nächsten Schritt zu machen. Keiner gibt sich zufrieden.“ Die bisherigen Spiele sieht er dafür als Bestätigung: „Wir haben es auch an einem nicht so guten Tag ordentlich gemacht. Keiner hat uns bisher hergespielt. Keiner hat uns den Schneid abgekauft.“

Bleibt die Frage: Wie viel Luft nach oben gibt es im athletischen und medizinischen Bereich? Klar ist, dass präventives Arbeiten und Nachbehandlungen der Spieler mit steigender Intensität immer wichtiger werden. Derzeit kümmern sich ein Physiotherapeut (Konstantin Konstantinidis) und ein Athletiktrainer (Silas Buth) um die nicht fußballspezifischen Dinge in dem 29 Mann umfassenden Kader. „Wir sind mit den Bedingungen zufrieden. Aber natürlich wollen sich alle im Verein sukzessive weiterentwickeln. Das ist ein Prozess und geht nicht von heute auf morgen“, sagt Ünal.

Stein setzt auf individuelle Betreuung

Sportdirektor Marc Stein sieht die Blauen – auch in Relation zu den finanziellen Möglichkeiten – inzwischen sehr gut aufgestellt, wobei er selbst versucht, die Professionalisierung Schritt für Schritt voranzutreiben: „Anfangs war ein Physio zwei Stunden pro Tag da, jetzt steht die Stelle in Vollzeit zur Verfügung“, nennt Stein ein Beispiel.

Auch der ehemalige Profi hält die Eigenverantwortung der Spieler für elementar wichtig: „Wir werden auf die Spieler aber auch intensiver und individueller eingehen, um sie immer wieder zu verbessern.“ Stein weiter: „Unsere Bedingungen wollen wir optimal nutzen und den Spielern alles mit an die Hand geben, was sie benötigen, um sich zu entwickeln.“ Das könne bei einem die Grundlagenausdauer sein, beim anderen die Schnelligkeit.

Stippel mit Bedingungen zufrieden

Auch Norbert Stippel, der Sportliche Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), kann mit den Gegebenheiten in Degerloch prima leben: „Natürlich sind NLZs der Bundesligisten ganz anders ausgestattet. Da bekommt man große Augen, wenn man die hochwertigen Gebäude sieht, in denen zum Beispiel 30 Fahrräder stehen, aber für Regionalligaverhältnisse sind wir wirklich gut aufgestellt.“

Grundsätzlich habe das Athletiktraining in den Zentren der Erstligisten in den vergangenen Jahren an Professionalität enorm zugenommen: „Früher hat man als Oberligist gegen die U19 des VfB gewonnen, weil die A-Junioren nur spielerisch geglänzt haben“, sagt Stippel, „heute schlagen wir mit der U19 der Kickers einen Verbandsligisten, weil die Jugendspieler den Körper von Männern haben.“

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