Stuttgarter OB-Wahl Kinderfreundlicher Alltag

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Sie haben vor Jahren bei Wolfgang Schuster das Projekt „Kinderfreundliche Stadt“ angeregt. Sie selbst sind Vater von zwei Kindern – wie kinderfreundlich ist Ihr eigener Alltag?
Vor dem Wahlkampf war ich ein besserer Vater. Im Augenblick geht es von frühmorgens bis in die Nacht, fast so stramm wie während meiner Existenzgründerphase in Dresden. Fünf Stunden Schlaf, und der Rest war Arbeit. Das muss nach der Wahl wieder vernünftiger werden.

Wenn man Geschichten über Sie liest, fällt auf, dass Ihre Familie eine Leerstelle ist, kaum erwähnt wird. Ihr Sohn ist . . .
. . . ein prima Junge, aber ich möchte meine Familie komplett aus dem Wahlkampf heraushalten. Ich sage öffentlich, dass ich eine Tochter im Kindergarten- und einen Sohn im Schulalter habe. Damit können das die Menschen einordnen. Ansonsten bitte ich um Nachsicht, dass ich die Belastung durch meine Kandidatur für meine Familie so gering wie möglich halten will.

Uns geht es nicht um delikate Familieninterna. Die Wähler wollen nur wissen, mit welchem Menschen sie es zu tun haben. Was reizt Sie an der Politik?
Mich reizen Inhalte und Aufgaben – und nicht die Amtskette oder das Dienstauto.

Aber kann man mit den Leuten auf dem Marktplatz wirklich ins Gespräch kommen, wenn man als Mensch so unsichtbar bleibt, wie Sie das wollen?
Ich bin sehr sichtbar, aber die Kinder sind es nicht. Als Wahlkämpfer und Vater sind Sie in einem Zwiespalt. Je mehr Sie sich mit Ihren Kindern darstellen, umso sympathischer erscheinen Sie, aber umso weniger rücksichtsvoll sind Sie gegenüber den eigenen Kindern. Ich kenne das selbst aus der Kindersicht – mein Vater war parteiloses Kabinettsmitglied. Meine Brüder und ich fanden es gut, ganz normal aufzuwachsen. So soll das auch bei meinen eigenen Kindern sein. Mir selbst hat noch niemand zu wenig Sichtbarkeit oder Nähe vorgeworfen.

Wir hatten in Stuttgart zuletzt Manfred Rommel, dann Wolfgang Schuster – welcher Typus eines Oberbürgermeisters wären Sie?
Gerne Wolfgang Rommel, also so ergebnisorientiert wie Schuster und so menschlich wie Rommel. Und ich wäre gerne derjenige, der mit neuen Lösungen versucht, Probleme zu vermeiden, bevor sie überhaupt auftreten.

Also so etwas wie ein Arzt, der in der Prävention tätig ist.
Das ist eine passende Beschreibung meines Ansatzes.

Mit dem gewinnen Sie nicht die Herzen der Menschen.
Lesen Sie mal einen Arztroman! Und oberhalb vom Herzen ist der Kopf. Die Leute bilden sich von den Kandidaten  eine ganzheitliche Meinung: Kann der das? Und weiß er, wofür er eintritt? Führung ohne eine Zielvorstellung geht nicht.

Und wo würden Sie in Stuttgart mit Ihrer Prävention beginnen?
Zuerst bei der Bildung. Ich möchte Stuttgart zur Bildungshauptstadt machen. Zweitens: Wie können wir neue Nachbarschaften begründen? Durch Mobilität, Zuwanderung und Alterung lösen sich in der Stadt Nachbarschaften auf – dem müssen wir entgegenwirken. Das Mehrgenerationenhaus in Heslach ist ein tolles Beispiel dafür.

Sitzen wir deswegen hier?
Ja, als ich mir das Haus zum ersten Mal angesehen habe, saßen binnen einer halben Stunde 17 Menschen aus elf Ländern um mich herum. Jeder hatte eine Geschichte zu erzählen, alle auf Deutsch.

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