Stuttgarter Staatsgalerie Grüne Haare vom Meister

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Die Infrarotkamera bringt es ans Licht


Die Figuren wirken durch die Restaurierung plastischer, meint die Kuratorin Elsbeth Wiemann. Auch eine Frage, die Henning Antzen und Stephanie Dietz von Anfang an beschäftigte - nämlich ob die grünen Haare des Pontius Pilatus von Holbein stammen oder einer nachträglichen Behandlung zu verdanken sind - lässt sich nun beantworten: Jawohl, sie sind von Holbein. Der Meister war ein hervorragender Kolorist, und da es sich bei seiner "Grauen Passion" ursprünglich um Altartafeln handelte, war die Haarfarbe des römischen Statthalters auf Fernwirkung angelegt: Aus größerer Distanz erscheinen sie silbrig.

Vieles, was die Kunstwissenschaft bisher über Hans Holbeins Maltechnik nicht wusste, haben die Restauratoren unter der hochauflösenden digitalen Infrarotkamera erforscht. So lassen die sorgfältigen Vorzeichnungen unter der Farbe darauf schließen, dass dem Künstler, einem Porträtisten von Rang, vor allem die Gestaltung der Köpfe und Gesichter wichtig war, während er Gewandfalten oder Mobiliar wohl den Malern seiner Werkstatt überließ. Völlig offen bleibt jedoch die Provenienz der "Grauen Passion", die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts auf den Kunstmarkt kam. "Wir vermuten, dass sie ursprünglich für eine Augsburger Kirche gemalt wurde", sagt Elsbeth Wiemann, "aber nachweisbar ist das nicht." Dann scheucht Sean Rainbird die Journalisten aus der Werkstatt. "Diese Restaurierung ist wie ein Marathonlauf - aber auch bei dem gibt es keine Zeit zu verlieren."


Holbeins "Graue Passion"


Werk
Die "Graue Passion" von Hans Holbein d.Ä. gilt wegen ihre Farbgebung als eine der ungewöhnlichsten Passionsfolgen der altdeutschen Kunst. Holbein entwickelte aus der Grau-in-Grau-Malerei eines Jan van Eyck und Rogier van der Weyden ein monochromes Kolorit, das in Verbindung mit wenigen leuchtenden Farben in der europäischen Altarmalerei einzigartig ist. Ursprünglich bildeten die zwölf Tafeln die Außen- und Innenseiten zweier doppelseitig bemalter Flügel eines Passionsaltars.

Ausstellung
Präsentiert wird die restaurierte Passionsfolge in der Schau "Die Graue Passion in ihrer Zeit" zusammen mit internationalen Leihgaben vom 27. November an.