Frau Fezer, die Landesregierung von Baden-Württemberg fördert die Schulträger mit 60 Millionen Euro bei der Anschaffung mobiler Lüftungsanlagen. Ist das eine Lösung für die Stuttgarter Schulen?
Es hilft uns teilweise. Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, die die Möglichkeiten der Luftverbesserung und die Reduzierung der Infektionsgefährdung in Stuttgarter Klassenräumen untersuchen sollte. Das Ergebnis liegt uns seit Dienstag vor. Demnach können Luftreinigungsgeräte für schlecht zu lüftende Räume eine Unterstützung sein. Deshalb werde ich dem Gemeinderat vorschlagen, dass wir in solchen Räumen Luftreiniger einsetzen.
In welchem Umfang wird das sein?
Es handelt sich dabei um Klassenräume im niedrigen dreistelligen Bereich. Wir haben insgesamt 9000 Klassenräume. Wir gucken uns genau an, in welchen Räumen das Sinn ergibt. Das Mittel der Wahl und von uns eindeutig präferiert ist – bei höheren Inzidenzen – aber eindeutig die Kombination von Stoßlüften, Maskentragen und Testen. Damit sind wir auf einer ziemlich sicheren Seite. Mit mobilen Reinigungsgeräten erreichen wir laut der Studie aber nur einen marginalen Mehrwert – und haben dadurch auch Nachteile bei der Akustik und durch Zugluft. Man darf sich von diesen Geräten allein nicht die völlige Freiheit erwarten oder sich in falscher Sicherheit wiegen. Sie sammeln Aerosole ein, aber sie ersetzen nicht das Lüften und Maskentragen. Und sie können nicht die CO2-Belastung im Klassenzimmer senken oder Luftfeuchtigkeit abführen.
Was ist mit den CO2-Ampeln, deren Beschaffung das Land ebenfalls fördert?
Die CO2-Ampeln sind eine gute Sache, weil sie daran erinnern, regelmäßig zu lüften. Damit können sie indirekt etwas zur Senkung der Aerosolbelastung beitragen.
CO2-Ampeln kosten nicht die Welt. Wird Stuttgart diese für alle 9000 Klassenzimmer anschaffen?
Das werden wir in der Verwaltung prüfen und dem Gemeinderat in den nächsten Tagen einen Vorschlag machen. Bereits heute werden in den Stuttgarter Schulen etwa 800 CO2-Ampeln genutzt.
Wird die Stadt Stuttgart die vom Bund geförderten stationären Raumluftanlagen zum Austausch der Luft in den Klassenzimmern beschaffen?
Ja, wir werden das Förderprogramm nutzen. Wir machen das im Zuge von Sanierungen. Aber das ist ein längerer Prozess. Raumlufttechnische Anlagen baut man nicht mal eben über die Sommerferien ein. Eine kurzfristige Lösung zur Bewältigung einer möglichen weiteren Welle im Herbst ist damit nicht zu erreichen.
Etliche Eltern sind verärgert, weil die Stadt nicht will, dass Schulen auf eigene Kosten oder durch Spenden Luftreiniger anschaffen. Wie erklären Sie das?
Im Sinne der Gesundheit der Schülerinnen und Schüler möchten wir, dass in den Schulen nur Luftreinigungsgeräte stehen, die bestimmten Leistungs- und Sicherheitskriterien entsprechen. Dafür brauchen wir eine fundierte Faktenbasis. Diese liefert die Studie. Wir wissen jetzt auch, wie ein Luftreiniger beschaffen sein muss, um die erwünschte Wirkung zu erreichen. Und wir können als Stadt Stuttgart einheitlich vorgehen, auch was die Wartung, aber auch Haftungsrisiken angeht. Es ist übrigens die erste Studie dieser Art, soweit ich weiß, nicht nur in Deutschland, die überhaupt in Klassenräumen unter Unterrichtsbedingungen und unter Berücksichtigung von Sicherheits- und Haftungskriterien durchgeführt worden ist. Alle Entscheidungen dazu, auch in Bayern, sind bisher nicht wirklich faktenbasiert getroffen worden. Wir haben mit der Studie eine vernünftige wissenschaftliche Basis geschaffen. Jetzt muss die Politik entscheiden.
Wann werden die mobilen Geräte angeschafft?
Wir wollen die Entscheidung noch vor der Sommerpause herbeiführen und die Beschaffung in den Sommerferien organisieren. Ziel ist, die Luftreinigungsgeräte im Herbst aufzustellen. Wir werden allerdings nicht die Einzigen sein, die Geräte bestellen.
Was wollen Sie darüber hinaus unternehmen, um im Herbst bei höherer Infektionslage Schulschließungen zu vermeiden?
Wir können als Schulträger die Situation immer nur gemeinsam mit dem Land betrachten. Lüften, Maskentragen, Testen – das hat bisher schon zu guten Ergebnissen geführt. Wenn das Land bei höheren Inzidenzen keine Maskenpflicht verfügt, würden wir das als Stadt in Erwägung ziehen. Und eine Sache ist mir wichtig: Wir haben festgestellt, dass Schulen nicht die Ausgangspunkte von Infektionen sind, sondern es sind die Erwachsenen. Kinder stecken sich bei ihren Eltern an und tragen das Virus in Kita und Schule. Deshalb sehe ich es als wichtigste und wirksamste Präventionsmaßnahme an, dass sich Erwachsene impfen lassen, um Kinder zu schützen und Schulen offen lassen zu können.