Stuttgarter Philharmoniker Die Magie des Klanges

Die Stuttgarter Philharmoniker Foto: Stuttgarter Philharmoniker/Thomas Niedermueller

Die Stuttgarter Philharmoniker und die Dirigentin Marzena Diakun begeistern im Beethoven-Saal ihr Publikum in der Weihnachtsausgabe ihrer Reihe „Mythos Orient“.

Wenn in Sinfoniekonzerten zwei Harfen auf der Bühne stehen, dann heißt das in der Regel: Jetzt wird Musik aus Frankreich gespielt. Die französischen Komponisten, die ein besonderes Interesse an der Klangfarbe entwickelt haben, holten die Harfe aus dem Opern-Graben in den Konzertsaal. Warum auf ihre rauschhaften Farben verzichten? Gerade für die plastische Vermittlung epischer Inhalte ist die formbildende Kraft der Klangfarbe ein Muss, wie sich jetzt auch wieder im Konzert der Stuttgarter Philharmoniker im Beethovensaal, in der Weihnachtsausgabe ihrer Reihe „Mythos Orient“, zeigte.

 

In der Leitung der polnischen Dirigentin Marzena Diakun gab es zunächst Paul Dukas’ sinfonische Dichtung „Der Zauberlehrling“ zu hören – in einer spannenden, elektrisierenden Aufführung. Diakun dirigiert exakt und plastisch, mit beschwörender Gestik und mit so viel Power, dass ihr Taktstock bei abrupten dramatischen Stopps leicht nachvibriert.

Dem knitzen Zauberlehrling hat wohl genau das gefehlt

Vermutlich hat dem knitzen Zauberlehrling in Goethes Ballade genau dies alles gefehlt, als er den Besen per Abrakadabra zum Wasserträger fürs Bad des Meisters zweckentfremden wollte – und stattdessen den entfesselten Feger das Hexer-Haus unter Wasser setzen ließ. Jedenfalls gelang den Philharmonikern Dukas’ Vertonung wunderbar: dank straffem Spannungsbogen und genauer atmosphärischer Formung – vom mystischen Beginn über die Überschwemmungskatastrophe bis hin zum plötzlichen Ende des Zauberspuks.

Wenn von Klangfarbe die Rede ist, dann ist Maurice Ravel nicht weit. Warum das so ist, wurde an diesem Abend fühlbar gemacht in seinen drei Orchesterliedern „Shéhérazade“ auf Gedichte von Tristan Klingsor. Traumhaft schöne Musik, in der Ravel der seinerzeit weitverbreiteten Sehnsucht nach dem Orient Ausdruck verliehen hat. Sie ergänzten sich ideal: die Philharmoniker und Amina Edris, deren warm timbrierte, über ein weites Ausdrucks- und Farbspektrum verfügende Sopranstimme hineinzog in die exotische Welt der Märchen aus Tausendundeiner Nacht – die bei Ravel fluoreszierende Klänge und sinnliche Bilder an die Ohren sendet, aber doch auch die dunklen Seiten der Textvorlage nicht außen vorlässt. Schließlich erfand Scheherazade ihre Märchen, um den frauenhassenden Sultan von seinem Plan abzubringen, sie zu ermorden.

Um die Kraft der Instrumentation noch deutlicher zu machen, gab’s als Finale Ravels phänomenale Orchesterversion der „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky. Gegenüber der originalen Klavierfassung weitet sich nun der Klangraum durch farbige, munter gesprächige Vielstimmigkeit. Musik, die den vielen Orchester-Soloinstrumenten den roten Teppich ausrollt, was die Philharmoniker mit Leidenschaft und Spielfreude für sich nutzten.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgarter Philharmoniker Konzert